Die Lektion des Jahres 1989: Als ein Nuntius mit der US-Invasion in Panama konfrontiert war

Mittwoch, 7 Januar 2026

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Von Victor Gaetan*

Caracas/Panama (Fides) – Die Militäroperation der Vereinigten Staaten in Venezuela gegen Präsident Nicolás Maduro Moros in der vergangenen Woche erinnert an ein ähnliches Vorgehen der USA vor 36 Jahren, das die Diplomatie des Vatikans dramatisch ins Rampenlicht rückte und auch deutlich machte, wie sehr sich die Entscheidungsprozesse in der Kirche von den Kalkülen der Welt unterscheiden.

Ziel: ein einziger Mann

Am 20. Dezember 1989 befahl US-Präsident George H. W. Bush 27.500 Soldaten, in Panama einzumarschieren, die Regierung zu stürzen und Manuel Noriega zu verhaften, einen Militärdiktator (und ehemaligen CIA-Agenten), der des Kokainhandels, der Geldwäsche und undemokratischer Aktivitäten beschuldigt wurde – ähnliche Vorwürfe, wie sie derzeit gegen Maduro und seine Frau Cilia Flores erhoben werden.

Obwohl die offiziellen Schätzungen der Opferzahlen von 500 bis 560 getöteten einheimischen Bürgern und 23 getöteten US-Amerikanern sprachen, kamen lokale Quellen zu dem Schluss, dass bei der Invasion bis zu 4.000 Menschen ums Leben kamen und Schäden in Höhe von über 2 Milliarden Dollar entstanden.

Noriega gelang es knapp, der Gefangennahme zu entkommen, aber auf ihn war ein Kopfgeld von einer Million Dollar ausgesetzt. Wohin wandte sich der Diktator, als US-Truppen die Hauptstadt durchkämmten, um ihn und seine versteckte Familie zu finden? Am Heiligabend rief er den Apostolischen Nuntius, Erzbischof José Sebastián Laboa Gallego, an und bat um sofortiges Asyl in der Nuntiatur des Heiligen Stuhls.

Obwohl Noriega kein Freund der Kirche war und Erzbischof Laboa persönlich angegriffen hatte, handelte der Nuntius schnell, um weitere Gewalt zu verhindern. Er gewährte dem Diktator und mehreren Mitgliedern seines Stabes Zuflucht.

US-Truppen umzingelten bald darauf die Nuntiatur, und Hubschrauber kreisten über dem Gebiet, aber die diplomatische Immunität schützte alle, die sich auf dem Gelände befanden, einschließlich der Flüchtlinge.
Der Heilige Stuhl ließ sich von der Machtdemonstration der USA nicht einschüchtern und betrachtete die Invasion Panamas als Verstoß gegen das Völkerrecht.

Souveränität

Die territoriale Souveränität ist ein grundlegendes Konzept für das zwischenstaatliche System. Die Kirche hätte Noriega ohne dessen Zustimmung nicht an die von ihren Diplomaten als „Besatzungsmacht” bezeichnete Macht ausgeliefert. Der Nuntius sagte, er habe Noriega versichert, dass er bleiben könne: „Ich habe ihm bis zur letzten Minute gesagt: ‚Du kannst hier bleiben. Wir werden dich niemals wegschicken‘”.
Zunächst versuchte der US-Außenminister, Druck auf den Vatikan auszuüben, Noriega auszuliefern, indem er erklärte, dass dieser als Krimineller kein Recht auf Asyl habe. Der Heilige Stuhl vertrat jedoch die Auffassung, dass die Vereinigten Staaten mit der Invasion Panamas gegen das Völkerrecht verstoßen hätten und Noriega daher nicht gegen seinen Willen an die Vereinigten Staaten ausgeliefert werden könne.

In ähnlicher Weise hat Papst Leo XIV., als er Venezuela in seinem Angelusgebet vom 4. Januar erwähnte, an die gebotene „Wahrung der Souveränität des Landes” erinnert. Der Heilige Stuhl, der selbst souverän ist und Teil des internationalen Systems der Nationalstaaten ist, verteidigt eine Weltordnung, die die Vereinigten Staaten sowohl 1989 in Panama als auch 2003 im Irak und nun 2026 in Venezuela verletzt haben.

Die Souveränität des Heiligen Stuhls wurde durch die Lateranverträge von 1929 ausdrücklich bestätigt; sie stellt eine Form des Schutzes der Unabhängigkeit des Heiligen Stuhls dar. Daher sind der Papst und seine Diplomaten starke Verfechter dieses Prinzips der internationalen Legalität.

Unparteilichkeit und pastorale Fürsorge

Ein weiterer Wert, den der Heilige Stuhl während der Panama-Krise vertrat, war die Unparteilichkeit.
Der Heilige Stuhl nimmt in politischen (oder militärischen) Kontroversen keine Stellung und bemüht sich, seine Neutralität zu wahren. Der Nuntius hielt sich von seinen lokalen Gesprächspartnern fern: Manuel Noriega und seiner kleinen Bande, den neuen panamaischen Behörden und der Regierung der Vereinigten Staaten.

