Studientag zum „Palazzo di Propaganda Fide“: Kunst, Geschichte und Mission im Herzen des barocken Rom

Dienstag, 9 Juni 2026

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Rom (Fides) – Er beherbergt den genialen Wettstreit zwischen dem großen Künstler Gian Lorenzo Bernini und seinem Rivalen Francesco Borromini. Er erzählt von den ersten Seminaristen, die im 17. Jahrhundert aus Asien, Afrika und Amerika nach Rom kamen, um Theologie zu studieren und anschließend in ihre Heimat zurückzukehren, um das Evangelium Christi zu verkünden. Er berichtet von den Schulden, die Kardinalsfamilien anhäuften.
Vor allem aber veranschaulicht er die Anfänge des großen missionarischen Abenteuers des Katholizismus in der Neuzeit, der sich in jenen Jahren nach der Gründung der Heiligen Kongregation „De Propaganda Fide“ (1622) auf die ganze Welt ausdehnte.
All dies und vieles mehr findet sich in der Geschichte des „Palazzo Ferratini“, dessen Fassade zur Piazza di Spagna im Herzen Roms zeigt.
Das allgemein als „Palazzo di Propaganda Fide“ bekannte Gebäude ist kein Museum, sondern beherbergt noch heute die Mitarbeitenden einer Sektion des Dikasteriums für die Evangelisierung, die sich der Erstevangelisierung und den neuen Teilkirchen widmet. Ein lebendiges Netzwerk von Aktivitäten verbindet die Mitarbeitenden dieses Gebäudes täglich mit den Dringlichkeiten, Neuigkeiten und Problemen kirchlicher Gemeinschaften weltweit.
Die „Schenkung“ des Gebäudes an die Kongregation für die Glaubensverbreitung erfolgte vor genau 400 Jahren, am 1. Juni 1626.
Vier Jahrhunderte später, am Donnerstag, dem 11. Juni 2026, findet in der Aula Magna des „Collegio Urbano“ der Päpstlichen Universität Urbaniana auf dem Gianicolo-Hügel ein internationaler Studientag zum „Palazzo di Propaganda Fide“ statt, der Gelegenheit bietetet, die Anfänge der bewegten Geschichte des Gebäudes zu erkunden und die darin befindlichen Kunstschätze neu zu entdecken.
Der Tag beginnt um 9:00 Uhr mit kurzen Einführungen von Kardinal Luis Antonio Gokim Tagle, Pro-Präfekt des Dikasteriums der Missionare, Professor Vincenzo Buonomo, Rektor der Päpstlichen Universität Urbaniana, Pfarrer Armando Nugnes, Rektor des Collegio Urbano, und Monsignore José María Giaima Brosel Gavila, Rektor der Kirche Santa Maria in Monserrato, der spanischen Nationalkirche in Rom. Anschließend beginnen die zwei Teile des Studientages: Der erste widmet sich der Geschichte des Palastes, der zweite konzentriert sich auf bedeutende künstlerische und architektonische Aspekte.

Das Programm des Studientages

Vor vierhundert Jahren stiftete der valencianische Priester Juan Bautista Vives den „Palazzo di Propaganda Fide“ als Sitz der für die Missionen in aller Welt zuständigen Kongregation. Das Gebäude war zuvor Gegenstand eines langen Streits zwischen dem spanischen Prälaten und den finanziell angeschlagenen Erben von Kardinal Ferratini gewesen, der ihn nahe der Piazza di Spagna als Privatresidenz hatte errichten lassen. Im ersten Teil des Studientages – unter der Leitung von Professor Pierantonio Piatti, Sekretär des Päpstlichen Komitees für Historische Wissenschaften – wird Monsignore Flavio Belluomini, Archivar des Historischen Archivs der „Propaganda Fide“, die komplexen Ereignisse und Gründe für die Schenkung des Palastes vorstellen. Im Anschluss daran konzentriert sich der zweite Vortrag von Luca Balducci von der Bibliothek der Päpstlichen Universität Urbaniana auf den Umzug des Collegio Urbano rund dreihundert Jahre später. Dieses hatte seine Studenten seit seiner Gründung 1627 im "Palazzo di Propaganda Fide" untergebracht und zog 1926 an seinen neuen Standort auf dem Gianicolo-Hügel. Balduccis Vortrag beleuchtet den Kauf des Gebäudes, die einzelnen Phasen des Umzugs und die Anfangsjahre des neuen Campus neben der Päpstlichen Universität Urbaniana. So wird die Kontinuität zwischen den ersten nicht-europäischen Studenten, die seit dem 17. Jahrhundert im Gebäude mit Blick auf die Piazza di Spagna untergebracht waren, und der heutigen Studentengemeinschaft des Collegio Urbano mit über 160 Studenten aus fast 40 verschiedenen Nationen deutlich.

Bernini, Borromini und die „Kapelle der Heiligen Drei Könige“

Historiker schreiben Gian Lorenzo Bernini die Hauptfassade des Palazzo di Propaganda zu, die auf die Piazza di Spagna blickt, vor der sich die Mariensäule der Unbefleckten Empfängnis erhebt. Francesco Borromini hingegen prägte die gesamte architektonische Identität des Palastes mit seiner experimentellen Handschrift, angefangen bei der Fassade an der Via di Propaganda, die um 1662 fertiggestellt wurde.
Auch im Inneren ersetzte Borromini die kleine elliptische Kapelle Berninis durch die heute als Kapelle der Heiligen Drei Könige bekannte Kapelle, die 1666 fertiggestellt wurde und einen komplexen Grundriss aufweist, reich an Kurven, Nischen und durchgehenden Flächen: ein liturgischer Raum, der der Epiphanie gewidmet ist, in einem Palast, in dem seit jeher alles darauf ausgerichtet ist, das apostolische Wirken der Kirche in der ganzen Welt zu begleiten und zu unterstützen.
Der vom portugiesischen Jesuiten Nuno da Silva Gonçalves, Direktor der Zeitschrift „La Civiltà Cattolica“ und Professor an der Fakultät für Geschichte und Kulturerbe der Kirche der Päpstlichen Universität Gregoriana koordinierte zweite Teil des Studientags beginnt mit einem Vortrag von Professorin Marisa Tabarrini vom Institut für Geschichte, Gestaltung und Restaurierung der Architektur an der Universität Rom „La Sapienza“ zum Thema „Der Palazzo di Propaganda Fide und seine Architekten“. Anschließend hält Professor Joseph Connors von der Universität Notre Dame seinen Vortrag zum Thema “From Bernini’s Small Chapel to Borromini’s Large Chapel“.
Um 18:00 Uhr geht der Studientag mit einem Gebet und Danksagung in der Kapelle der Heiligen Drei Könige im „Palazzo di Propaganda Fide“, wo die Vesper gefeiert wird, zu Ende.
Mit der Veranstaltung am Donnerstag, dem 11. Juni, beginnt eine Studienreihe, die von der Sektion des Dikasteriums für die Evangelisierung initiiert und koordiniert wird und 2027 mit einer internationalen Konferenz zum 400-jährigen Jubiläum des Collegio Urbano ihren Abschluss findet.
Journalisten und Medienschaffende können beim Presseamt des Heiligen Stuhls eine Akkreditierung für die Teilnahme am Studientag beantragen.
(GV) (Fides 9/6/2026)


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