Mogadischu (Fides) – „Mit großer Sorge verfolge ich die anhaltende humanitäre Krise in einigen Regionen Somalias. Gewalt und extreme Wetterereignisse verschärfen dort die ohnehin schwierigen Lebensbedingungen der Bevölkerung, insbesondere von Frauen und Kindern. Ich hoffe auf ein großzügiges Engagement der internationalen Gemeinschaft, damit unseren Brüdern und Schwestern die notwendige Hilfe nicht versagt bleibt.“
Mit diesem Appell nach dem Angelusgebet am Sonntag, 20. September, hat Papst Leo XIV die komplexe Lage in Somalia erneut in den Blick der internationalen Öffentlichkeit gerückt. Das Land ist geprägt von politischer und institutioneller Instabilität sowie den Folgen klimatischer Extremereignisse wie El Niño.
Auf politischer Ebene sieht sich die Bundesregierung in Mogadischu mit dem Vorwurf von mindestens drei Mitgliedstaaten der Föderation – Puntland, Jubaland und South West State – konfrontiert, Verfassungsänderungen ohne die Zustimmung der Bundesstaaten beschlossen zu haben.
Bundespräsident Hassan Sheikh Mohamud erklärt, dass er aufgrund der am 30. März 2024 verabschiedeten Verfassungsänderungen bis zum 15. Mai 2027 rechtmäßig Staatsoberhaupt bleiben könne. Die Opposition stellt die Gültigkeit dieser Änderungen infrage. Sie argumentiert, das verfassungsmäßige Mandat Mohamuds sei am 15. Mai 2026 ausgelaufen, entsprechend der vorläufigen Verfassung Somalias.
Im November 2024 setzte Jubaland die Zusammenarbeit mit der Zentralregierung aus. Zugleich änderte der Bundesstaat seine eigene Verfassung, um die Begrenzung auf zwei Amtszeiten für seinen Präsidenten Ahmed Mohamed Islam Madobe aufzuheben. Madobe wurde daraufhin für eine dritte Amtszeit gewählt.
Ein Gericht in Mogadischu erließ anschließend einen Haftbefehl gegen Madobe. Ihm werden Hochverrat, ein Verstoß gegen die verfassungsmäßige Ordnung, die Weitergabe vertraulicher Informationen an ausländische Akteure sowie eine Gefährdung der nationalen Einheit vorgeworfen.
Das Gericht in Kismayo, der Hauptstadt Jubalands, setzte seinerseits ein Kopfgeld auf Bundespräsident Mohamud aus. Ihm werden Verrat, die Untergrabung der nationalen Einheit sowie eine Zusammenarbeit mit den Dschihadisten von Al-Shabaab vorgeworfen. Somalische Regierungstruppen versuchten daraufhin, Jubaland einzunehmen, wurden jedoch unter schweren Verlusten zurückgedrängt.
Auch der Präsident des South West State, Abdiaziz Laftagareen, setzte im März 2026 die Beziehungen zu Mogadischu aus. Aus seiner Sicht war dem eine versuchte Absetzung durch die Staatsarmee vorausgegangen. In den vergangenen Monaten kam es wiederholt zu Zusammenstößen zwischen Bundestruppen und Milizen, die Laftagareen loyal gegenüberstehen.
Die politische und institutionelle Instabilität überlagert den Kampf gegen die Dschihadisten von Al-Shabaab, die weiterhin große Teile des Landes kontrollieren, insbesondere in ländlichen Gebieten. 2022 hatte Bundespräsident Mohamud einen „totalen Krieg“ gegen Al-Shabaab ausgerufen und dabei insbesondere deren Hochburgen in Middle Shabelle, Hiraan und Galmudug ins Visier genommen.
Trotz der Unterstützung internationaler Truppen, darunter aus der Türkei und Uganda, sowie lokaler Milizgruppen wie den Macawisley sind die bisherigen Ergebnisse jedoch ernüchternd. Dies sorgt für zusätzliche Spannungen zwischen der Zentralregierung und den Bundesstaaten. Diese vermuten, dass die Bundestruppen weniger an einer Beseitigung der Bedrohung durch Al-Shabaab interessiert seien als daran, eine Art kontrollierten Konflikt im zentralen und südlichen Somalia aufrechtzuerhalten. Auf diese Weise habe sich eine Kriegswirtschaft entwickelt, die die Fortdauer der Instabilität begünstige – zum Nachteil der Zivilbevölkerung.
Den bislang wenig erfolgreichen Einsätzen der Staatsarmee gegen Al-Shabaab stehen die Offensiven der autonomen Regierung Puntlands gegen den „Islamischen Staat“ in den Cal-Miskaad-Bergen gegenüber. Dabei wird Puntland von den Vereinigten Staaten unterstützt.
Puntland ist Teil der amerikanischen Strategie geworden, neue Stützpunkte und Partner am Horn von Afrika zu gewinnen. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Huthi die jemenitische Küste am Roten Meer unter ihre Kontrolle gebracht haben.
Inmitten dieser tiefen Unsicherheit und politischen Instabilität muss sich Somalia zudem auf die Folgen des sogenannten „Super-El Niño“ einstellen. Die somalische Katastrophenschutzbehörde hat die Bevölkerung aufgefordert, sich auf die Auswirkungen des Wetterphänomens vorzubereiten. Dazu gehören starke Niederschläge, Überschwemmungen und Hochwasser der Flüsse.
(L.M.) (Fides 21/9/2026)