EUROPA/UNGARN - Kardinal Filoni über die religiösen Aspekte des Flüchtlingsphänomens in Europa

Mittwoch, 17 Februar 2016 filoni   ortskirchen  

Budapest (Fides) – “Ich glaube, dass das Wissen über die Gesichte des Christentums im Nahen Osten – im heutigen Irak – keine kulturelle Überheblichkeit darstellt, sondern ein Ansatz dafür ist, die Gründe für die dramatischen Ereignisse in der Region zu verstehen und deren Leben und Kultur, sowie das Zeugnis des Glaubens und die Verbundenheit der Christen mit dieser Region wertzuschätzen”, so der Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker in seinem Vortrag über die religiösen Aspekte der Flüchtlingswelle in Europa an der Universität Budapest.
Der Präfekt des Missionsdikasteriums befasst sich in seinem Vortrag mit dem Thema “Die Kirche im Irak: Geschichte, Entwicklung und Sendung von den Anfängen bis in die heutige Zeit”, zu dem er auch ein Buch schrieb, das derzeit in Englisch, Spanisch und Arabisch übersetzt wird. Der Kardinal will „das Augenmerk auf die wunderbare Geschichte dieser alten Kirchen des Ostens lenken, die auch als chaldäische Kirche bekannt ist”, die bisher nicht vollständig dokumentiert wurde.
Die Kirche im Irak geht auf eine “kleine, antike christliche Gemeinde zurück, die vor zweitausend Jahren in der Region Mesopotamien lebte”, so kardinal Filoni. “In dieser Region machten Christen vor einhundert Jahren etwa 15% der Gesamtbevölkerung aus. Heute sind es zwischen 1 und 2%! Seit der Zeit des armenischen Genozids (mit rund 1,2 Millionen Opfern) und der Ermordung von 250.000 chaldäischen, armenischen, syrischen sowohl katholischen als auch orthodoxen Christen begann die Auswanderung der Völker aus dieser Region und diese Massenmigration hat sich bis in die heutige Zeit beschleunigt, durch Kriege, Diskriminierung, fehlende Möglichkeit des friedlichen Zusammenlebens und Arbeitsplätzemangel”.
Kardinal Filoni, der mehrer Jahre im Nahen Osten lebte und 2014 von Papst Franziskus zu seinem persönlichen Vertreter ernannt wurde, betonte zum Migrationsphänomen, dass „die europäischen Gesellschaften nie einen ‚Einheit’ darstellten. Sie waren es gestern nicht, sie sind es heute nicht und sie werden es auch morgen nicht sein. Europa ist vielmehr einem Behälter ähnlich …”. Doch trotz aller Unterschiede gebe es drei Elemente, die in Europa eine vereinende Rolle spielen: Religion, das auf die Person bezogene Rechtsverständnis, Schönheit und Kunst. “Der tiefe Grund, der zu einer Auswanderung biblischen Ausmaßes der Völker des Nahen Ostens nach Europa führte ist die Abwesenheit von Frieden”, so der Kardinal, der daran erinnert, „dass jeder ein Recht auf ein Leben in Frieden hat, der die größte aller Sehnsüchte ist. Alle großen Migrationswellen hatten ihren Ursprung im Krieg”.
(SL) (Fides 17/2/2016)


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