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Asia

2011-09-09

ASIEN/JAPAN - Caritas sechs Monate nach dem Erdbeben: „Der Winter steht bevor und 100.000 Obdachlose sind dringend auf wirksamere Hilfe angewiesen“

Tokio (Fidesdienst) – „Der Winter steht bevor und es wird ein harter Winter werden. Deshalb ist es von wesentlicher Bedeutung, dass die neue Regierung die Hilfen und die Unterbringung rascher und wirksamer gestaltet“, so der Geschäftsführer von Caritas Japan, Pfarrer Daisuke Narui, zum Fidesdienst in einem Kommentar zur Bildung einer neuen Regierung unter Premierminister Yoshihiko Noda übere die Erwartungen und Hoffnungen der rund 100.000 Obdachlosen sechs Monate nach dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März dieses Jahres.
Wie aus Angaben der japanischen Polizeibehörden hervorgeht, kamen bei dem Erdbeben 15.774 Menschen ums Leben, 4.227 gelten weiterhin als vermisst. Über 410.000 Menschen wurden obdachlos und mussten aus den vom Erdbeben und vom Tsunami betroffenen Gebieten evakuiert werden, während weitere 84.000 ihre Wohnungen in der Umgebung des AKW Fukushima verlassen mussten. Weitere 15.000 Menschen können nicht in ihre Wohnungen zurückkehren, weil sie sich in einem Gebiet im Umkreis von 20 Kilometern um das AKW befindenden, das als „radioaktiv verseucht“ gilt.
„Die größte Herausforderung, mit denen sich die Helfer nun konfrontiert sehen“, so der Geschäftsführer der Caritas, „ist die Vorbereitung auf den herannahenden harten Winter. Wir hoffen, dass die Regierung rasch gute Finanzpläne und Umsiedlungsprogramme für die Obdachlosen auf den Weg bringt, denn die Zeit drängt“. Die japanische Regierung schuf unterdessen einen Fonds (im Umfang von rund 90 Milliarden Euro) für Schadenersatzzahlungen an die von dem Unfall im AKW betroffenen Menschen.
„Was uns betrifft“, so P. Narui, „laufen die Hilfsprogramme der Caritas sehr gut. Wir haben über 15.000 freiwillige Helfer zu den Obdachlosen insbesondere in den am meisten betroffenen Gebieten nach Sendai geschickt. Viele Menschen konnten die Zelte inzwischen verlassen und wurden in provisorischen Unterkünften untergebracht. Wir haben mindestens 10.000 Menschen auf unterschiedliche Weise geholfen, die wir unter moralischen und materiellen Gesichtpunkten betreut haben. Wir werden weiterhin unser Bestes tun.“
Besonders dringlich ist die Notlage der Familien in der Umgebung des AKW Fukushima. „Dort leben die Menschen in der Angst vor der Zukunft“, so P. Darui, „Auf der einen Seite gibt es Obdachlose, deren Wohnungen sich in einem Umkreis von 20 Kilometern um das AKW befanden. Für sie müssen neue Unterkünfte geschaffen werden. Doch aus Angst vor radioaktiver Verstrahlung haben viele Familien, insbesondere mit werdenden Müttern und kleinen Kindern auch Wohnungen außerhalb dieses Gürtels verlassen. Die Caritas entsandte ihre Helfer auch in die Umgebung von Fukushima: im Gespräch mit den Familien erfuhren sie viel über deren Anliegen, doch entsprechende Hilfsprogramme müssen von der Regierung auf den Weg gebracht werden“. Die Schulen in der Präfektur Fukushima (außerhalb des 20-Kilometer-Gürtels) haben den Unterricht wieder aufgenommen, doch aus Untersuchungen von Nichtregierungsorganisationen geht hervor, dass weiterhin die Gefahr einer atomaren Verstrahlung insbesondere für Kinder sehr hoch bleibt, weshalb viele Familien wegziehen. „Die japanischen Christen“, so Pfarrer Narui abschließend, „zeigen in dieser Notlage große Solidaritätsbereitschaft und leisten konkrete Hilfe durch Geldspenden und die Entsendung freiwilliger Helfer, aber auch durch das Gebet“. (PA) (Fidesdienst, 09/09/2011)

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