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Asia

2003-06-17

ASIEN/PAKISTAN - CHRIST NACH VIER JAHREN HAFT UND ANKLAGE WEGEN BLASPHEMIE FREIGESPROCHEN

Lahore (Fidesdienst) – Die Christen in Pakistan haben Anlass zur Freude: der Leidensweg des protestantische Christen Aslam Mashi, der wegen Blasphemie viereinhalb Jahre im Gefängnis verbracht hat, ist zu Ende. Am 4. Juni wurde er vom Obersten Gericht in Lahore wegen mangelnder Beweise freigesprochen. Seit 1998 hatte er sich in Faisalabad in Haft befunden. In dieser Zeit war er wiederholt misshandelt und gefoltert worden.
Masih, der im Verwaltungsdistrikt Faisalabad in Pakistan lebte, war zu lebenslanger Haft und einer Geldstrafe von 100.000 Rupie verurteilt worden: in dem Urteil das das zuständige Gerichts in Faisalabad, das am 7. Mai vergangenen Jahres ausgesprochen hatte, bezogen sich die Richter auf den Artikel 295 des Strafgesetzbuches. Er soll 1998 den Koran und den Propheten Mohammed geschändet haben. Anklage hatte der örtliche Mullah zusammen mit der islamischen Miliz „Ahlay Hades“ erhoben.
Nach Angaben pakistanischer Menschenrechtsverbände hatte es sich dabei um einen konstruierten Fall gehandelt, der ohne vorherige Ermittlungen bei Gericht vorgelegt worden war. Aslam Masih war von den Mitgliedern einer militanten Bande bereits misshandelt worden, bevor man ihn zum Kommissariat gebracht hatte. Während der Verhandlung beim Obersten Gericht hatte die Staatsanwaltschaft versucht die Schuld des Angeklagten zu Beweisen, doch es gab zahlreiche entlastende Zeugenaussagen. Augenzeugen berichten, dass der Richter, der den Christen in der Erstinstanz verurteilt hatte, dem Druck islamischer Fundamentalisten ausgesetzt gewesen war, die im Rahmen einer Kundgebung vor dem Gerichtsgebäude die Verurteilung forderten.
Die christliche Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity Worldwide (CSW) hatte sich von Anfang an für die Feilassung von Aslam Masih eingesetzt und begrüßt nun den endgültigen Freispruch: „Wir freuen uns über die Freilassung eines Unschuldigen“, so Rev. Stuart Windsor, Leiter des CSW, “doch wir möchten auch daran erinnern, dass sich noch viele unschuldige Männer und Frauen in pakistanischen Gefängnissen befinden. Der Fall Aslam stellt unter Beweis, wie der Blasphemieparagraph von islamischen Fundamentalisten zur Verfolgung von Christen oder Andersdenkenden missbraucht wird. Die pakistanische Regierung sollte umgehend Maßnahmen ergreifen, die einen solchen Missbrauch verhindern und ethnische und religiöse Minderheiten schützen“.
Der als „Blasphemieparagraph“ bekannte Artikel 295/c des pakistanischen Strafrechts soll auf alle angewandt werden, „die durch Schrift, Gesten oder Darstellungen, direkt oder indirekt den heiligen Nahmen des Propheten beleidigen“. Das Strafmaß reicht bis zu lebenslanger Haft.
Nach Angaben der Justitia et Pax-Kommission der Pakistanischen Bischofskonferenz wird der Paragraph oft auch bei persönlichen Streitigkeiten herangezogen. Wie aus einer Untersuchung der Kommission hervorgeht wurden seit 1987 mindestens 148 Muslime, 208 Ahmadi, 75 Christen und 8 Hindu zu Unrecht der Blasphemie beschuldigt.
Zu den jüngsten Episoden zählt auch der Fall einer Christin aus Faisalabad, Ranjha Masih, die im April 2003 zu lebenslanger Haft und einer Geldstrafe von 50.000 Rupie verurteilt worden war. Im Juni 2002 war Augustine Masih aus Faisalabad wegen schwerwiegender blasphemischer Handlungen sogar zum Tod verurteilt worden. Im April 2001 war der Rektor einer christlichen Schule in Daska, Parvez Masih, wegen Blasphemie verurteilt worden. Die Anklage hatte der Rektor einer benachbarten muslimischen Schule eingereicht.
(PA) (Fidesdienst 17/6/2003 – 44 Zeilen, 487 Worte)

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