AMERIKA/NICARAGUA - Bischof Schmitz: "Wir dürfen nicht mit dem Leben einfacher Menschen spielen”

Samstag, 9 Mai 2020 menschenrechte     armut   demokratie   bischöfe  

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Bluefields (Agenzia Fides) - In Nicaragua wird die Lage infolge der Corona-Epidemie zunehmend besorgniserregend und konfus. Während die Bevölkerung größtenteils, nicht zuletzt auch auf Anraten der katholischen Kirche, eine freiwillige Quarantäne als selbst auferlegte Maßnahme zur Eindämmung der Verbreitung von Covid-19 respektiert, gibt es von seiten der Regierung kaum Empfehlungen und Informationen im Hinblick auf das angemessene soziale Verhalten. Wie andernorts auf dem lateinamerikanischen Kontinent sind jedoch auch hier vor allem die schwächsten Bevölkerungsteile am stärksten gefährdet. Regierungsbehörden und Politiker befassen sich unterdessen weiterhin mit Themen und Belangen, die für die Bevölkerung derzeit eher wenig relevant erscheinen.
Vor diesem Hingtergrund betont Bischof Pablo Ervin Schmitz Simon, O.F.M. Cap., von Bluefields: „Wenn Politiker und und Persönlichkeiten, die sich als solche bezeichnen, mit ihrem Leben spielen wollen, können es gerne tun, und Gott wird ihnen vergeben. Aber sie sollten nicht mit dem Leben einfacher, bescheidener Menschen spielen, die keine anderen Ressourcen haben". Dieser Position schließen sich auch andere Kirchenvertreter an darunter der Weihbischof von Managua, Silvio José Baez, der die Stellungnahme von Bischof Schmitz bei Twitter kommentiert.
Die lokale Presse in Nicaragua äußert sich dazu wie folgt: "Nicaragua hat die Möglichkeit verpasst, weitere Covid-19-Infektionen zu verhinndern, da die erforderlichen Tests nicht durchgeführt werden, während Ärzte mit Nachdruck auf die Durchführung von Massentests (die nicht stattfanden) besstehen, um die Ansteckungskurve zu verlangsamen und vermeiden, was gerade passiert."
Wie einheimische Beobachter mitteilen, sprechen offizielle Statistiken von biser nur fünfzehn Covid-19-Fälle und fünf Todesfällen. „Die offiziellen Zahlen sagen nichts über die Realität aus, die wir jeden Tag sehen. Es werden keine Tests gemacht. In den letzten zwei Wochen wurden Patienten, die als Coronavirus-Fälle behandelt wurden und dann starben, mit anderen Todesursachen registriert und sind daher nicht in der Statistik aufgetaucht", so Jose Antonio Vasquéz, ein Arzt, der seit 30 Jahren in Managua praktiziert.
Nicaragua ist das einzige Land in Mittelamerika, in dem keine Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Infektion ergriffen wurden. Es gibt keine Quarantäne-Vorschriften, kommerziellen Aktivitäten und Grenzen bleiben offen. Trotzdem sind die Menschen besorgt, seit in den Hauptstädten des Landes erste Fälle registriert wurden.
(CE) (Fides 09/05/2020)


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