LEO XIV. IN AFRIKA - Der Papst, der heilige Augustinus und die Welt im Konflikt

Samstag, 11 April 2026

Von Marie Symington

Vatikanstadt (Fides) – Papst Leo XIV. steht kurz vor dem Beginn seiner dritten apostolischen Reise, die ihn auch nach Annaba führen wird, dem antiken Hippo, der Stadt, in der der heilige Augustinus Bischof war.

„Friede sei mit euch“ waren die ersten Worte, die Papst Leo am Tag seiner Wahl zum Bischof von Rom von der zentralen Loggia des Petersdoms sprach: ein Friede, der „unbewaffnet und entwaffnend, demütig und beharrlich“ ist. Ein Friede, der „von Gott kommt, der uns alle bedingungslos liebt“.

Als Augustiner ist Papst Leos Beharren auf dem Frieden zweifellos auch von Augustinus von Hippo, seinem geistlichen Vater, inspiriert, der den Frieden der himmlischen Stadt als „die höchst geordnete und harmonische Vereinigung, in Gott glücklich zu sein und sich gegenseitig in Gott zu finden“ (De civitate Dei, Buch XIX, Kapitel 13) definiert.

In seinen Schriften erklärt der heilige Augustinus, dass es erst dann „ewigen Frieden“ geben wird, wenn es eine echte Hingabe an Gott und einen Geist der Liebe unter den Menschen gibt.

Die Mitglieder des Augustinerordens streben danach, nach drei Grundwerten zu leben: caritas (Liebe); unitas (Einheit) und veritas (Wahrheit). Nachdem er den Orden von 2001 bis 2013 als Generalprior geleitet hatte, lebt und predigt Leo XIV. diese Tugenden auch weiterhin als Papst.

Demut und “caritas” in der Mission

Die Liebe ist eine der theologischen Tugenden des christlichen Glaubens und macht das Herz demütig. Der heilige Augustinus warnte vor den „Versuchungen, die aus großem Hochmut entstehen“, und betonte, dass die Liebe selbst „die Menschen durch das Band der Einheit miteinander verbindet. Wenn die Menschen nichts von ihren Mitmenschen zu lernen hätten, würde der Liebe ein wichtiger Weg genommen, um die Verschmelzung und sozusagen den Austausch der Seelen zu erreichen“ (De Doctrinarina christiana, Prolog, 6).

Da er seine Herde zunächst als Priester in Peru und später als Bischof in eben jenem Land geleitet hatte, erlebte Leo XIV. am eigenen Leib, wie wichtig Demut ist, um zu lernen, zu dienen und in Gemeinschaft und Liebe mit den anderen zu leben. In einer seiner ersten Predigten erinnerte Papst Leo an „den missionarischen Geist, der uns beseelen muss, ohne dass wir uns in unserer kleinen Gruppe verschließen oder uns der Welt überlegen fühlen; wir sind aufgerufen, allen die Liebe Gottes anzubieten, damit jene Einheit verwirklicht wird, die die Unterschiede nicht aufhebt, sondern die persönliche Geschichte eines jeden und die soziale und religiöse Kultur jedes Volkes wertschätzt“.

Die Worte von Papst Leone spiegeln deutlich die des heiligen Augustinus wider: „Die Kirche besteht aus all jenen, die mit ihren Brüdern in Eintracht leben und ihre Mitmenschen lieben“ (Serm. 359,9).

Darüber hinaus sei daran erinnert, dass sich die Liebe nicht nur der Fürsorge für die eigenen Brüder und Schwestern gilt, deren Not man kennt, sondern sich auch auf Fremde erstreckt, wie uns Augustinus in seinen „Kommentaren zu den Psalmen“ in Erinnerung ruft. Papst Leo griff diesen Punkt auf, als er anlässlich des Neunten Welttags der Armen mit etwa 1.300 Menschen aus aller Welt zu Mittag aß und erklärte, er wolle diese Mahlzeit „im Geiste der Geschwisterlichkeit“ feiern. Auch in seinem ersten Apostolischen Schreiben „Dilexi te“ zitierte Papst Leo den heiligen Bischof von Hippo und erinnerte daran, dass „für Augustinus der Arme nicht nur ein Mensch ist, dem geholfen werden muss, sondern die sakramentale Gegenwart des Herrn. Der Lehrer der Gnade sah in der Fürsorge für die Armen einen konkreten Beweis für die Aufrichtigkeit des Glaubens. Wer sagt, er liebe Gott, und hat kein Mitgefühl mit den Bedürftigen, der lügt (vgl. 1 Joh 4,20)“.

