AFRIKA/KENIA - Im Vorfeld der Wahlen im Jahr 2027 treten Politiker verstärkt in Kirchen auf

Freitag, 19 Juni 2026

Nairobi (Fides) – Im Vorfeld der Parlamentswahlen 2027 haben kenianische Politiker ihre Präsenz in Kirchen verschiedener christlicher Konfessionen verstärkt. Trotz der von den Hauptreligionen verhängten Verbote gegen Kundgebungen und politische Propaganda in Gotteshäusern ereigneten sich in dieser Woche mindestens zwei derartige Vorfälle.
Am Sonntag, dem 14. Juni, nahmen Oppositionsführer, darunter Rigathi Gachagua und Kalonzo Musyoka vom Bündnis „United Opposition“, an der Messe in der katholischen St.-Marien-Kirche in Kibabii im Bezirk Bungoma im Westen Kenias teil. Im Anschluss an den Gottesdienst spendeten sie für die Schulkantine der zur Pfarrei gehörenden Schule.
Am selben Tag besuchte Präsident William Ruto einen Gottesdienst in der Adventgemeinde Kiserian im Bezirk Kajiado und nahm dort am Gebet teil.
Ebenfalls am 14. Juni besuchten führende Vertreter der „Linda-Mwananchi“-Bewegung die AIPCA Thika Cathedral in Kiambu County, Zentral-Kenia. Die „African Independent Pentecostal Church of Africa“ (AIPCA) ist eine der führenden afrikanischen Kirchen Kenias und die größte einheimische Kirche des Landes. Sie wurde in den 1920er Jahren unter den Kikuyu (Gikuyu) in Zentral-Kenia gegründet und ihre Geschichte ist eng mit nationalistischen Bewegungen verbunden, die sich gegen die britische Kolonialpolitik, insbesondere die Zwangsarbeit, wehrten.
Die „Linda Mwananchi“ (Suaheli für „Schütze den Bürger“ oder „Verteidige den Bürger“) ist eine zivilgesellschaftliche und politische Bewegung, die sich für die Stärkung der Bürgerrechte, öffentliche Rechenschaftspflicht und gute Regierungsführung einsetzt. Zu ihren Zielen gehört die Überwindung ethnischer und regionaler Spaltungen zugunsten einer stärkeren Berücksichtigung der sozialen und wirtschaftlichen Probleme, die die gesamte kenianische Bevölkerung betreffen.
Die Ankunft der Delegation der Bewegung während des Gottesdienstes löste jedoch Proteste unter den Gläubigen aus, so dass der Zelebrant die anwesenden politischen Vertreter zurechtwies.
Sowohl die kenianische Bischofskonferenz als auch Vertreter anderer christlicher Konfessionen haben wiederholt das Verbot der Nutzung von Gotteshäusern für politische Propaganda bekräftigt. Im Jahr 2020 erklärten kenianische katholische Bischöfe, Kirchen seien „keine politischen Arenen“ und untersagten Politikern, in Gottesdiensten zu sprechen. Sie verurteilten die zunehmende Umwandlung religiöser Feierlichkeiten in Wahlkampfveranstaltungen.
Im Juli 2024 äußerten die Bischöfe erneut ihre Ablehnung gegenüber der Nutzung von Kirchen als Plattformen für politische Zwecke und kritisierte insbesondere die Praxis, Spenden oder finanzielle Beiträge während religiöser Feierlichkeiten öffentlich zur Schau zu stellen, um die eigene Popularität zu steigern oder Wahlunterstützung zu gewinnen. Im März 2025 kritisierte Bischof Cleophas Oseso von Nakuru die Spenden von Politikern an die Kirche mit der Begründung: „Wir wissen nicht, woher diese enormen Geldsummen kommen“ (vgl. Fides, 7/3/2025).
(L.M.) (Fides 19/6/2026)


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