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Vaticano

2003-09-25

VATIKAN/HEILGSPRECHUNGEN VOM 5. OKTOBER - JOSEF FREINADEMETZ(1852-1908): EIN LEBEN FÜR DIE MISSION IN CHINA

Vatikanstadt (Fidesdienst) - Josef Freinademetz wurde am 15. April 1852 in Oies, einem kleinen Weiler mit fünf Häusern in den Südtiroler Dolomiten – damals noch zu Österreich gehörend, heute italienisch –, geboren und noch am selben Tag getauft. Von seiner Familie erbte er den einfachen, aber unerschütterlichen Glauben und unermüdlichen Fleiß.
Bereits während seiner Studienzeit im Priesterseminar der Diözese Brixen (ital. Bressanone) begann er ernsthaft über einen Einsatz in der Mission als seinen möglichen Lebensweg nachzudenken. Nach seiner Priesterweihe am 25 Juli 1875 erhielt er die Arbeitsbestimmung für Sankt Martin (San Martino di Badia), nicht weit von seinem Geburtsort entfernt. Er gewann schnell die Herzen seiner Landsleute. Doch der Gedanke an die Mission lies ihn nicht los, und schon zwei Jahre nach seiner Weihe setzte er sich mit Arnold Janssen in Steyl (Niederlande) in Verbindung, dem Gründer des ersten deutschen Missionshauses, aus dem später die „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“ hervorging.
Mit der Erlaubnis seines Bischofs fuhr Josef Freinademetz im August 1878 nach Steyl ins Missionshaus. Am 02. März 1879 erhielt er das Missionskreuz und machte sich mit einem weiteren Missionar, Johann Baptist Anzer, auf den Weg übers Meer nach China. Fünf Wochen später verließen die beiden in Hongkong das Schiff und bereiteten sich zwei Jahre lang in der Hafenstadt auf den nächsten Schritt vor. Sie wurden für Süd-Shantung bestimmt, und 1881 reisten sie in diese chinesische Provinz, die genau 158 Getaufte unter 12 Millionen Einwohnern zählte.
Die folgenden Jahre waren äuβerst schwer, geprägt von langen und mühsamen Reisen, Überfällen von Räuberbanden und von zermürbender Arbeit beim Aufbau der ersten christlichen Gemeinden. Doch sobald eine Gemeinde sich einigermaßen entwickelt hatte, hieβ der zuständige Bischof die Missionare, dort alles zu verlassen, um an einem anderen Ort wieder neu zu beginnen.
Josef Freinademetz begriff schnell, wie wertvoll die Mitarbeit engagierter Laien für die Erstverkündigung war, vor allem in der Katechese. Deshalb legte er großen Wert auf deren Fortbildung und erstellte ein katechetisches Handbuch in Chinesisch. Daneben widmete er sich – gemeinsam mit Anzer, der inzwischen Bischof geworden war der Vorbereitung, spirituellen Begleitung und Weiterbildung der chinesischen Priester sowie der anderen Missionare.
Außerdem übernahm er abwechselnd verschiedene wichtige und verantwortungsvolle Ämter: Er war Verwalter der Missionsgebiete, Rektor des Seminars, Spiritual bzw. geistlicher Leiter der ersten chinesischen Priester, und schlieβlich Provinzoberer. Er übte seine Autorität mit der Haltung eines älteren Bruders aus und behandelte die ihm Anvertrauten immer mit Respekt. Er wurde wohl mehr geachtet wegen seines Beispiels und Lebenszeugnisses als wegen seiner Funktion, die er inne hatte.
Sein ganzes Leben war geprägt von dem Bemühen, ein Chinese unter Chinesen zu werden. So schrieb er an seine Verwandten: „Ich liebe China und die Chinesen; hier möchte ich sterben und bei ihnen begraben werden.“
1898 forderten der rastlose Einsatz und die vielen Entbehrungen ihren Tribut. Eine Kehlkopferkrankung und der Beginn der Tuberkulose zwangen Josef Freinademetz, eine Ruhepause einzulegen. Der Bischof und die Mitbrüder drängten ihn zu einem Aufenthalt in Japan in der Hoffnung auf vollständige Wiederherstellung seiner Gesundheit. Er kehrte erholt, aber nicht vollständig geheilt, nach China zurück.
1900, nach 20 Jahren mühseliger Arbeit in China, lud P. Arnold Janssen seinen ersten Missionar nach Steyl zum Silbernen Jubiläum der Gesellschaft des Göttlichen Wortes ein. Freinademetz lehnte ab. Es war die Zeit des Boxeraufstands. Die in China tätigen deutschen Behörden forderten alle Missionare auf, sich unverzüglich zum Hafen von Tsintao zu begeben, wo man sie besser beschützen konnte. Josef Freinademetz entschied sich, auf der Missionsstation in Puoli zu bleiben, obwohl er sich der bestehenden Gefahr bewusst war. Einmal schickte er eine Gruppe Waisenkinder aus dem Landesinnern an die Küste von Tsingtao, wo sie relativ sicher waren. Mit den Waisen schickte er einen Brief an die Mitbrüder in Tsingtao, in dem er schrieb: „Sie (d.h. die Waisen) sind auf die Hilfe anderer angewiesen. Haben Sie doch die Freundlichkeit, ihnen weiter zu helfen. In der Situation, in der sie sich befinden, dürfen wir keine Zweifel haben, einige Extraausgaben zu machen, um zu retten, was zu retten ist...“ Und er fügte hinzu: „Ich glaube es wäre besser, die Pferde zu verkaufen“.
Als der Bischof wieder einmal nach Europa reisen musste, wurde Josef Freinademetz die Administration der Diözese übertragen. Während dieser Zeit kam es zu einer Typhusepidemie. Josef, als guter Hirte seiner Gemeinde, half unermüdlich, wo er nur konnte, bis er sich selbst mit der Krankheit angesteckt hatte. Unverzüglich kehrte er nach Taikia, dem Bischofssitz, zurück. Dort verstarb er am 28.Januar 1908. Man beerdigte ihn unter der 12. Station des Kreuzweges. Sein Grab wurde schnell zu einem Ort der Verehrung und der Wallfahrt für die Christen.
Freinademetz lernte, die kulturelle Größe des Volkes, zu dem er ausgesandt worden war, zu entdecken, zu schätzen und zu lieben. Sein ganzes Leben widmete er der Verkündigung des Evangeliums, der Botschaft von der Menschenfreundlichkeit Gottes, und versuchte diese Liebe Fleisch werden zu lassen bei der Bildung der chinesischen Christengemeinden. Er leitete die Gemeinden an, sich gegenüber den chinesischen Nachbarn in Solidarität zu öffnen, und ermutigte die getauften Chinesen, Missionare zu sein bei ihren Landsleuten als Katecheten, Ordensleute oder als Priester. Sein ganzes Leben war konkrete Verwirklichung seines Wahlspruches: „Die einzige Sprache, die jeder versteht, ist die Liebe.“ (Fidesdienst, 25/9/2003 – 72 Zeilen, 868 Worte)

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