AFRIKA/BURKINA FASO - Ein Krieg im Krieg: Der Konflikt zwischen JNIM und dem Islamischen Staat in der Sahelzone

Donnerstag, 15 Oktober 2026

Ouagadougou (Fides) – Ein Krieg im Krieg. Er wird in den Weiten der Sahara ausgetragen, im Dreiländereck zwischen Mali, Niger und Burkina Faso, wo sich die beiden wichtigsten in der Region aktiven dschihadistischen Gruppen gegenüberstehen: die Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin (JNIM, Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime) und der Islamische Staat in der Sahelzone (EIS).

Die erste Gruppe ist mit Al-Qaida verbunden, während die zweite dem Islamischen Staat nahesteht. Die beiden Gruppierungen haben in den drei Sahelstaaten lange Zeit nebeneinander existiert und in einigen Fällen sogar zusammengearbeitet, obwohl sich in anderen Kontexten dschihadistische Gruppen mit ähnlichen Zugehörigkeiten bekämpft haben, wie es in Syrien und anderen Regionen Afrikas der Fall war.
Die JNIM entstand im März 2017 aus dem Zusammenschluss verschiedener Katiba (Kampfeinheiten) unter der Führung von Iyad Ag Ghaly. Der Islamische Staat in der Sahelzone, früher bekannt als ISGS/EIGS, bildete sich hingegen zwischen 2015 und 2016 um die Figur von Adnan Abu Walid al-Sahrawi, der später getötet wurde.

Seit 2019 haben die Spannungen zwischen JNIM und EIS zunehmend zugenommen und schließlich zu immer heftigeren Zusammenstößen geführt. Der jüngste Vorfall ereignete sich vor wenigen Tagen. Laut einem Bericht der Amaq, der Propagandaagentur des Islamischen Staates, soll die EIS bei heftigen Kämpfen in der Provinz Oudalan im Norden von Burkina Faso etwa 400 Mitglieder der JNIM getötet und zudem erhebliche Verluste an Waffen und Motorrädern verursacht haben. Die Meldung wurde jedoch nicht von unabhängigen Quellen bestätigt.
Laut Amaq sollen die Kämpfe am 9. Oktober im Dorf Ganadaouri begonnen haben, wo Milizen des IS eine groß angelegte Offensive der JNIM zurückgeschlagen hätten. Die Gefechte sollen etwa eineinhalb Stunden gedauert haben.

Zuvor, am 1. September, waren JNIM und EIS in Mali in der Nähe von N’Daki in der Region Timbuktu an der Grenze zu Burkina Faso aufeinandergetroffen. Die EIS hatte die Oberhand gewonnen und etwa hundert Kämpfer der JNIM getötet, darunter einen hochrangigen Kommandanten. Diese Zusammenstöße folgen auf die Tötung des EIS-Anführers in Burkina Faso, Abou Zeid, und des Kommandanten Saad durch die JNIM am 17. August.

Grundlage des Konflikts sind politische und doktrinäre Differenzen zwischen den beiden dschihadistischen Organisationen. Die JNIM verfolgt einen relativ pragmatischen Ansatz und ist in den lokalen Gegebenheiten verwurzelt. Sie zielt vor allem auf staatliche Institutionen und deren Symbole ab, verhandelt mit lokalen Eliten und führt in den von ihr kontrollierten Gebieten ein relativ flexibles Regierungssystem ein, das auf Instrumenten wie der Zakat (dem islamischen Almosen), der Schlichtung von Streitigkeiten und korrigierenden Sanktionen anstelle von öffentlichen exemplarischen Strafen basiert. Zudem neigt sie dazu, Praktiken wie öffentliche Enthauptungen und Steinigungen zu vermeiden, auch mit dem Ziel, ein gewisses Maß an Zustimmung in der Bevölkerung zu bewahren.

Die EIS hingegen verfolgt einen strengeren Kurs. Sie greift leichter auf die religiöse Exkommunikation von Muslimen zurück, die sie als nicht konform ansieht, nimmt Zivilisten, denen die Zusammenarbeit mit dem Feind vorgeworfen wird, stärker ins Visier und macht exemplarische und strafende Gewalt zu einem zentralen Kontrollinstrument.
Parallel zum Konflikt zwischen den beiden Gruppierungen kämpfen beide weiterhin gegen die Sicherheitskräfte der drei Sahelstaaten. Den höchsten Preis zahlen dabei die lokale Bevölkerung, die der Gewalt aller Konfliktparteien ausgesetzt ist.

(L.M.) (Fides 15/10/2026)


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