Joseph Education College
Yangon (Fides) – Vor dem Hintergrund des seit fünf Jahren andauernden Bürgerkriegs haben zwischen 2021 und 2024 etwa fünf Millionen Schülerinnen und Schüler sowie Studierende aller Bildungsstufen ihren Bildungsweg nicht abgeschlossen. „Das ist eine echte Tragödie für die Bildung im Land und für die Zukunft unserer jungen Generation“, sagte Joseph Win Hlaing Oo, Rektor des „Joseph Education College“, der einzigen privaten katholischen Bildungseinrichtung in Myanmar. Das “Joseph Education College“ wurde 2015 gegründet und 2021 von der Erzdiözese Yangon offiziell als katholische Einrichtung anerkannt, die staatlich anerkannte Abschlüsse vergibt. Bislang wurden dort über 700 Absolventen und Absolventinnen ausgebildet und in den letzten Tagen die fünfte Abschlussfeier für 30 Studierende abgehalten, die, so der Rektor „trotz der großen Herausforderungen, denen das Bildungssystem in Myanmar gegenübersteht, ihr Studium fortgesetzt haben”.
Die Feier fand am 10. Januar in Yangon statt. In seiner Eröffnungsrede bezeichnete Rektor Joseph Win Hlaing Oo das erreichte Ziel als „Akt der Widerstandsfähigkeit“ und räumte ein, dass „Unsicherheit und bewaffnete Konflikte drastische Auswirkungen auf die Einschreibungen und die Möglichkeit, das Studium fortzusetzen, hatten“.
„Einige Studierende mussten aus ihren Dörfern fliehen, um ihr Leben zu retten; einige sind in Konfliktgebieten ums Leben gekommen“, erinnerte er und merkte an, dass unter normalen Umständen und angesichts des Interesses an der Einrichtung die Zahl der Absolventen mehr als 100 Studierende hätte betragen können.
An der Veranstaltung nahm auch der Weihbischof von Yangon, Noel Saw Naw Aye, teil, der die einzigartige Rolle des Colleges als einzige private katholische Einrichtung in Myanmar hervorhob, die sowohl Geistlichen als auch Laien Studiengänge und Diplomkurse anbietet. „Jeder Getaufte ist für die Verkündigung der Frohen Botschaft verantwortlich“, erklärte er und lobte den von der Einrichtung angebotenen Bildungsweg. Der Bischof berichtete, dass auch ein buddhistischer Mönch die pastoralen Ausbildungsprogramme des Colleges gewürdigt und erklärt habe, dass „alles Gute gefördert werden sollte, unabhängig von der Religion“.
Unter den anwesenden Kirchenvertretern betonte der Bischof der Diözese Kengtung, John Saw Yaw Han, die seltene Gelegenheit, die sich den einfachen Menschen bietet, sich der Theologie anzunähern und sie zu studieren. „Wir studieren hier auf Erden viele Fächer, die für das tägliche Leben nützlich sind, aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Theologie uns auf das ewige Leben vorbereitet”, erklärte er.
Unter den Absolventen dankte Daw Yar Mee den Mitarbeitern des Colleges dafür, dass sie „trotz der Entfernung und der Schwierigkeiten” die Kontinuität des Lernens gewährleistet hatten. Ein weiterer Absolvent, Joseph Myat Soe Latt, sprach über seinen siebenjährigen Bildungsweg und gab zu, dass er oft daran gedacht hatte, sein Studium aufzugeben. Als er jedoch sah, dass unter den Studierenden auch ein 75-jähriger Mann war, der heute seinen Abschluss gemacht hat, sagte Myat Soe Latt, dass er dadurch stark ermutigt wurde, weiterzumachen und sein Studium abzuschließen.
„Das Institut möchte allen eine zugängliche Bildung bieten und auch eine Glaubensausbildung vermitteln. Jetzt seid ihr Absolventen und Diplomanden aufgerufen, das erworbene Wissen in die Praxis umzusetzen und es auf eurem Weg fruchtbar werden zu lassen: Das ist eure Mission”, sagte der Rektor abschließend zu den Studierenden. Dabei forderte er sie auf, sich nicht von Schwierigkeiten entmutigen zu lassen, sondern zu versuchen, einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten – insbesondere für Kinder und Jugendliche, die Bildung benötigen –, auch in der dramatischen Situation, in der sich das vom Konflikt zerrissene Land befindet.
(PA) (Fides 12/1/2025)