Bamako (Fides) – Zeichnet sich in Mali dasselbe "Szenario" ab, wie in Syrien? Oder handelt es sich vielmehr um das Vorgehen dschihadistischer Kräfte, die in der Lage sind, weitere Gegner zu mobilisieren, um die derzeitige Militärjunta zu stürzen?
Diese Frage scheint berechtigt nach den gemeinsamen Offensiven der „Jama'a Nusrat ul-Islam wa al-Muslimin“ (JNIM) und der Azawad-Befreiungsfront (FLA) vom vergangenen 25. April. Mehrere Großstädte des Landes, insbesondere Bamako, Kati, Konna, Mopti, Gao und Kidal, wurden von zeitgleichen und koordinierten Angriffen getroffen. Diese Angriffe forderten Tote unter Militärangehörigen und Zivilisten, darunter auch unter ein Staatssekretär, der Verteidigungsminister und der Minister für Veteranenangelegenheiten, Generalleutnant Sadio Camara.
Die beiden Gruppen, die die Angriffe verübten, standen sich bis vor Kurzem noch auf gegnerischen Seiten gegenüber. Die mit Al-Qaida verbundene JNIM ist die Nachfolgerin jener dschihadistischen Gruppen, die 2012 die Tuareg-Separatisten aus Nordmali vertrieben. Die FLA, hervorgegangen aus dem Zusammenschluss mehrerer separatistischer Gruppen, lieferte sich noch 2024 Gefechte mit den Milizen der JNIM. Heute jedoch führt sie koordinierte, simultane Angriffe durch, mitunter Seite an Seite mit den ehemaligen Feinden. Obwohl die beiden Gruppen Malis Hauptstadt Bamako belagern, scheinen sie nicht in der Lage zu sein, sie einzunehmen. Nur ein politisches Abkommen, das einen Großteil der Opposition gegen die Militärjunta einbezieht und ihr eine Alternative bietet, könnte die Voraussetzungen für einen echten politischen Wandel schaffen.
Die Ankündigung des Generalstaatsanwalts des Militärgerichts in Bamako, Ermittlungen gegen aktive und pensionierte Offiziere wegen Beihilfe zur Planung und Durchführung der Anschläge einzuleiten, deutet auf Absprachen zwischen Dschihadisten und Separatisten sowie einigen Mitgliedern der Junta hin.
In der Erklärung des Generalstaatsanwalts wird auch die Beteiligung mehrerer politischer Persönlichkeiten erwähnt, darunter Oumar Mariko, ein bekannter linker Oppositioneller und Mitbegründer der kommunistischen Partei Afrikanische Solidarität für Demokratie und Unabhängigkeit (SADI), deren Generalsekretär er ist.
Sollten sich die Anschuldigungen des Militärgerichts in Bamako als wahr erweisen, würde ein breites politisches Bündnis entstehen, das eine Alternative zur Junta bieten soll. Die JNIM würde darin, allein schon aufgrund ihrer militärischen Stärke, eine zentrale Rolle spielen. Diese Hypothese wird durch die Entführung eines der Hauptkritiker der Militärjunta, des Anwalts Mountaga Tall, in Bamako untermauert, der mehrere Militäroffiziere verteidigt hatte, die in den letzten Monaten wegen des Vorwurfs der „Destabilisierung staatlicher Institutionen“ verhaftet worden waren.
Ein Szenario, das dem in Syrien Ende 2024 ähnelt, aber nicht identisch ist: Dort stürzte eine ehemals mit Al-Qaida verbundene Dschihadistengruppe das Assad-Regime und bildete anschließend eine Regierung unter vorläufiger Einbindung anderer politischer Kräfte.
In diesem Szenario bleiben mehrere Unbekannte bestehen: die Haltung der russischen paramilitärischen Kräfte des Afrika-Korps, die die malische Junta unterstützen; die Reaktion der anderen Mitglieder der Allianz der Sahelstaaten (AES) bestehend aus Burkina Faso, Niger und Mali; und schließlich die Präsenz des Islamischen Staates, einer Dschihadistengruppe, die mit Al-Qaida und damit auch mit JNIM konkurriert.
(L.M.) (Fides 4/5/2026)