Gemeinschaft und “unitas” in der Kirche

Die „caritas“ trägt die Frucht der „unitas“, der Einheit, in die Kirche.
Leo XIV. hat oft seinen Wunsch nach einer geeinten Kirche zum Ausdruck gebracht, die ein Zeichen der Einheit und der Gemeinschaft sei und zum Sauerteig für eine versöhnte Welt werde. Eine geeinte Kirche hat ein offenes Ohr für alle, hört jedem ihrer Mitglieder aus jedem sozialen und kulturellen Umfeld zu und nimmt unsere Unterschiede in der Einheit Christi an. „In Illo uno unum“ – „In Ihm sind wir eins“: Das bischöfliche Motto von Papst Leo XIV., entnommen aus der Auslegung des Psalms 127 durch den heiligen Augustinus, zeigt, wie tief der augustinische Geist in der Mission des Nachfolgers Petri verwurzelt ist.
Vor seiner Wahl zum Papst erläuterte der damalige Kardinal Robert Francis Prevost im Gespräch mit Tiziana Campisi von „Vatican News“ die Bedeutung dieses Mottos: „Wie aus meinem bischöflichen Motto hervorgeht, sind Einheit und Gemeinschaft Teil des Charismas des Augustinerordens und auch meiner Handlungs- und Denkweise. Ich halte es für sehr wichtig, die Gemeinschaft in der Kirche zu fördern, und wir wissen sehr wohl, dass Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung die drei Schlüsselbegriffe der Synode sind. Als Augustiner ist es für mich daher von grundlegender Bedeutung, Einheit und Gemeinschaft zu fördern.“


Glaube und “veritas” in der Lehre

Papst Leos Wunsch nach einer geeinten und synodalen Kirche darf nicht mit der Vorstellung einer Kirche verwechselt werden, in der Einheit durch Kompromisse angestrebt wird und in der die Lehre geändert würde, um allen gesellschaftlichen Normen und zeitgenössischen Überzeugungen gerecht zu werden. In seinem Interview mit der „Crux“-Journalistin Elise Ann Allen bekräftigte der Papst nachdrücklich die Lehre der Kirche zur Ehe angesichts der LGBTQ+-Bewegung und erinnerte daran, dass Einheit in der Kirche nicht bedeute, die Kirche in eine Art „demokratische Regierung“ zu verwandeln. Tatsächlich betonte Leo, dass „wenn wir heute auf viele Länder in der Welt blicken, Demokratie nicht unbedingt die perfekte Lösung für alles ist“. Nicht unbedingt der Wille der Mehrheit müsse Vorrang haben, sondern vor allem der Wille Gottes. Wie der heilige Augustinus lehrte, müsse die Welt nach Christus geordnet sein, der „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ ist (Joh 14,6).

Der Gottesstaat und die Kriege der Menschen

Diese drei Tugenden – Liebe, Einheit und Wahrheit – können dazu beitragen, den Gottesstaat zu errichten, in dem der von Augustinus beschriebene ewige Friede herrschen wird. Doch wie Papst Leo in seinem Apostolischen Schreiben „In Unitate Fidei“ feststellte: „Im Namen Gottes wurden Kriege geführt, es wurde getötet, verfolgt und diskriminiert. Anstatt einen barmherzigen Gott zu verkünden, wurde von einem rachsüchtigen Gott gesprochen, der Schrecken verbreitet und bestraft.“
In einer Zeit großer politischer Konflikte und Religionskriege ist die christliche Botschaft des Friedens und der Einheit in Gott heute von besonderer Bedeutung.
Ob es nun religiöse Konflikte gibt oder nicht, die Einheit in Christus ist gleichermaßen lebenswichtig. Am 28. August 2025 gab Papst Leo bei einem Treffen mit politischen Vertretern und Beamten aus der französischen Diözese Créteil ihnen den Rat, „sich immer mehr mit Jesus zu vereinen, ihn zu leben und von ihm Zeugnis abzulegen“, und betonte: „Es gibt keine Trennung in der Persönlichkeit einer öffentlichen Person: Es gibt nicht auf der einen Seite den Politiker und auf der anderen den Christen. Sondern es gibt den Politiker, der unter dem Blick Gottes und seines Gewissens seine Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten christlich lebt“. An dem Tag, an dem das Fest des Schutzpatrons seines Ordens begangen wurde, bezogen sich die Worte von Leo XIV. zweifellos auch auf die Zeit und die Lehren des heiligen Augustinus.
Zu Lebzeiten erlebte der Bischof von Hippo den Untergang des Römischen Reiches und die Reaktionen der heidnischen kulturellen Eliten, die den christlichen Glauben als Ursache für diesen Niedergang betrachteten. Infolgedessen verfasste der heilige Augustinus eines seiner Hauptwerke „De Civitate Die“ zur Verteidigung des christlichen Glaubens, der in allen Zivilisationen gelebt und bezeugt werden kann.
Der Gottesstaat ist laut Augustinus auf der selbstlosen Liebe Gottes aufgebaut, „geprägt von Gerechtigkeit, Liebe und Demut“, wie Papst Leo den Mitgliedern des „International Catholic Legislators Network“ wenige Tage vor seinem Treffen mit den französischen Pilgern erklärte. Der Staat des Menschen hingegen gründe auf Stolz und Selbstliebe und zeichne sich durch das Streben nach Macht, Ansehen und Vergnügen aus.
Laut Leo XIV. „weisen diese Dinge auf geistliche Realitäten hin – zwei Ausrichtungen des menschlichen Herzens und damit der menschlichen Zivilisation“.
Es ist daher klar, dass die katholische Kirche von einem Papst geleitet wird, der – wie sein geistlicher Vater – sich der gefallenen menschlichen Natur und der lebenswichtigen Notwendigkeit zutiefst bewusst ist, alles in Christus zu verankern, dem einzigen wirksamen Heilmittel für eine Welt im Konflikt.
(Fides 11/4/2026)


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