Kardinal Tagle in Burundi zum 75jährigen Bestehen des Priesterseminas “St. Petrus Claver”: “Jedes Seminar ist ein Abendmahlssaal”

Montag, 18 Mai 2026

Présidence de la République du Burundi

Bujumbura (Fides) - Kardinal Luis Antonio Tagle, Propräfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung (Sektion für die Erstevangelisierung und die neuen Teilkirchen), besuchte am Samstag, dem 16. Mai 2026, Burundi. Der philippinische Kardinal wurde am Flughafen von Bujumbura von einer großen Menge Gläubiger, Priester und Ordensleute herzlich empfangen, die ihre Dankbarkeit zum Ausdruck brachten. Das Erzbistum Bujumbura berichtet auf seiner offiziellen Website, dass insbesondere die Pfarreien in der Nähe des Flughafens – Buterere, Gatumba und Muramvya – sowie jene in der Nähe der Apostolischen Nuntiatur dem Gesandten des Heiligen Vaters einen herzlichen Empfang bereiteten.
Der Besuch diente in erster Linie der Feier des 75-jährigen Bestehens des Priesterseminars „St. Peter Claver“ in Burundi, das seit 1950 Kandidaten für das Priesteramt ausbildet. In seiner Predigt erläuterte Kardinal Tagle über das Geheimnis des Letzten Abendmahls und dessen Bedeutung für die Priesterausbildung und entwickelte dabei drei spirituelle Aspekte: kirchliche Gemeinschaft, gemeinschaftliche Vielfalt und Gebet.

Die Friedensbotschaft von Papst Leo XIV.

Gleich zu Beginn seiner Predigt übermittelte Kardinal Tagle die Botschaft des Papstes: „Der auferstandene Herr grüßt uns weiterhin mit den Worten: ‚Friede sei mit euch.‘ Papst Leo XIV. hat diesen Gruß vom ersten Augenblick seines Pontifikats an zu seinem eigenen gemacht und mich beauftragt, ihn mit der Versicherung seiner väterlichen Liebe weiterzugeben.“
Anschließend begründete er die Jubiläumsfeier mit einem Zitat aus dem Buch Tobit: „Es ist gut, das Geheimnis eines Königs zu wahren, die Werke Gottes aber zu offenbaren und ehrend zu bekennen“.
Er würdigte die Pioniere der Evangelisierung in Burundi und begrüßte die laufenden Ausbildungsprojekte, insbesondere das vorbereitende Priesterseminar in Cibitoke und das im Bau befindliche Priesterseminar „Erzbischof Michael Aidan Courtney“ in Minago in der Diözese Ruyigi. Die Wahl von Minago für dieses Projekt ist kein Zufall: Genau an diesem Ort wurde Erzbischof Michael Aidan Courtney, damals Apostolischer Nuntius in Burundi, am 29. Dezember 2003 ermordet. Ein Denkmal zur Erinnerung an ihn wurde in Minago am 14. August 2025 von Kardinal Pietro Parolin, dem vatikanischen Staatssekretär, während seines Besuchs in Burundi eingeweiht und gesegnet.
Kardinal Tagle wandte sich direkt an die anwesenden Seminaristen und wiederholte die Worte von Papst Leo XIV. anlässlich des Jubiläums der Seminaristen im Petersdom am 24. Juni 2025: „Liebe Seminaristen, die Weisheit der Mutter Kirche, geleitet vom Heiligen Geist, sucht stets nach den geeignetsten Wegen zur Ausbildung der Priester, den Bedürfnissen des jeweiligen Ortes entsprechend. Was ist eure Aufgabe in diesem Bestreben? Es ist, euch niemals mit dem Erreichten zufriedenzugeben, niemals nur passive Empfänger zu sein, sondern mit Leidenschaft das priesterliche Leben zu leben, in der Gegenwart zu präsent zu sein und mit prophetischem Herzen in die Zukunft zu blicken.“
Diese Empfehlung gab den Ton für die Erläuterungen vor, die sich auf den Abendmahlssaal als Vorbild für das Priesterseminar konzentrierte – einen Ort, der seit 75 Jahren in Burasira unter der Leitung des Heiligen Geistes steht.

