VATIKAN - BETEN IN DER FASTENZEIT - KREUZWEG

Mittwoch, 21 Februar 2007

Rom (Fidesdienst) - Als Kreuzweg (Weg des Kreuzes) bezeichnet man ursprünglich die Nachahmung der Via Dolorosa (Schmerzhafte Straße) in Jerusalem als Stationenweg vor Wallfahrtskirchen. Aus dem Heiligen Land zurückgekehrte Pilger legten Nachbildungen der Heiligen Städte in ihrer Heimat an. Oftmals übertrugen sie exakt die Länge der Via Dolorosa auf ihren heimischen Kreuzweg. Das Ziel der in der Heimat angelegten Kreuzwege war nicht selten ein Kalvarienberg (von Lat. calvariae locus; Schädelstätte), auf dem eine Grabeskirche oder die Kreuzigungs-Darstellung aufgebaut war. Diejenigen, die sich nicht leisten konnten, selbst nach Jerusalem zu pilgern, wollten aber dem Leidensweg Jesu so nah wie möglich sein. Die Pilger wollten sich in Ermangelung von Reisemöglichkeiten in das Heilige Land wenigstens geistig auf den Leidensweg von Jesus Christus begeben, wie er seit dem Mittelalter in Jerusalem mit mancherlei frommen Ausschmückungen gezeigt und beschritten wurde.

KREUZWEGSTATIONEN]
In Jerusalem hielt man beim Kreuzweg anfangs nur an zwei Stationen inne (Verurteilung beim Haus des Pilatus und Kreuzigung), aber nach und nach entstanden weitere Stationen, an denen der (teilweise biblisch begründeten, teils legendarisch überlieferten) Erfahrungen Jesu auf diesem Weg gedacht wurde. Im 14. Jahrhundert gab es in Jerusalem unter der Führung der Franziskaner Prozessionen auf dem Leidensweg Christi für Pilger. Diese brachten die Andachtsform in ihre Heimatländer.
Es wurden zuerst sieben - so z.B. erhalten in der Kirche St. Marien zu Homberg (Efze) -, seit der Zeit um 1600 14 bebilderte Stationen errichtet. Sie zeigten den Weg Jesu von der Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zum Tod und zur Grablegung. Als 15. Station diente die jeweilige Kirche als Abbild der Grabes- (und Auferstehungs-) Kirche von Jerusalem.
Wegen der großen Beliebtheit dieser Andachtsform, blieb schließlich kaum eine römisch-katholische Pfarrkirche mehr ohne die Darstellung der 14 Stationen, nun aber im Inneren der Kirche.
Die freitägliche Kreuzwegandacht ist in der Fastenzeit auch heute noch ein vielerorts praktiziertes meditatives Gebet vor den Stationen, oft auch ergänzt durch eine 15. Station, die der Auferstehung gedenkt. Betend denken die Christen dabei auch an die Leidenden unserer Tage, die ungerecht verurteilt, gefoltert und getötet, ihres Lebensunterhalts beraubt oder verspottet werden.
Die traditionellen 14 Stationen
Station Name
1 Jesus wird zum Tode verurteilt.
2 Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern.
3 Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz.
4 Jesus begegnet seiner Mutter.
5 Simon von Kyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.

6 Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.

7 Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz.
8 Jesus begegnet den weinenden Frauen.
9 Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz.
10 Jesus wird seiner Kleider beraubt.
11 Jesus wird ans Kreuz geschlagen.
12 Jesus stirbt am Kreuz.
13 Jesus wird vom Kreuz genommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt.
14 Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt.

(JM)
(Fidesdienst, 23. Februar 2007)

Die Stationen des Kreuzweg in verschiedenen Sprachen finden Sie auf den Internetseiten des Fidesdienstes.


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