Was tat Noriega eineinhalb Wochen lang in der Nuntiatur, während die amerikanischen Streitkräfte Tag und Nacht laute Rockmusik über das Gebäude schallen ließen und Scheinwerfer auf seine Fenster richteten? Er schlief, las und nahm an der Messe teil.
Die Hauptwaffe des Nuntius gegenüber seinem unerwarteten Gast war die verbale Überzeugungskraft. Laboa führte lange Gespräche mit Noriega über seine möglichen Optionen. Er simulierte mit ihm die verschiedenen potenziellen Szenarien, die sich aus seinen möglichen Entscheidungen ergeben würden, und half ihm, den besten Weg für die Zukunft zu finden. Er unterstützte den Mann auch konkret, indem er Predigten hielt und Noriega an die christlichen Tugenden erinnerte.
Im Wesentlichen hat Laboa den Flüchtigen spirituell unterstützt und dabei in ständigem Kontakt mit Rom gestanden. Dies ist ein grundlegender Aspekt, um zu verstehen, wie der Heilige Stuhl mit ausländischen Staatschefs umgeht. Sie werden als Menschen betrachtet: Sünder, wie wir alle, und fähig zur Erlösung, wie wir alle. Darüber hinaus stehen der Mensch und seine Würde im Mittelpunkt jeder Situationsanalyse. Ein Mensch ist niemals entbehrlich.

Das Ende der Geschichte

Schließlich gab der General nach. Es geschah an einem Tag, an dem Tausende von Panamaern, die gegen Noriega waren, vor den Toren demonstrierten: ein Szenario, erklärte der Nuntius Noriega, das dazu hätte führen können, dass eine Menschenmenge in den Komplex eindrang und den Amerikanern einen Vorwand für einen Angriff lieferte.
Während der Morgenmesse, bei der der General in der letzten Bank saß (katholisch durch seine Taufe, soll er sich angeblich von einem brasilianischen Hexer spirituell beraten haben lassen), hielt Laboa eine Predigt darüber, wie menschliche Loyalitäten sich ändern, Gott aber treu bleibt. Noriega empfing die Kommunion.
Wenige Stunden später zog der Diktator seine Uniform an und teilte dem Nuntius mit, dass er bereit sei zu gehen. Er bat darum, seine Bibel behalten zu dürfen. Er durchquerte mit drei Priestern den Hof der Nuntiatur bis zum Haupttor, wo er sich ergab. Die unblutige Kapitulation Noriegas beendete die Krise sofort. Die Vereinigten Staaten erklärten sich auf Ersuchen des Heiligen Stuhls bereit, Noriega die Todesstrafe zu ersparen, ein Versprechen, das sie einhielten.
Laboa hat dem Einzelnen meisterhaft gedient und eine Situation mit starkem Konfliktpotential ohne Gewaltanwendung bewältigt.

Nein zu Gewalt

Diese Themen finden sich auch in den Worten von Leo XIV. während des Angelusgebets am 4. Januar wieder, als er betete: „Das Wohl des geliebten venezolanischen Volkes muss über allen anderen Erwägungen stehen und dazu führen, dass die Gewalt überwunden wird…“
Darüber hinaus beklagte die venezolanische Bischofskonferenz den Verlust von Menschenleben (etwa 80 Menschen wurden während der Operation getötet, darunter 32 Sicherheitskräfte), als US-Soldaten Maduro gefangen nahmen – ein Schmerz, den nur wenige andere zum Ausdruck gebracht haben. Die Bischöfe schrieben: „Wir sind solidarisch mit den Verletzten und den Familien der Verstorbenen. Wir beten weiterhin für die Einheit unseres Volkes.“
Der Heilige Stuhl verfügt über ausgezeichnete Informationsquellen in Venezuela. Der Staatssekretär im Vatikan, Kardinal Pietro Parolin, war von 2009 bis 2013 Apostolischer Nuntius in Venezuela, bevor er nach Rom zurückkehrte, um das Amt des Leiters der vatikanischen Diplomatie zu übernehmen.
Der derzeitige Apostolische Nuntius, der spanische Erzbischof Alberto Ortega Martín, ist seit über einem Jahr in Venezuela. Er ist ein erfahrener und kompetenter Diplomat, der bereits als Apostolischer Nuntius in Jordanien, im Irak und in Chile tätig war. Im vergangenen Juli trug Erzbischof Ortega zur Freilassung eines von der Regierung inhaftierten amerikanischen Priesters bei. Er ist also in der Lage, mit den noch amtierenden Machthabern zu interagieren.
Die Diplomaten des Heiligen Stuhls arbeiten unter der Leitung des Papstes diskret. Man kann darauf vertrauen, dass sie, wie Erzbischof Laboa vor 36 Jahren, den Weg Gottes durch den komplexen internationalen Konflikt in Venezuela suchen werden.


*Victor Gaetan ist leitender Korrespondent des „National Catholic Register“ und berichtet über internationale Angelegenheiten. Er schreibt auch für die Zeitschrift „Foreign Affairs“ und hat Beiträge für den „Catholic News Service“ verfasst. Sein Buch „God's Diplomats: Pope Francis, Vatican Diplomacy, and America's Armageddon“ (Rowman & Littlefield, 2021) ist im Juli 2023 in zweiter Auflage als Taschenbuch erscheinen. Besuchen Sie seine Website unter VictorGaetan.org.


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