Cum Petro et sub Petro: kirchliche Gemeinschaft

Der erste Aspekt, mit dem sich Kardinal Tagle befasste, betraf das Leben in Gemeinschaft. In seiner Betrachtung der Apostelgeschichte erinnerte er daran, wie die Elf nach der Himmelfahrt Jesu vereint blieben: „Nachdem die Apostel Jesus in den Himmel auffahren sahen, standen sie allein vor ihrem Schicksal. Der Meister, der sie zusammengeführt hatte, war nicht mehr sichtbar, doch sie blieben vereint, eng verbunden, bevor sie in alle Welt zerstreut wurden, um das Evangelium zu verkünden.“
Der Kardinal betonte den Primat des Petrus und zitierte Christi Verheißung: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“ Anschließend erläuterte er die ekklesiologischen Implikationen: „Jedes Priesterseminar ist ein Abendmahlssaal, in dem man lernt, die Erfahrung der kirchlichen Gemeinschaft zu leben, unter dem Vorsitz des Nachfolgers des Apostels Petrus. Die Gemeinschaft geht der Mission voraus, befruchtet sie und nährt sie.“
Unter Bezugnahme auf die lateinische Formel „Cum Petro et sub Petro“ (mit Petrus und unter Petrus) betonte der Kardinal, dass diese Gemeinschaft „die Anerkennung der Abhängigkeit von einer fundamentalen Kraft voraussetzt, aus der die Jünger Kraft und Inspiration schöpfen“. Er erinnerte zudem unter Bezugnahme auf die Enzyklika „Lumen Fidei“ von Papst Franziskus daran, dass „das Lehramt des Papstes und der mit ihm in Gemeinschaft stehenden Bischöfe nichts Äußerliches oder eine Einschränkung der Freiheit ist, sondern den Kontakt mit der ursprünglichen Quelle des Glaubens gewährleistet“.

Eine Kirche der Vielfalt

Der zweite behandelte Punkt betraf die gemischte Natur der Abendmahlsgemeinschaft. Kardinal Tagle reflektierte über Marias Anwesenheit an der Seite der Apostel: „Die Kirche besteht nicht nur aus den Aposteln, sondern umfasst auch Frauen, darunter Maria, die Mutter Jesu.“ Er beschrieb Maria als „eine vorbildliche Jüngerin, die stets danach strebte, in allem Gottes Willen zu folgen“ und ihrer Antwort an den Engel treu blieb: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe wie du es gesagt hast.“

Er zitierte den heiligen Paulus: „Die Gnadengaben sind vielfältig, aber es ist derselbe Geist, der sie spendet. Die Dienste sind vielfältig, aber es ist derselbe Herr, der sie beseelt.“ Diese Ekklesiologie der Komplementarität führt zu einer wichtigen Frage: „Die Ausbildung von Priesterkandidaten betrifft nicht nur bestimmte Bereiche der Kirche, wie Bischöfe und einige Priester. Jedes Mitglied der Kirche und jede Gruppe von Jüngern ist von dem betroffen, was im Abendmahlssaal unserer Seminare geschieht.“

Der Kardinal rief die burundischen Gemeinden dazu auf, ihre Priesterseminare materiell zu unterstützen, und erinnerte an die Worte Christi: „Gebt ihr ihnen zu essen.“

Das Gebet, eine Waffe des Dienstes

Der dritte und letzte Aspekt betraf das Gebet als „die Haupttätigkeit der Abendmahlsgemeinschaft“. Kardinal Tagle bezog sich dabei auf das Johannesevangelium, in dem Jesus betet: „Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht!“ und kommentierte: „Die Herrlichkeit Jesu ist daher nicht die der Welt, sondern die der vollen Offenbarung von Gottes Liebe zu ihm und seinen Brüdern und Schwestern in der Menschheit. Es ist die Herrlichkeit des Leidens am Kreuz.“

Er betonte, dass „das Gebet bis zum Ende, bis zum Gipfel von Golgatha, die Waffe von Jesu Wirken war“ und erinnerte daran, dass Jesus auch nach der Auferstehung „mehr denn je unser Fürsprecher beim Vater ist“.

