ASIEN/INDIEN - Coronavirus stürzt viele in Armut

Freitag, 5 Juni 2020 armut   hunger   solidarietät    

Nuova Delhi (Fides) - In Indien kämpfen viele mehr noch als gegen das Coronavirus gegen die Gefahr von Hunger und Armut. Menschenrechtsaktivisten und christliche Freiwillige appellierten deshalb an die Regierung mit der Bitte, sicherzustellen, dass die Versorgung der Ärmsten und derjenigen, die, aufgrund des anhaltenden Lockdowns ihren Arbeitsplatz verloren haben zu helfen.
Jesuitenpater Irudaya Jyothi, der im Bundesstaat Westbengalen eine Kampagne zum Recht auf Nahrung auf den Weg brachte, beklagt Mängel bei der Verteilung staatlicher Hilfen: "Wenn diese Lücken nicht geschlossen werden, wird die Zahl der hungernde Menschen zunehmen", stellt der Ordensmann fest. Der Priester betont auch, dass die Medien breits vor einiger Zeit berichteten, dass die Armen nichts zu Essen haben, "aber die Regierung scheint sich darüber keine Sorgen zu machen, sondern stellt aus Gedreide Ethanol her”.
 Auch der Kapuziner Pater Nithya Sagayam, ehemaliger Sekretär der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der katholischen Bischofskonferenz von Indien, stellt gegenüber Fides fest, dass "zur Zeit vor allem die Notwendigkeit besteht, die Bedürftigen mit Lebensmitteln zu versorgen", und bemerkt, dass "die Regierung die Aufgabe hat neue Wege finden, um während des Gesundheitsnotstands mit Armut umzugehen."
Die katholische Kirche in Indien bemüht sich ihrerseits, die am stärksten gefährdeten Gruppen und Wanderarbeiter mit Lebensmitteln zu versorgen, die in den letzten drei Monaten oft lange Reisen auf sich genommen haben, um in ihre Heimatdörfer zurückzukehren.
Unter anderem versorgt das "Board for Research Education and Development" (BREAD), eine christliche NGO mit Sitz in Noida an der Grenze zwischen Delhi und Uttar Pradesh, die von der Indischen Missionsgesesllschaft getragen wird, etwa 36.000 beanchteiligten Schülern in 75 Schulen in Jharkhand täglich mit einer Mahlzeit.
In Bombay in Westindien versuchen Ordensschwestern die Armen mit Hilfe von freiwilligen Heilfern zu versorgen, so Schwester Lavina D'Souza, Direktorin des “Mumbai Social Center”, gegenüber Fides. "Die Empfänger”, so die Ordensfrau, “sind Familien der vielen Tagelöhner, Arbeitslose, Hausangestellten und andere Menschen, die in Bombay in Armut geraten sind".
Der Lockdown, der im ganzen Land zu Eindämmung von Covid-19 auferlegt wurde, wird wahrscheinlich mindestens 12 Millionen weitere indische Bürger in extreme Armut stürzen, so die Weltbank in einem Bericht zur weltweiten Afmut. Nach Schätzungen des unabhängigen "Center for Monitoring Indian Economy" waren im April rund 122 Millionen Inder arbeitslos.
Ashwajit Singh, Vorstandsvorsitzender von "IPE Global", einem Beratungsunternehmen im Entwicklungssektor, der als Berater für mehrerer in Indien tätige multinationaler Unternehmen arbeitet, stellt fest, dass in Indien "mehr Menschen eher verhungern könnten als an dem Virus zu stereben". Singh zitiert eine Studie der Universität der Vereinten Nationen, wonach 104 Millionen Inder die von der Weltbank festgelegte Armutsgrenze von 3,2 USD pro Tag für Länder mit niedrigem mittlerem Einkommen unterschreiten könnten. Dies wird den Gesamtanteil der in Armut lebenden Menschen in Indien von 60% (derzeit 812 Millionen) auf 68% (920 Millionen Inder) ansteigen lassen: damit kehrt das Land zu einer Situation, die zuletzt vor über einem Jahrzehnt in diesem Ausmaß aufgetreten war.
(SD-PA) (Fides 5/6/2020)


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