Bischöfe rufen zu nationaler Aussöhnung auf: “Gemeinwohl muss über Eigeninteressen stehen“

Montag, 6 Juli 2026 ostkirchen   geopolitik  

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Panama-Stadt (Fides) – Zum Abschluss der 225. Ordentlichen Vollversammlung, die vom 29. Juni bis 3. Juli stattfand, veröffentlichten die Bischöfe Panamas eine offizielle Verlautbarung mit dem Titel „Ein Wort des Glaubens und der Hoffnung für unser Volk – ‚Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen‘ (Röm 5,5)“. Darin betrachten die panamaischen Bischöfe die gegenwärtige soziale, politische und institutionelle Krise des Landes im Lichte des Evangeliums und bringen einen dringenden nationalen „Appell zu einer neuen Begegnung“ auf den Weg, mit dem Ziel Versöhnung und Dialog zu fördern.
Die Bischofskonferenz hebt einen „entscheidenden“ Moment in der panamaischen Geschichte hervor, der von Polarisierung und einem schwächer werdenden Dialog, aber auch von wachsendem Misstrauen gegenüber Institutionen, wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Arbeitslosigkeit und Unsicherheit geprägt ist, die insbesondere Familien und junge Menschen belasten. Zu dieser internen Situation kommen Spannungen um den Panamakanal hinzu, der unter den Auswirkungen von klimabedingter Dürre und zunehmendem geopolitischem Druck auf die Verwaltung seiner Infrastruktur leidet.
In diesem Kontext, nach Tagen des Gebets, des Hörens auf das Wort Gottes, der Diskussion und der Besinnung, erinnern die Bischöfe an die Aufforderung von Papst Leo XIV., „die Zeichen der Zeit zu hören, zu erkennen und zu deuten“ (vgl. Magnifica Humanitas), und rufen alle dazu auf, das Land als „eine nationale Familie“ neu zu entdecken. Ziel ist es, Vertrauen wiederherzustellen, die Logik der Konfrontation zu überwinden und das Gemeinwohl über Eigeninteressen und parteipolitische Kalkulationen zu stellen.
Die Bischöfe betonen die zentrale Bedeutung der Menschenwürde als Grundlage des nationalen Lebens: „Kein politisches, wirtschaftliches oder eigenes Interesse darf darüber stehen“. Daher der Aufruf, die Rechtsstaatlichkeit, die Unabhängigkeit der Gewalten und die Glaubwürdigkeit der Institutionen zu stärken – unerlässliche Voraussetzungen für eine versöhnte, gerechte und friedliche Gesellschaft in einem Land, in dem Proteste und unbefristete Streiks in den letzten Jahren Korruption, Gewalt und Ungleichheit offengelegt haben.
Besonderes Augenmerk gilt dem Strafvollzugssystem. Diejenigen, denen die Freiheit entzogen wurde, leben, wie die Bischöfe betonen, in einem überfüllten, gewalttätigen und verzweifelten Umfeld, das oft keine Zukunftsperspektive bietet. Die Kirche erkennt zwar das Recht der Gesellschaft auf Sicherheit an, bekräftigt aber, dass kein Verbrechen und kein Umstand die Würde der Inhaftierten auslöschen darf, und fordert eine Strafvollzugspolitik, die – ohne auf Gerechtigkeit zu verzichten – die umfassende Rehabilitation, die soziale Wiedereingliederung und die Achtung der Grundrechte fördert.
Ein weiterer Abschnitt des Textes befasst sich mit dem Thema Wasser, das sowohl im Alltag als auch in der nationalen Strategie zunehmend an Bedeutung gewinnt. „Wir sind zutiefst besorgt“, schreiben die Bischöfe, „denn die Zahl der Bevölkerungsgruppen, die unter dem Mangel an ausreichendem und kontinuierlichem Zugang zu Trinkwasser leiden, wächst“. Wasser wird als „eine Gabe Gottes, ein grundlegendes Menschenrecht und ein Gemeingut, das geschützt und für alle gewährleistet werden muss“ definiert, unter Bezugnahme auf die Enzyklika“ Laudato si’“ (Nr. 30) erinnern die Bischöfe daran, dass der Zugang zu sauberem Trinkwasser ein „grundlegendes, fundamentales und allgemeines Menschenrecht“ ist.
In diesem Kontext hat die durch El Niño ausgelöste Dürre den Schiffsverkehr im Panamakanal bereits reduziert und die Debatte über große Wassereinzugsgebiete sowie die sozialen und ökologischen Auswirkungen von Erweiterungsprojekten neu entfacht.
Genau aus diesem Grund hatten die Bischöfe „in einer Atmosphäre des Respekts, des Zuhörens und des Dialogs“ im Rahmen der Versammlung sowohl Vertreter der Panamakanalbehörde als auch der Gemeinden von Río Indio, Donoso und anderer Gebiete eingeladen, die vom strategischen Wasserprojekt für den Kanal betroffen sind und in denen es zu Spannungen und Protesten gekommen war. Die Bischofskonferenz dankt beiden Seiten für ihre Bereitschaft, ihre jeweiligen Anliegen vorzutragen, und bekräftigt, dass nur ein aufrichtiger und respektvoller Dialog die Schaffung dauerhafter Lösungen ermöglicht, die nationale Interessen mit den Rechten der lokalen Gemeinschaften, ihrer Beteiligung an Entscheidungsprozessen und dem verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung in Einklang bringen.
Der Text drückt auch die Verbundenheit der Bischöfe mit dem venezolanischen Volk aus, das von einem verheerenden Erdbeben getroffen wurde, sowie mit den panamaischen Familien, die von den jüngsten Bränden in der Hauptstadt betroffen sind. Um diese Solidarität in konkrete Gesten umzusetzen, wird am Sonntag, dem 5. Juli, während aller Gottesdienste zu einer Spendenkollekte aufgerufen, deren Erlös den Brüdern und Schwestern in Venezuela zugutekommt.
Die Bischöfe vertrauen die Ergebnisse der Versammlung der mütterlichen Fürsprache der „Santa Maria la Antigua“, der Schutzpatronin des Landes, an und bekräftigen ihr Engagement für die Verkündigung des Evangeliums, den Schutz der Würde jedes Menschen, die Unterstützung von Familien, die Förderung der Versöhnung und den unermüdlichen Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und das Gemeinwohl. In Anlehnung an Papst Leo XIV. rufen sie alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf sich zu fragen, welches Panama sie künftigen Generationen hinterlassen wollen, und erinnern dabei an die Seligpreisung aus dem Evangelium: „Selig sind die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden“ (Mt 5,9).
(MLK) (Fides 6/7/2026)


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