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Tombura Yambio (Fides) – „Nehmt an den Wahlen teil, aber schützt die Familie. Dient dem Volk, aber zerstört euch nicht gegenseitig.“ So lautet der Appell des Bischofs von Tombura Yambio, Eduardo Hiiboro Kussala, im Vorfeld der für den 22. Dezember 2026 angesetzten Parlamentswahlen im Südsudan, den ersten seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 2011.
In einer an den Fidesdienst gesendeten Botschaft wendet sich der Bischof insbesondere an diejenigen, die kandidieren wollen, und regt zum Nachdenken über politische Verantwortung, den Schutz der Familie und die Notwendigkeit an, den Wahlkampf zu führen, ohne neue Spaltungen zu schüren.
„Ich spreche nicht als Politiker oder Analyst, sondern als Bischof, südsudanesischer Bürger und Vater, der an der Seite unseres Volkes geht“, betont Hiiboro, der berichtet, täglich „Mütter und Väter, junge Menschen, Bauern, Studenten, vertriebene Familien und Gemeindevorsteher“ zu treffen und ihnen bei „ihren Hoffnungen, Ängsten und Schwierigkeiten“ zuzuhören.
Der Bischof ruft dazu auf, die Wahlen als wichtige Chance für das Wachstum der jungen südsudanesischen Demokratie zu betrachten. „Wir müssen noch viel lernen über demokratische Teilhabe, politischen Wettbewerb, Führungsqualitäten, die Akzeptanz von Ergebnissen und friedlichen Dissens“, betont er. „Da wir bereits enorme Herausforderungen gemeistert haben, können wir uns keinen Wahlkampf leisten, der neue Wunden schlägt, wo Weisheit diese verhindern könnte.“
„Warum kandidiere ich?“ Das ist die erste Frage, die Hiiboro dazu auffordert, sich zu stellen. Jeder Bürger, der über „Integrität, Kompetenz, Weitblick und den aufrichtigen Wunsch zu dienen“ verfügt, sollte die Freiheit haben, zu kandidieren, doch bevor er in den Wahlkampf eintritt, sollte er seine Beweggründe und seine Vorbereitung überprüfen. „Tue ich dies, um dem Volk wirklich zu dienen, oder einfach nur, um ein Amt zu erlangen?“, fragt der Bischof. Und weiter: „Habe ich gebetet, mich beraten lassen und mich finanziell, emotional und spirituell vorbereitet? Bin ich mir der Verantwortung bewusst, die ich auf mich nehme? Und kann ich das Ergebnis gelassen akzeptieren, wie auch immer es ausfallen mag?“Besondere Aufmerksamkeit gilt der Familie, die Gefahr läuft, in politische Spaltungen hineingezogen zu werden. „Ehemann und Ehefrau können kandidieren, auch für verschiedene Parteien. Brüder und Schwestern können gegeneinander antreten. Eltern und Kinder können unterschiedliche politische Ambitionen haben“, bemerkt der Bischof und erinnert daran, dass „die Demokratie unterschiedliche Überzeugungen zulässt“. Die Gefahr besteht jedoch darin, dass der politische Wettbewerb letztendlich in das Familienleben eindringt. „Unterschiedliche politische Meinungen können zu Streitigkeiten führen. Die Finanzierung des Wahlkampfs kann zu Spannungen führen. Anhänger können Gerüchte verbreiten und Druck innerhalb der Familie ausüben.“ Auch Kinder, fügt er hinzu, können politischer Feindseligkeit ausgesetzt sein oder sich gezwungen fühlen, Partei zu ergreifen, während sich Geschwister aufgrund ihrer jeweiligen Parteizugehörigkeit voneinander entfernen können.„Wenn das geschieht“, warnt er, „kann das eigene Zuhause langsam zu einer weiteren Wahlkampfarena werden.“Deshalb fordert Bischof Hiiboro die Familien auf, sich vor Beginn der intensivsten Phase des Wahlkampfs miteinander auseinanderzusetzen: „Betet gemeinsam. Sprecht ehrlich miteinander. Besprecht Finanzen, Kinder und Erwartungen.“ Und vor allem: „Was auch immer politisch geschieht, die Würde jedes Einzelnen und der Zusammenhalt der Familie müssen gewahrt bleiben.“„Lasst nicht zu, dass eure Anhänger euch spalten. Setzt die Zukunft eurer Familie nicht bei einer Wahl aufs Spiel“, mahnt der Bischof. „Möge die Familie der Ort sein, an den man ohne Scham zurückkehren kann, ganz gleich, ob ein Kandidat gewinnt oder verliert.“In seiner Botschaft weist der Prälat auch auf den persönlichen Preis des politischen Wettstreits hin, der aus Druck, Kritik, Gerüchten, Angst und Erschöpfung besteht. „Es gibt Menschen, die dich heute lobpreisen und morgen verschwinden.
Deine Familie hingegen wird dir zur Seite stehen.“ Eine Wahl, betont er, „kann nur wenige Monate dauern, aber deine Familie wird viele Jahre lang mit ihren Folgen leben müssen.“ Daraus ergeben sich einige einfache Ratschläge: „Bete. Ruh dich aus. Bitte diejenigen um Rat, die dir die Wahrheit sagen, nicht nur diejenigen, die dir Beifall spenden. Manchmal ist Schweigen die weiseste Antwort.“
Der Bischof hofft daher, dass die bevorstehenden Wahlen zu einer „Schule der Demokratie“ für das Land werden mögen. „Unsere Kinder beobachten uns“, sagt er. Sie werden Demokratie „nicht nur aus den Gesetzen und Institutionen lernen, sondern auch aus der Art und Weise, wie wir uns verhalten, wenn wir gewinnen und wenn wir verlieren“. Die Aufforderung lautet daher: „Friedlich anderer Meinung zu sein, ohne Hass zu konkurrieren, die Ergebnisse mit Würde zu akzeptieren und den Sieg zu feiern, ohne andere zu demütigen.“
Bischof Hiiboro verweist zudem auf die Bedeutung einer „breiten und inklusiven“ politischen Teilhabe, in der Frauen, Jugendliche, Fachleute, verschiedene Gemeinschaften und verantwortungsbewusste Bürger Platz finden können. Gleichzeitig warnt er: „Politische Ämter dürfen niemals als Familienbesitz betrachtet werden.“ Was zählen muss, sind „Kompetenz“, „Charakter“, „Integrität“ und „Dienstbereitschaft“, während „die Freiheit und Würde der Menschen im Mittelpunkt stehen müssen“.
Abschließend fordert der Bischof von Tombura Yambio all jene, die sich zum politischen Dienst berufen fühlen, auf, sich ernsthaft vorzubereiten und „mutig“ zu kandidieren, sich aber auch zu fragen, ob sie in der Lage sind, öffentliche Verantwortung zu übernehmen, ohne ihre familiären Bindungen zu gefährden.
„Der Südsudan hat aufgrund der Spaltungen bereits einen zu hohen Preis gezahlt“, erinnert er. Deshalb müsse man „unserer jungen Demokratie Geduld, unseren Ambitionen Weisheit, unseren Familien Schutz und einander Würde“ entgegenbringen.
„Gebt aus, was ihr euch leisten könnt, aber setzt nicht die Zukunft eurer Familie aufs Spiel“, schließt Hiiboro. „Bereitet euch darauf vor, zu gewinnen, aber bereitet euch noch besser darauf vor, in Würde zu verlieren. Ein Amt kann ein paar Jahre dauern. Die Familie bleibt.“
(AP) (Fides, 9/10/2026)