AFRIKA/SUDAN - Bischof von El Obeid: „Auf den Nubabergen sterben Menschen in einem vergessenen Konflikt“

Freitag, 10 Februar 2012

Khartum (Fidesdienst) – „Auf den Nubabergen sterben viele Menschen an Hunger und unter Bombenbeschuss“, so Bischof Macram Max Gassis von El Obeid, an der Grenze zwischen dem Sudan und dem Südsudan. In seiner Diözese befinden sich auch die Nubaberge, die sich in der sudanesischen Provinz Südkordofan befinden, die Gegenstand eines Konflikts zwischen der sudanesischen Armee und der Sudanesische Befreiungsarme Nord (SPLA/N) ist.
Bischof Gassis erinnert daran, dass die „einheimische Bevölkerung sich als Teil des Südsudan empfindet, und auch die südsudanesische Währung benutzt. Die Soldaten der SPLA aus den Nubabergen haben für die Unabhängigkeit des Südsudan gekämpft: der Staat West Equatoria (der heute zu Südsudan gehört) wurde von ihnen befreit. Der Südsudan ist den Soldaten aus den Nubabergen also etwas schuldig“.
„Alle Priester und Ordensleute sowie das gesamte medizinische Personal verlassen die Region nicht“, so der Bischof weiter, „Sie bleiben dort und setzen damit um, was Jesus sagt: ‚es gibt keine größere Liebe, als das Leben für Freunde hinzugeben’. Es ist nicht einfach, denn es kommt immer wieder zu Bombenbeschuss und dabei sterben viele Zivilisten, darunter auch Kinder“.
Zwischen dem Südsudan und dem Sudan wachsen unterdessen die Spannungen und man befürchtet einen offenen Konflikt zwischen den beiden Staaten (vgl. Fidesdienst, 09/02/2012). „Doch der neue Staat Südsudan will keinen Krieg“, so Bischof Gassis. „Das Problem ist der sudanesische Präsident, Omar Bashir, der sich in die Enge getrieben fühlt und hofft, durch einen neuen Krieg, einen Ausweg zu finden. Nachdem er den Süden verloren hat versucht der Präsident die Kontrolle über die anderen Teile des Sudan zu behalten, die die Unabhängigkeit anstreben“, so der Bischof. „Soldaten aus Khartum“, so der Bischof weiter, „sind in die Provinz Blue Nile eingedrungen und sind dort von Rebellen umzingelt. In den Nubabergen, Abyei und Darfur ist die Situation kritisch und spitzt sich jeden Tag weiter zu. Nun hat der Süden den Ölhahn zugedreht und die höheren Lebenshaltungskosten im Norden werden bereits spürbar. Die Offiziere der Armee beklagen in einem Bericht an den Präsidenten und an das Verteidigungsministerium die schlechten Bedingungen für die Soldaten“.
„Es gibt also eine Reihe von besorgniserregenden Signalen für den Präsidenten, der versucht, die Probleme mit neuen Kriegen zu lösen“, so der Bischof von El Obeid. „Die Besatzung von Abyei ist im gelungen, weil es sich um ein ebenes Gelände handelt. Doch in den Nubabergen sind die Verhältnisse anders. Es gibt Berge und Höhlen, in denen sich die Guerillakämpfer verstecken können, um die Soldaten aus Khartum aus dem Hinterhalt anzugreifen. Die Guerillakämpfer der Nubaberge sind außerdem sehr diszipliniert und gut ausgebildet. Dies kann leider nicht verhindern, dass die Zivilbevölkerung leiden muss. Auch die Kirche musste Opfer verzeichnen: ein Mitarbeiter der Caritas wurde vor fünf Monaten in Kadugli (der Hauptstadt von Kordofan) von den sudanesischen Truppen ermordet“, so Bischof Gassis abschließend. (LM) (Fidesdienst 10/02/2012)


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