Jerusalem (Fides) – Als „illegale und unrechtmäßige Aneignung“, die „einen gefährlichen Präzedenzfall schafft“, bezeichnete das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Jerusalem die Beschlagnahme eines Grundstücks neben dem Kloster des Heiligen Onuphrius im palästinensischen Stadteil Silwan von Jerusalem, durch israelische Behörden am 15. Juni.
In einer am 17. Juni veröffentlichten Erklärung äußerte das orthodoxe Patriarchat von Jerusalem „tiefe Besorgnis über die Razzia und widerrechtliche Aneignung von Land durch israelische Behörden am 15. Juni 2026 auf Kirchengrundstück in Silwan“.
„Während der Operation“, heißt es in der Erklärung, „wurde der Vertreter des Patriarchats vor Ort gewaltsam entfernt. Seine Ausrüstung wurde beschlagnahmt, die Bäume entwurzelt und das Grundstück eingezäunt und mit einem Tor versehen.“ Laut Patriarchat stellt dieser Vorfall „eine unrechtmäßige Aneignung von Kircheneigentum im Herzen Jerusalems“ dar.
„Das Patriarchat bekräftigt, dass das Grundstück, Parzelle Nr. 6 des Blocks 29985, das in den offiziellen Grundbüchern auf seinen Namen eingetragen ist, an das alte Kloster des Heiligen Onuphrius angrenzt und von großem historischem, archäologischem und religiösem Wert ist. Es weist außerdem die am Tag der Aktion veröffentlichte Erklärung zurück, in der der Eingriff als ‚Rückgewinnung von staatseigenem Land‘ von archäologischer Bedeutung bezeichnet wird“, heißt es in der Erklärung weiter.
In der Erklärung, die Fides vorliegt, heißt es weiter: „Das Patriarchat betont, dass die Beschlagnahmung dieses Privateigentums der Kirche mit seinem christlichen Erbe und seiner religiösen Bedeutung einen gefährlichen Präzedenzfall für die Rechte der Kirche in Jerusalem schafft. Es betont ferner, dass die Anwendung einer städtischen Verordnung zur Grünflächenpflege vom 18. April 2019 mit Gültigkeit bis April 2024 keine Rechtsgrundlage für das Roden von Bäumen, die Absetzung des rechtmäßigen Verwalters, die Absperrung von Kirchengelände oder die Verweigerung des Zugangs des Patriarchats zu seinem Eigentum bietet.“
Die Erklärung schließt mit der Äußerung wachsender Besorgnis darüber, dass die Ereignisse in Silwan Teil eines umfassenderen Musters von Übergriffen seien, die darauf abzielten, die einheimische christliche Präsenz im Heiligen Land zu schwächen. Das Patriarchat weist zudem auf die Zunahme von Angriffen gegen Christen und Gotteshäuser hin und verurteilt ein Klima der „inakzeptablen internationalen Toleranz“. Laut der Erklärung wurden im Jahr 2024 insgesamt 111 Angriffe oder Gewalttaten gegen Geistliche, Ordensfrauen, Gläubige und christliche Gemeinden registriert, 35 davon richteten sich gegen Kirchen, Klöster und religiöse Symbole.
(L.M.) (Fides 18/6/2026)