Anthony Naveed
Karatschi (Fides) – Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen muslimischen und christlichen Religionsvertretern, zivilen Behörden und Sicherheitskräften kann eine Eskalation der Gewalt zwischen den Religionsgemeinschaften verhindern. So konnte ein Fall von angeblicher Blasphemie mit rechtlichen Mitteln, Wohlwollen und Wahrheit und nicht mit Gewalt und Rache behandelt werden. Dies zeigen die jüngsten Ereignisse in der „Qazafi Colony“ in Baldia Town, einem Vorort am Stadtrand von Karatschi. Dort drohte eine Provokation und Anschuldigung gegen einen katholischen Bürger, in interreligiöse Gewalt auszuarten.
Die Krise begann am 9. Juli, als ein Lebensmittelladen in dem Stadtviertel ein anonymes Paket erhielt. Dieses enthielt eine verbrannte Seite des Korans, Fotos des Katholiken Azeem Javaid und seiner Mutter sowie eine Kopie des Personalausweises der Frau. Der muslimische Ladenbesitzer erkannte sofort den verdächtigen Inhalt und alarmierte Anwohner und Polizei. Laut lokalen Quellen könnte der Vorfall mit einem kürzlichen Streit zwischen Javaid und einigen Personen zusammenhängen, die ihn angeblich nach dem Blasphemiegesetz anklagen wollten.
Die Nachricht von der mutmaßlichen Schändung verbreitete sich jedoch schnell, und Tausende versammelten sich in der Gegend, während radikale Muslime zu Protesten aufriefen. Etwa zehn christliche Familien aus Javaids Nachbarschaft wurden in ihren Häusern belagert. Um einen Lynchmord zu verhindern, entsandte die Provinzregierung von Sindh Polizeiverstärkung, die Javaids Familie an einnen sicheren Ort brachte.
Das gemeinsame Eingreifen von Politikern, islamischen Gelehrten und katholischen Priestern war entscheidend: Sie erklärten öffentlich, dass das Paket offenbar eine gezielte Provokation sei, um Hass zwischen Muslimen und Christen zu schüren. Die Behörden versicherten, dass eine umfassende Untersuchung durchgeführt werde.
Im Anschluss fanden Treffen zwischen prominenten Vertretern verschiedener islamischer Denkschulen, Politikern, Polizeibeamten und Vertretern der christlichen Gemeinde statt. Unter ihnen waren die christliche Provinzabgeordnete Rooma Mushtaq Mattoo und die Priester Waqas Raza (OMI), Rizwan (OMI) und Kashif Gouri (OMI). Alle Teilnehmer forderten eine faire Untersuchung, die Ermittlung der Verantwortlichen und die Wahrung der Gerechtigkeit.
Pater Shahzad Arshad, Direktor der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Erzdiözese Karatschi, dankte den Sicherheitskräften und der spontan entstandenen „Friedenskoalition“, der unter anderem der Vizepräsident der Provinzversammlung von Sindh, der Katholik Naveed Anthony, Mufti Zubair und weitere islamische Würdenträger angehörten. Sie alle forderten öffentlich, jeden Versuch, Spaltungen zwischen Muslimen und Christen zu schüren, zurückzuweisen.
In einer Stellungnahme, die Fides vorliegt, bestätigte die Abgeordnete Rooma Mushtaq Mattoo aus Sindh ihre Intervention und erklärte, dass „Azeem Javaid und seine Familie unter staatlichem Schutz an einem sicheren Ort sind“. Sie bekräftigte zudem „das Engagement der Regierung von Sindh für die Sicherheit religiöser Minderheiten und den sozialen Frieden“.
„Es gibt Anzeichen dafür, dass der Vorfall darauf abzielte, Spannungen zu schüren und die interreligiösen Beziehungen zu beeinträchtigen; die Untersuchung wird die Verantwortlichen klären“, sagte Pater Lazar Aslam, Leiter der Kommission für Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie der Kapuzinerbrüder, gegenüber Fides. „Wir fordern, dass alles im Einklang mit dem Gesetz abläuft. In der Zwischenzeit muss die gesamte christliche Gemeinde vor Ort geschützt werden. Es gibt aber auch etwas Positives an diesem Vorfall: Mit gutem Willen, Zusammenarbeit und Vernunft kann Gewalt verhindert und gute Beziehungen zum Wohle aller gewahrt werden“, schloss der Ordensmann.
(PA) (Fides 15/7/2026)