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Europa

2003-09-10

EUROPA/DEUTSCHLAND - FRIEDENSTREFFEN DER WELTRELIGIONEN VON SANT’EGIDIO ABGESCHLOSSEN: „DER DIALOG BRAUCHT STARKE GEFÜHLE“. CHRISTLICHE KIRCHEN WOLLEN DER MÄRTYRER DES ZWANZIGSTEN JAHRHUNDERTS GEMEINSAM GEDENKEN – FRIEDENSAPPELL: „DER DIALOG IST KEINE WAHL DER ÄNGSTLICHEN"

Aachen (Fidesdienst) – Bei der Pressekonferenz zum Abschluss des Internationalen Friedenstreffens der Weltreligionen begrüßte der Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio, Andrea Riccardi, die zahlreiche Teilnahme des deutschen Publikums. Im Verlauf der Veranstaltung sei der Wunsch laut geworden, unter Christen gemeinsam der Märtyrer des zwanzigsten Jahrhunderts zu gedenken, betonte er. Den ruhigen Dialog und die harmonische Gegenüberstellung der verschiedenen Religionsführer kommentiert er mit folgenden Worten: „Es ist nicht das Paradies auf Erden. Dialog bedeutet nicht Probleme zu verharmlosen, sondern sie offen anzusprechen und bereit zu sein, sie zu überwinden“. Oft werde der Dialog, nicht nur zwischen den Religionen sondern auch auf politischer Ebene ohne Gefühl geführt: „Wir können nicht von Afrika oder über den Konflikt in Palästina sprechen ohne etwas dabei zu empfinden und einen kleinen Funken der Hoffnung zu spüren.“
Die Teilnahme des Orthodoxen Metropoliten Kyrill vom Außenamt des Moskauer Patriarchats bezeichnete Andrea Riccardi als „Aufwärmen“ in den Beziehungen zwischen Katholiken und Orthodoxen und erinnerte in diesem Zusammenhang auch an die starke Bindung der Gemeinschaft von Sant’Egidio mit der russischen Kirche, als „Kirche der Märtyrer“, und „in diesem Bereich nimmt sie eine Vorrangstellung ein, die wir nicht beneiden, die aber auch nicht verleugnet werden kann“. „Der Dialog, der in diesen Tagen geführt wurde, und an dem der Metropolit teilnahm, war positiv. Die Beziehungen zu Moskau sind für die katholische Kirche eine Notwendigkeit und, wie auch Kardinal Kasper betonte, die Spaltung hindert uns selbst an der Verwirklichung unseres Wesens als Katholiken“, so der Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio weiter.
Zum Abschluss der Veranstaltung veröffentlichten die Teilnehmer einen gemeinsamen Friedensappell, in dem sie betonten, dass „der Friede tief in unserer Tradition verankert ist, denn Friede ist ein Name für Gott“, was bedeute, dass man sich „erneut für den schwierigen Weg des Dialogs entscheiden müsse, in einer Welt, die die Auseinandersetzung zu bevorzugen scheint.“
„Der Dialog führt zum Frieden. ER ist eine Kunst, die den kurzsichtigen Pessimismus derjenigen durchbricht, die behaupten ein Zusammenleben sei nicht möglich und die durch erlittenes Unrecht entstandenen Wunden seien eine Verurteilung zu ewigem Hass. Der Dialog ist der Weg, der die Welt vor dem Krieg bewahren kann … Der Dialog ist eine Kunst, die gepflegt werden muss, für die Religionen, für die Kulturen und für die Mächtigen der Welt. Der Dialog ist keine Wahl der Ängstlichen und derjenigen, die sich vor dem Kampf fürchten. … Er führt jeden Mann und jede Frau dazu, im anderen das Beste zu suchen und sich selbst auf sein Bestes zu berufen. Der Dialog ist ein Medikament, das Wunden heilt und uns auf das einzig mögliche Schicksal, das es für Völker und Religionen gibt, vorbereitet: das Zusammenleben auf diesem Planeten, den wir schützen müssen und den wir den kommenden Generationen lebenswerter als heute hinterlassen müssen“.
Diejenigen, die ein Aufeinanderprallen der Kulturen für unausweichlich halten, werden im Appell aufgefordert, sich von diesem erdrückenden Pessimismus zu befreien, der „eine Welt voller Mauern und Feinde schafft“, wo ein sicheres und friedliches Leben unmöglich wird. „Wer glaubt, den Namen Gottes für Hass und Krieg benutzen zu können und dazu das Leben des anderen zu erniedrigen oder auszulöschen, dem sagen wir: der Name Gottes ist Frieden. Die Religionen rechtfertigen niemals Hass und Gewalt. Der Fundamentalismus ist die Kinderkrankheit aller Religionen und Kulturen, denn er macht sie zu Gefangenen der Kultur des Feindes, trennt sie von den anderen und zieht Gewalt dem Frieden vor.“ (SL) (Fidesdienst, 10/9/2003 – 52 Zeilen, 590 Worte)

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