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2013-04-15

AFRIKA/SOMALIA - Bischof Bertin: „Es wurden symbolische Ziele getroffen“

Mogadischu (Fidesdienst) – „Es wurden symbolische Ziele getroffen“, so der Apostolische Administrator von Mogadischu und Bischof von Dschibuti, Giorgio Bertin, zum Fidesdienst nach den gestrigen Attentaten in der somalischen Hauptstadt bei denen mindestens 34 Zivilisten und 9 Attentäter starben. Zielscheibe der Anschläge waren ein Gerichtsgebäude, ein Gebäude der Sicherheitskräfte und ein türkischer Hilfskonvoi. Zum Zeitpunkt der Anschläge hielt sich der somalische Präsident Hassan Scheich Mohamud anlässlich eines unter Leitung türkischer Mittler veranstalteten Gipfeltreffens mit den Behörden von Somaliland in Ankara auf. Ziel des Gipfeltreffens ist die Wiedervereinigung der beiden Staaten (Somaliland hatte 1991 die eigene Unabhängigkeit proklamiert, die von der Staatengemeinschaft offiziell nicht anerkannt wurde).
„Der türkische Hilfskonvoi wurde angegriffen, obschon die Türkei versucht hat, Gespräche mit den al-Shabaab-Milizen auf den Weg zu bringen“, so Bischof Bertin. „Doch das türkische Engagement bei der Entstehung neuer staatliche Institutionen scheint die Milizionäre oder zumindest die Gegner einer Normalisierung verärgert zu haben“.
Im Hinblick auf das Attentat auf ein Gerichtsgebäude sollte daran erinnert werden, dass die al-Shabaab-Milizen anfangs mit den islamischen Gerichtshöfen zusammenarbeiteten, die vor einigen Jahren die Kontrolle über Mogadischu übernahmen. Deshalb scheint es kein Zufall, dass ein ziviles Gericht angegriffen wurde. Bischof Bertin betont in diesem Zusammenhang, dass „das neue Gericht nicht nur auf den islamischen Gesetzen der Schariah basiert sonder auch die neue Verfassung als Quelle der Rechtssprechung betrachtet“. Das Justizsystem ist eine Priorität der neuen staatlichen Institutionen, die seit dem August vergangenen Jahres aufgebaut werden. Polizei, Gerichte und Armee gehören zu den wichtigsten Institutionen jeder Regierung, wenn es darum geht ein Mindestmaß an Sicherheit zu gewährleisten. Wenn man ein Gericht angreift, dann trifft man damit eines der wichtigsten Instrumente für den Wiederaufbau eines Staates“.
Der Bischof, der Mogadischu persönlich erst vor kurzem besuchte, fügt hinzu: „Leider ist der Weg der Normalisierung in Somalia sehr steil“. „In meinem letzten Interview (vgl. Fidesdienst vom 12/04/2013)“, so der Bischof abschließend, „hatte ich darauf hingewiesen, dass ein teil der neuen Institutionen zu funktionieren beginnen, die Kontrolle in weiten Teilen des Landes aber noch sehr fraglich ist. Ich hatte den Eindruck als ob es für die al-Shabaab ein Leichtes wäre, Attentate zu verüben, wenn sie dies beabsichtigten. Leider war dieser Eindruck richtig“. (LM) (Fidesdienst 15/04/2013)

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