ASIEN/INDONESIEN - Der Bischof von Larantuka nach dem Erdbeben: „Wir spüren große Solidarität und bleiben vereint.“ „Die Berufungen auf Flores: ein Geschenk für die gesamte Kirche“

Freitag, 2 Oktober 2026

Diocese of Larantuka

Von Paolo Affatato

Larantuka (Fides) – „Die Lage in meiner Diözese ist weiterhin von Leid und Unsicherheit geprägt. Zugleich erfahren wir große Solidarität. Das bewegt und ermutigt uns.“ Yohanes Hans Monteiro steht erst seit wenigen Monaten an der Spitze der Diözese Larantuka im Osten der indonesischen Insel Flores. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Fides berichtet er vom Leben einer Gemeinschaft, die der Bevölkerung in diesen Wochen zur Seite steht. Viele Menschen sind noch immer von Angst und Unsicherheit gezeichnet.
Das Erdbeben vom 15. August mit einer Stärke von 7,7 erschütterte Flores. Es forderte Todesopfer und verursachte in mehreren Teilen der Insel schwere Schäden. Caritas Indonesien und die örtlichen Diözesen haben gemeinsam Hilfsmaßnahmen für die betroffene Bevölkerung eingeleitet.

In Larantuka hielten sich die Schäden vergleichsweise in Grenzen. Dennoch bleibt die Lage angespannt. Das Erdbeben trifft eine Region, die bereits durch vulkanische Aktivitäten vorbelastet ist. „Die Katastrophe ereignete sich zwei Jahre nach dem Ausbruch eines Vulkans bei Larantuka“, berichtet der Bischof. „Einige Gläubige mussten damals bereits an einen anderen Ort fliehen. Sie leben noch immer als Vertriebene. Der Vulkan stellt weiterhin eine Bedrohung dar.“
Die Kirche versucht, die Binnenvertriebenen durch die Arbeit der Caritas zu begleiten. „Ich mache mir Sorgen um die Menschen, die unter so prekären Bedingungen in dieser Region leben müssen“, erklärt Monteiro. „Nach dem Erdbeben herrscht auf Flores weiterhin Angst. Die Menschen sind erschüttert.“
Gleichzeitig erlebt der Bischof eine ermutigende Welle der Solidarität. „Dieses Erdbeben hat große Hilfsbereitschaft ausgelöst. Das gesamte indonesische Volk unterstützt uns über staatliche Einrichtungen und die Caritas.“

Die Hilfe kommt nicht allein aus seiner Diözese. Die Bischöfe der Insel Flores stehen miteinander in Kontakt. Sie koordinieren die Unterstützung und stärken sich gegenseitig. „Wir sind eng verbunden. Das gibt uns Kraft“, betont Monteiro.
Besonders deutlich wurde dieser Zusammenhalt angesichts der Tragödie im interdiözesanen Priesterseminar St. Petrus in Maumere. Das Gebäude wurde schwer beschädigt, wobei Teile einstürzten. Ein junger Seminarist aus der Diözese Labuan Bajo erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. „Wir haben diese Tragödie gemeinsam erlebt und unsere Anteilnahme zum Ausdruck gebracht“, berichtet Monteiro. „Wir stehen im Gebet und durch materielle Hilfe zusammen. Gemeinsam suchen wir nach Lösungen.“ Auch die Indonesische Bischofskonferenz bekunde der Ortskirche ihre Nähe und Unterstützung.

Die Diözese Larantuka ist von einem lebendigen katholischen Gemeinschaft und zahlreichen Berufungen zum Priestertum und zum Ordensleben geprägt. Nach Angaben des Bischofs zählt sie rund 250.000 Katholiken, 55 Pfarreien und etwa 150 Diözesan- und Ordenspriester. Die Zahlen unterstreichen die bedeutende Stellung der katholischen Kirche in der Region.
„Unsere Kirche hat viele Priester, sowohl Diözesanpriester als auch Ordensleute. Das zeigt, dass der Herr unsere Diözese mit zahlreichen Berufungen gesegnet hat“, sagt Monteiro. Die Ausbildung künftiger Priester erfolgt auch im interdiözesanen Priesterseminar. Es ist seit Langem auf der Insel verwurzelt.
„Wir befinden uns im ‚katholischen Herzen Indonesiens‘. Die Berufungen blühen hier auf Flores auf, um die Kirche nicht nur in Indonesien, sondern auf der ganzen Welt zu stärken.“

