OFM Cap Lahore
Lahore (Fides) – Im Vorfeld des Festes des heiligen Franz von Assisi und des 800. Jahrestags seines Todes (1226–2026) blickt die katholische Gemeinde des Dorfes Mariamabad in der pakistanischen Provinz Punjab auf ihre Geschichte zurück. Zugleich vertraut sie den weiteren Weg ihrer Mission erneut der Jungfrau Maria an. In der „Stadt Mariens“, einem der bedeutendsten Orte katholischen Lebens in Pakistan, ist die Erinnerung an die belgischen Kapuzinermissionare bis heute lebendig. Besonders präsent ist das Andenken an Pater Frank Van Butsele. Der Ordensmann widmete sein Leben den Menschen im Punjab. Im Jahr 1953 wurde er im Alter von nur 40 Jahren in der Kirche von Mariamabad ermordet. Dort hatte er auch seinen seelsorglichen Dienst ausgeübt.
Mariamabad ist heute Sitz des nationalen Marienheiligtums von Pakistan. Der Ort entstand Ende des 19. Jahrhunderts durch das Wirken flämischer Kapuziner. 1892 erwarb der belgische Kapuzinerbischof Emmanuel Van Den Bosch rund 150 Morgen Land. Er wollte armen und diskriminierten christlichen Familien dort ein Zuhause und eine Perspektive auf ein besseres Leben ermöglichen.
Im Januar 1893 zogen die ersten drei christlichen Familien gemeinsam mit den franziskanischen Missionaren in das Gebiet. Es erhielt den Namen „Maryabad“, was „Stadt Mariens“ bedeutet. Pater Felix van de Putte kam 1896 hinzu. Er förderte die landwirtschaftliche, soziale und religiöse Entwicklung des Ortes. Unter seiner Leitung wurde die Kirchen St. Maria und St. Josef errichtet, die 1898 geweiht wurden.
In diese lange Geschichte fügt sich das Wirken von Pater Frank Van Butsele ein. Er wurde 1913 im belgischen Ronse geboren. 1930 trat er in den Kapuzinerorden ein, 1937 wurde er zum Priester geweiht. Rund 15 Jahre widmete er der Mission auf dem indischen Subkontinent. Zunächst wirkte er im damals noch zu Indien gehörenden Amritsar, später im neu gegründeten Pakistan nach der Teilung des indischen Subkontinents.
Historische Quellen der Kapuziner beschreiben ihn als einen Mann des Glaubens und der Nächstenliebe. Seine tiefe Marienverehrung prägte sein Leben. Er war eng mit der Bevölkerung und seiner Mission verbunden. Zu seinen Aufgaben gehörten die Katechese und damit die Ausbildung von Katecheten sowie die seelsorgliche Begleitung der Gemeinden.
In Mariamabad, wie der Ort später genannt wurde, übernahm er die Verantwortung für die Mission. Er setzte sich für die Seelsorge, die Entwicklung des Ortes und die Verbreitung der Marienverehrung ein. Auch die menschliche und soziale Förderung der katholischen Familien lag ihm am Herzen.
Sein Name ist besonders mit den Anfängen der Tradition marianischer Wallfahrten verbunden. 1949, wenige Jahre vor seinem Tod, trug Pater Frank dazu bei, die Kirche von Mariamabad zu einem Zentrum der Marienverehrung zu machen. Zugleich begründete er die jährliche Wallfahrt am 8. September, dem Fest der Geburt Mariens.
Aus dieser Initiative entwickelte sich im Laufe der Zeit eine der bedeutendsten Ausdrucksformen katholischen Glaubens in Pakistan. Bis heute zieht das Heiligtum jedes Jahr Hunderttausende Pilger an. Es ist zugleich ein Ort der Begegnung, des Dialogs und des Gebets für Christen und Muslime (vgl. Fides 4. September 2026).
Pater Frank starb am 2. November 1953 in seiner Kirche in Mariamabad. Er wurde dort von einem Mann namens Diwan Masih mit einem Dolch getötet. Diesem Mann hatte er zuvor geholfen. Die Tat ereignete sich in einer Zeit großer Instabilität, sechs Jahre nach der Gründung Pakistans. Die Region war noch immer von den tiefen Spaltungen geprägt, die die Teilung Britisch-Indiens 1947 in Indien und Pakistan hinterlassen hatte. Sie hatte Massenmigrationen und Gewalt zwischen den Religionsgemeinschaften ausgelöst.
Pater Frank wurde vor den Augen seiner Gemeindemitglieder getötet, während er betete.
Sein Tod unterbrach die von den Franziskanern begonnene Missionsgeschichte nicht. Vielmehr festigte er sie. Das unschuldige Opfer von Pater Frank wurde Teil der Erinnerung der Gemeinde und ihrer Missionsgeschichte. Die Präsenz der europäischen Missionare wurde zu einer Quelle für einheimische Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben. Dadurch konnte die Ortskirche wachsen.
Die Kapuzinermissionare hatten sich bemüht, arme und ausgegrenzte Menschen zu begleiten. Sie verkündeten das Evangelium und bauten zugleich Gemeinschaften, Schulen und soziale Einrichtungen auf. Dabei setzten sie sich für die Würde jedes Menschen ein.
In Mariamabad lebt dieses Erbe heute vor der Statue der Jungfrau Maria weiter. Das aus der Mission der belgischen Kapuziner hervorgegangene Heiligtum ist zu einem Ort geworden, an dem Christen und Angehörige anderer Religionen zusammenkommen. Sie vertrauen Maria ihre Sorgen und Hoffnungen an.
An diesem Ort erinnert die Kirche in Pakistan am Vorabend des Festes des heiligen Franz von Assisi an Pater Frank, der auf dem Friedhof von Mariamabad begraben ist. Die Gemeinde sieht in ihm nicht nur eine Gestalt der Vergangenheit, sondern auch ein Geschenk des Herrn innerhalb einer Missionsgeschichte, die bis heute andauert. Der Samen, den die Missionare einst ausgesät haben, trägt weiterhin Früchte in der katholischen Gemeinschaft Pakistans. Die heutige Mission ist Maria anvertraut. Ihr ist Mariamabad seit seinen Anfängen geweiht. Mehr als 70 Jahre nach dem Tod von Pater Frank bewahrt die „Stadt Mariens“ das Andenken an ihre Missionare. Zugleich blickt sie voller Hoffnung in die Zukunft und erbittet den Segen für das Leben der Gläubigen im „Land der Reinen“.
(PA) (Fides 1/10/2026)