ASIEN/MYANMAR - Armeesoldaten besetzen und verminen katholische Kirche

Dienstag, 13 September 2022 kriege     ortskirchen  

Pekon (Fides) - Der Bürgerkrieg in Myanmar macht auch vor Kirchen und anderen Gotteshäusern nicht halt. Wie lokale Quellen aus der Diözese Pekhon berichten, besetzten die Truppen der regulären Armee von Myanmar vier Tage lang, vom 8. bis 12. September, die katholische Kirche der Mutter Gottes in der kleinen Stadt Moebye in der Diözese Pekon (Zentral-Ost-Myanmar). In dem Gebiet kommt es zu erbitterten Kämpfen zwischen der birmanischen Armee und den Widerstandskämpfern der so genannten Volksverteidigungskräften der People Defence Forces, in deren Reihen hauptsächlich jungen Menschen kämpfen, die sich seit dem Staatsstreich vom 1. Februar 2021 gegen die Militärjunta stellen. Moebye ist eine kleine Ortschaft bestehend etwa 500 Häusern und einer Gesamtbevölkerung von rund 2.000 Einwohnern, die vollständig katholisch ist. Sie liegt an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Shan und Kayah und ist strategisch günstig an der Straße von Loikaw (Bundesstaat Kayah) nach Taunggyi (Bundesstaat Shan) gelegen.
"Die Soldaten haben die Kirche als Basis gewählt, weil sie wussten, dass die Jugendlichen sie nicht angreifen würden, d.h. aus Opportunismus und um sich selbst zu retten", so der einheimische Geistliche, Pfarrer Julio, gegenüber Fides. "Aber sie haben sie nicht nur beschmutzt und verwüstet, indem sie Statuen und Einrichtungsgegenstände zerstörten: Bevor sie das Gebäude heute Morgen verließen, haben sie es mit Antipersonenminen übersät und sie überall versteckt, im Boden, in den Kirchenbänken, hinter den heiligen Büchern, um Schaden anzurichten. Dies sind abscheuliche, respektlose Handlungen, die wir verurteilen. Wir bitten darum, dass die Kirchen aus dem Konflikt herausgehalten werden", so der Gemeindepfarrer. Heute sind junge Menschen und katholische Freiwillige damit beschäftigt, das Gebäude und die Umgebung der Kirche zu säubern und mit großer Sorgfalt zu räumen
Wie lokale Quellen gegenüber Fides erklären, finden in einigen Gebieten des Landes, wie etwa im Norden, heftige Kämpfe zwischen der Armee und den Widerstandskräften statt, die sich zum Teil mit den Armeen der ethnischen Minderheiten zusammenschließen. In anderen Gebieten kommt es selbst in den größten Städten wie Yangon, Mandalay und Pathein zu Konflikten geringer Intensität, bei denen Gruppen von Jugendlichen militärische Kontrollpunkte, Armeefahrzeuge und Polizeistationen angreifen.
"Wir haben keine Sicherheit, obwohl die Militärjunta angekündigt hat, die Beschränkungen für das soziale und zivile Leben zu lockern", sagt der Katholik Joseph Kung aus Yangon und Leiter eines privaten Universitätsinstituts, gegenüber Fides. "Mehr als anderthalb Jahre nach dem Staatsstreich sind die Menschen des Konflikts überdrüssig und wollen zu einem normalen Leben zurückkehren. Als Katholiken hoffen und beten wir weiter und folgen unseren Hirten, die uns einladen, diese Zeit des Leidens und der Prüfung im Glauben zu leben, uns auf den Weg der Gewaltlosigkeit zu führen und um Gerechtigkeit und Frieden zu bitten".
(PA-JK) (Fides 13/9/2022)


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