Der heilige Petrus Claver, ein Vorbild der Hingabe an Gott

Abschließend erinnerte Kardinal Tagle an den Namensgeber des Seminars, dem heiligen Petrus Claver, einem spanischen Jesuiten, der am 26. Juni 1580 in Verdú in Katalonien, geboren wurde und am 8. September 1654 in Cartagena de Indias im heutigen Kolumbien starb und sich „am 3. April 1622 selbst zum Sklaven der Afrikaner für immer erklärte“. Nach Abschluss seines Theologiestudiums in Bogotá wurde er nach Cartagena an der Karibikküste entsandt, wo er 1616 zum Priester geweiht wurde. Er verbrachte den Rest seines Lebens dort im Dienst der Sklaven, die in diesem Hafen aus Afrika an Land gingen. Cartagena war einer von zwei spanischen Häfen, die für die Aufnahme von Sklaven bestimmt waren. Schätzungsweise 10.000 Sklaven kamen zu Petrus Clavers Zeiten jährlich an, und sie befanden sich nach der langen Seereise meist in einem sehr schlechten Zustand. Petrus Claver wartete mit erbettelten Proviantmitteln am Kai. Begleitet von ehemaligen Sklaven, die als Dolmetscher dienten, ging der spanische Jesuit an Bord der Schiffe und begrüßte die Menschen an Deck, bevor er in den Schiffsraum hinabstieg, um die Kranken zu versorgen. „Er reinigte Wunden, trug Salben auf, legt Verbände an und sprach mit ihnen über Gott“ heißt es auf der Website der Jesuiten. 44 Jahre lang hieß Petrus Claver Sklaven willkommen, wenn sie von Bord gingen, versorgte und pflegte sie. Er kleidete sie, tröstete sie und unterwies sie im Glauben. Er besuchte auch Leprakolonien und pflegte Pestkranke; schließlich war es die Pest, die ihn in Cartagena das Leben kostete. Der Kardinal betonte, dass dieser Heilige „selbst Ablehnung und Missverständnisse erfahren hatte, nicht nur seitens der Kolonialherrschaft, sondern auch innerhalb seines eigenen Ordens“, aber dass er „uns ein wunderbares Beispiel dafür hinterlassen hat, wie man den Widrigkeiten des Lebens begegnet“.

Der Weg von der Passion zur Herrlichkeit

„Der heilige Petrus lehrt uns in der zweiten Lesung dieser Liturgie, dass wir lernen müssen, an Christi Leiden teilzuhaben, um uns freuen zu können, wenn seine Herrlichkeit offenbart wird“, so der Kardinal abschließend, „Wir können den wunderbaren Garten der Auferstehung nicht erreichen, ohne notwendigerweise durch den engen und beschwerlichen Garten Gethsemane zu gehen, der zum schmerzhaften Garten Golgatha führt. Brüder und Schwestern, die Zusammensetzung der gemischten Gemeinschaft des Abendmahls lehrt uns, dass wir alle – Männer und Frauen, Apostel oder einfache Jünger, Blutsverwandte Jesu – auf diesem Weg von der Passion zur Herrlichkeit, vom Kreuz zur Auferstehung, im Geist des Gebets und der Hingabe an Gott verbunden sind. Insbesondere aber sind die Hirten aufgerufen, Vorbilder des Glaubens, der Liebe und des Gebets unter ihren Brüdern und Schwestern zu sein.“ Eine kraftvolle spirituelle und ekklesiologische Herausforderung.
(ML) (Fides 18/5/2026)


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