ASIEN/IRAK - Chaldäische Synode: Patriarch warnt vor Zuspitzung der spirituellen Krise durch digitale Kultur

Freitag, 23 September 2016 medien   ostkirchen   flüchtlinge  

psychologytoday.com

Erbil (Fides) – Auf der pastorale, administrative und finanzielle Lage der chaldäischen Kirche lasten viele “Schatten”, darunter die Selbstbezogenheit, was zeigt, dass “die Motivationskrise und die spirituelle Krise durch die Verbreitung der digitalen Kultur auf ein Höchstmaß ansteigt“. Diese Einschätzung des chaldäischen Patriarchen Louis Raphael I. ist vielschichtig und könnte auf die verschiedenen Kontexte angewandt werden. Der Patriarch eröffnete mit seinem Vortrag die am gestrigen 22. September die alljährliche Synode der katholischen Kirche, die in Ankawa, einem vorwiegend von Christen bewohnten Vorort von Erbil, der Hauptstadt der autonomen Provinz Kurdistan tagt. Der Patriarch wies in seiner Ansprache darauf hin, dass die sozialen Medien vor allem auch als Instrument der Polemik und der Anschuldigungen gegen die Kirche genutzt werden.
Neben den “Schattenseiten” erwähnte der Patriarch in seiner Ansprache aber auch die “Lichtseiten”, die die chaldäische Kirche in der heurigen Zeit kennzeichnen, die von Gewalt, Sektierertum und politischer Instabilität geprägt ist und das irakische Volk seit Jahren belastet.
Zu den Faktoren der pastoralen Krise zählt der Patriarch auch das Verhalten von Priestern und Ordensleuten, die in den vergangenen Jahren ohne Zustimmung ihrer Vorgesetzten ihre Diözesen und Klöster verlassen haben. Dieses Phänomen, so der Patriarch, zeige auch, dass diese Personen keine angemessene Ausbildung erhalten hätten.
In diesem Zusammenhang wünschte sich der Patriarch, dass irakische Priester künftig eine bessere Begleitung beim Prozess der spirituellen Erkenntnis erhalten, zum Beispiel auch durch den Austausch mit Priestern und Ausbildern, die in anderen Ländern leben. Unter finanziellen Gesichtspunkten beklagt der Patriarch „finanzielle und administrative Korruption“ in Pfarreien und kirchlichen Einrichtungen. Mit Blick auf die Flüchtlingshilfe sieht der Patriarch Unterschiede zwischen Pfarreien „die enorme Arbeit leisten um vertriebenen Familien unterschiedslos zu helfen“ und anderen, die diesem Problem „keine Aufmerksamkeit schenken“.
(GV) (Fides 23/9/2016).


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