Die missionarische Berufung reicht weit über die Insel hinaus. „Aus unserem Land und unserer Region ziehen viele Menschen in die Welt hinaus, um das Evangelium zu verkünden“, betont der Bischof. Seinen Angaben zufolge sind heute rund 1.000 Priester und Ordensfrauen aus Flores in Missionen und kirchlichen Gemeinschaften weltweit tätig. Mehr als 300 von ihnen stammen allein aus der Diözese Larantuka.
„Diese Berufungen sind ein besonderes Geschenk Gottes. Sie sind aber nicht nur für uns bestimmt. Sie sind ein Geschenk für die Weltkirche und für alle Ortskirchen, überall dort, wo sie gebraucht werden.“

Monteiro deutet diese Geschichte auch mit Blick auf den Namen der Insel. Im 16. Jahrhundert hätten portugiesische Seefahrer die Insel wegen ihrer üppigen Pflanzenwelt Flores genannt. Mit ihnen seien dominikanische Missionare aus Portugal gekommen. „Sie haben das Evangelium ausgesät. So begann der Garten von Flores zu blühen – mit den Blüten des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.“
Das missionarische Erbe lebt bis heute in einem Glauben fort, der tief in der örtlichen Kultur verwurzelt ist. In Larantuka bewahrt die Volksfrömmigkeit bis heute Spuren der portugiesischen Missionare. Besonders sichtbar werden sie in den Feierlichkeiten der Karwoche.
„Die Menschen haben einen festen Glauben. Sie bringen ihn in ihrer Volksfrömmigkeit und in tätiger Nächstenliebe zum Ausdruck“, berichtet der Bischof. Zu den besonders geschätzten Traditionen gehören jahrhundertealte Wallfahrten und Gebete. Sie führen zur Kapelle Tuan Ana, die der Passion Christi gewidmet ist, sowie zur Kapelle der Gottesmutter.

Auch eine kontinuierliche Katechese trägt dazu bei, den Glauben weiterzugeben. „Die besonderen Zeiten des Kirchenjahres, Advent und Fastenzeit, sind der Katechese gewidmet. Unsere Katecheten erarbeiten jedes Jahr gemeinsam mit einem Priester ein Programm, um dann anschließend in den Dörfern und Pfarreien Katechesen anzubieten.“
Besonderes Augenmerk legt die Kirche auf die jungen Menschen. „Wir möchten die Jugendlichen dazu ermutigen, die Bibel zu lesen und das Evangelium im Alltag zu leben. Viele junge Menschen kommen in die Kirche. Auf ihrem Glauben und ihrer Nächstenliebe baut das Leben unserer Gemeinschaft heute auf. Die Jugend ist unsere Hoffnung.“

Die katholische Kirche wirkt in einer Gesellschaft, in der Katholiken – anders als in vielen anderen Regionen Indonesiens – die Mehrheit bilden. „Mehr als 90 Prozent der Menschen sind katholisch“, sagt Monteiro. Die Muslime stellten im Gebiet der Diözese Larantuka mit etwa zwei Prozent eine kleine Minderheit dar. Für den Bischof ändert diese Mehrheitsverteilung nichts an der Bedeutung des interreligiösen Dialogs. „Ob wir eine Minderheit oder eine Mehrheit sind: Der entscheidende Weg ist immer der Dialog. Nur so können wir ein friedliches Zusammenleben und Geschwisterlichkeit aufbauen.“

In Larantuka gehe es beim interreligiösen Dialog weniger um theologische Diskussionen als um das konkrete Zusammenleben. „Dialog bedeutet nicht in erster Linie, über Gott zu sprechen. Es geht darum, miteinander zu leben, zusammenzuarbeiten und eine harmonische Gesellschaft aufzubauen.“

Monteiro spricht von einem „Dialog des Lebens“. Dieser könne auch dann Hoffnung schaffen, wenn die Wirklichkeit von Schwierigkeiten geprägt sei. „Wir sind in unserer kirchlichen Gemeinschaft eng verbunden. Zugleich bauen wir Brücken der Zusammenarbeit und der Einheit in der Gesellschaft“, betont der Bischof abermals. Angesichts der gegenwärtigen Lage auf der Insel, in der Angst und Unsicherheit den Alltag vieler Menschen bestimmen, nimmt der Glaube ihnen ihre Wunden nicht. Er ermutigt sie jedoch, diese nicht allein tragen zu müssen.

(Fides 2/10/2026)


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