Wikimedia Commons - Jaffar Theekkathir
Neu-Delhi (Fides) – Einen Appell „für die Integrität der Verfassung und eine inklusive Regierungsführung in Indien“ veröffentlichten die Indischen Bischofskonferenz (CBCI) nach den Parlamentswahlen in den indischen Bundesstaaten Kerala, Tamil Nadu, Westbengalen, Assam und dem Unionsterritorium Puducherry. In einer Mitteilung, die Fides vorliegt, äußert die CBCI, der rund 300 Bischöfe der drei im Land vertretenen Riten (lateinisch, syro-malabarisch und syro-malankarisch) angehören, ihre Hoffnung auf einen friedlichen und erfolgreichen Abschluss der Parlamentswahlen und appelliert an die neu gewählten Politiker, „unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit die indische Verfassung entschieden zu achten und zu schützen“.
„Wir fordern die neuen Führungskräfte dringend auf, transparent zu regieren und inklusive Politik zu priorisiere.“, heißt es in der Erklärung, „Es ist unerlässlich, dass die Parteien, die die Regierung bilden werden, ihr Mandat vorrangig der Verbesserung der Lebensbedingungen der Armen, der Ausgegrenzten, der Benachteiligten und der Minderheiten widmen. Wahre Entwicklung einer Nation ist erst dann erreicht, wenn die Früchte des Fortschritts die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft erreichen.“
Weiterhin heißt es in dem Text: „Die katholische Kirche in Indien bekräftigt nachdrücklich ihr unerschütterliches Engagement für die Zusammenarbeit mit der Regierung beim weiteren Aufbau der Nation. Durch unsere Bildungs-, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen setzen wir uns weiterhin entschlossen für das Gemeinwohl, den Frieden und den Wohlstand aller Bürgerinnen und Bürger ein.“
Kardinal Anthony Poola, Vorsitzender der CBCI, betonte dieses Engagement für das Gemeinwohl der Nation: „Das wahre Maß einer lebendigen Demokratie liegt nicht nur in der erfolgreichen Durchführung von Wahlen, sondern auch im unerschütterlichen Engagement der gewählten Repräsentanten für die Schwächsten in der Gesellschaft. Wir rufen die neuen Regierungen dazu auf, eng mit allen Institutionen zusammenzuarbeiten, um ein gerechteres, inklusiveres und gleichberechtigteres Indien zu schaffen.“
"Preghiamo affinché i rappresentanti eletti siano guidati dalla saggezza, dalla giustizia e da una profonda compassione nell'intraprendere questo importante cammino di servizio pubblico e di governo", conclude la nota dei Vescovi.
„Wir beten, dass die gewählten Amtsträger auf ihrem wichtigen Weg im öffentlichen Dienst und in der Regierungsführung von Weisheit, Gerechtigkeit und tiefem Mitgefühl geleitet werden“, so die Bischöfe abschließend.
Die Ergebnisse der Wahlen vom 4. Mai, an denen die Bundesstaaten Assam, Kerala, Tamil Nadu, Westbengalen und das Territorium Puducherry teilnahmen, brachten einen klaren Sieg für die auf Bundesebene regierende „Bharatiya Janata Party“ (BJP) unter Premierminister Narendra Modi.
In Westbengalen übertraf die BJP die absolute Mehrheit von 148 Sitzen – ein Erfolg, den Beobachter als „historisch“ bezeichneten. Auch in Puducherry blieb die Regierung in den Händen der „Nationalen Demokratischen Allianz“ (NDA), der von der BJP geführten Koalition. In Assam, einem Bundesstaat im Nordosten Indiens an der Grenze zu Bangladesch, wird die BJP ihre zweite Amtszeit in Folge antreten.
In Kerala und Tamil Nadu, zwei südlichen Bundesstaaten, stimmten die Wähler hingegen für die Opposition: In Kerala gewann eine von der Kongresspartei angeführte Koalition und errang mit 95 Sitzen die absolute Mehrheit im Parlament; in Tamil Nadu setzte sich die „Tamila Vettri Kazhagam“ (TVK) durch, eine Partei, die von Vijay, einem bekannten tamilischen Schauspieler und politischen Hoffnungsträger, gegründet wurde.
John Dayal, ein katholischer Journalist und Analyst, erklärt gegenüber Fides: „Diese Ergebnisse zeichnen ein Bild vom Zustand der indischen Demokratie im Vorfeld der nationalen Wahlen 2029. Die Macht der BJP in Indien wächst: Von 28 Bundesstaaten werden 22 entweder von der BJP oder ihren Bündnispartnern regiert; dasselbe gilt für zwei der drei Unionsterritorien. Es handelt sich um eine politische und kulturelle Dominanz, wie sie Indien seit 50 Jahren nicht mehr erlebt hat“. „Wir können auch den fortschreitenden Niedergang regionaler Parteien beobachten“, fährt er fort, „die in der Vergangenheit stets eine bedeutende Rolle spielten.“ „Diese Abstimmung wirft entscheidende Fragen zum Pluralismus, zur Debatte und zum Wechsel der politischen Kräfte auf, der das Wesen der Demokratie ausmacht“, bemerkt er. Weiterhin merkt Dayal an: „Für nicht-hinduistische Religionsgemeinschaften, insbesondere Muslime und Christen, liegt die Sorge darin, wie viel Raum BJP-Regierungen hinduistischen Extremistengruppen einräumen werden, die Gewalt in der Gesellschaft anwenden, insbesondere gegen Minderheiten.“
(PA) (Fides 7/5/2026)