ASIEN/AFGHANISTAN - Corona-Pandemie: Organisationen der Zivilgesellschaft bringen Aufklärungskampagnen in ländlichen Gebieten auf den Weg

Freitag, 24 April 2020 medien     jugendliche   gesundheitswesen   armut  

Kabul (Fides) - „Wir haben die größte Aufklärungs-Kampagne des Landes gestartet. Unsere jungen freiwilligen sind aktiv geworden und haben 18 Provinzen besucht, um dort ein Bewusstsein für die Risiken des Virus und Möglichkeiten zur Eindämmung seiner Ausbreitung zu schaffen sowie Hygienematerial zu verteilen", so Hamidullah Zazai Direktor der Initiative "Mediothek Afghanistan", die nach dem Sturz des Taliban-Regimes im Jahr 2001 in der lokalen Zivilgesellschaft auf den Weg gebracht wurde.
Um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken, hat die Regierung von Kabul in den letzten Wochen Eindämmungsmaßnahmen dere die soziale Distanz eingeführt und Informationskampagnen auf den Weg gebracht. Das Gesundheitssystem des Landes ist jedoch defizitär: Ressourcen, Ausrüstung und Geräte und Kompetenzen fehlen . Neben internationalen Hilforganisationen sind daher auch Organisationen wie die Mediothek aktiv und leisten einen wichtigen Beitrag, um das Virus einzudämmen.
Afghanistan gibt es nach offiziellen Angaben bereits 1300 Infizierte und etwa 50 Todesfälle. Die Verfügbarkeit von Tests ist jedoch äußerst begrenzt und die Fallzahlen sind wahrscheinlich viel größer. Der durch das Coronavirus verursachte Gesundheitsnotstand führt zu weiterer politischer Instabilität und Abhängigkeit von internationalen Geldgebern und der besonderen Anfälligkeit der Bevölkerung in Konfliktgebieten, in ländlichen Gebieten oder in den provisorischen Unerkünften von Binnenvertriebenen. In diesen Bereichen fehlen häufig korrekte Informationen.
"Deshalb haben wir eine weit verbreitete Kampagne außerhalb der Großstädte angestrebt", fügt Hamidullah Zazai hinzu. Die Tür-zu-Tür-Kampagne "erreicht Tausende afghanischer Familien" in 60 Distrikten und basiert auf den Prinzipien der Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit, die trotz 40 Jahren Krieg unter den Menschen weiter existieren und zu Beginn des heiligen Monats Ramadan besonders aktiv gepflegt werden. Für Ahmad Sultan Karimi, Mitgründer der Mediothek Afghanistan, "liegt es in der Verantwortung aller, sich um ihre Mitbürger zu kümmern", insbesondere um diejenigen in Schwierigkeiten mit weniger Ressourcen, die in ländlichen Gebieten leben, wo auch der Konflikt größere negative Folgen hat.
In Afghanistan leben mehr als 50% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, mindestens 9 Millionen Einwohner (von etwa 35) benötigen humanitäre Hilfe. Nach Angaben der Weltbank kommen auf 10.000 Einwohner nur 3 Ärzte. Der Global Health Security Index, der die Bereitschaft zur Bekämpfung von Epidemien misst, zählt Afghanistan zu den am wenigsten vorbereiteten Ländern der Welt.
Die wirtschaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Auswirkungen des Virus dürften dramatisch sein. Laut dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen werden die Menschen mit "akutem Nahrungsmittelbedarf" in diesem Jahr weltweit von 135 Millionen auf 265 Menschen ansteigen. Afghanistan mit mehr als 11 Millionen Einwohnern, die als "ernsthaft unsicher" gelten,was die Lebensmittelversorgung anblangt, gehört zu den fünf Ländern - neben dem Jemen, der Demokratischen Republik Kongo, Venezuela und dem Südsudan -, die am meisten unter Nahrungsmittelknappheit leiden werden.
Trotz der humanitären Krise hört der Konflikt im Land jedoch nicht auf. Das Ende Februar in Doha unterzeichnete politische Abkommen zwischen den Taliban und den Vereinigten Staaten reduzierte die militärische Konfrontation zwar zwischen den Unerzeichnern, nicht aber zwischen der Regierung in Kabul und den "Koranstudenten". In den letzten Tagen ließen jedoch sowohl die Taliban als auch Präsident Ashraf Ghani Häftlinge frei. Diese humanitäre Geste während der Corona-Pandemie könnte gleichzeitig ein Schritt in Richtung des möglichens Beginn echter innerafghanischer Verhandlungen sein. "Wir hoffen, dass damit ein anhaltender Waffenstillstand beginnt", so der UN-Generalsekretär Antonio Guterres und Papst Franziskus.
(GB-PA) (Fides 24/4/2020)


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