ASIEN/SYRIEN - Begleitschäden des Konflikts: „Armenierfrage“ unter syrischen Flüchtlingen in der Türkei

Mittwoch, 6 Februar 2013

Aleppo (Fidesdienst) – Der in Syrien anhaltende Bürgerkrieg verursacht vielfältige Begleitschäden: die verschiedenen Gesellschaftsgruppen in Syrien suchen einen jeweils eigenen Weg des Überlebens, was auch für die rund 100.000 syrischen Armenier gilt, die vor Kriegsbeginn in dem Land lebten. Unter den Armeniern herrscht eine ausgeprägte ethnische, kulturelle und religiöse (christliche) Identität. Viele von ihnen haben im Laufe der vergangenen zwei Jahre das Land verlassen. Ziel der Flüchtlinge ist vor allem das Heimatland Armenien, aber auch die armenischen Diasporagemeinden in Europa, Amerika, Kanada und Australien.
Wie Beobachter dem Fidesdienst bereichten, fliehen fast alle armenischen Flüchtlinge über die Türkei: unzählige Flüchtlinge aus Aleppo und Latakia aber auch aus Hassakè, Deir Ezzor und Ras-El-Ein halten sich in türkischen Grenzstädten, darunter Antakya (das ehemalige Antiochien). Sanliurfa, Gaziantep und Osmaniye, Kahramanmaras und Adiyaman auf.
Die syrischen Flüchtlinge in der Türkei werden von der dortigen Regierung auf insgesamt über 200.000 beziffert. Die Zahl der Armenier, die aus Syrien fliehen mussten liegt nach Schätzungen bei rund 20.000, während in diplomatischen Kreisen Zahlen von bis zu 50.000 in Betracht gezogen werden. Die armenischen Flüchtlinge in der Türkei bitten die Regierung nun um die Genehmigung der Ausreise über die Grenze zu Armenien, die von der Türkei im Jahr 1993 geschlossen wurde (die beiden Ländern unterhalten keine diplomatischen Beziehungen). Die türkischen Behörden erteilen eine solche Ausreisegenehmigung bisher nicht. Wie Beobachter dem Fidesdienst berichten brachten armenische Hilfswerke und Vereine in der Diaspora, insbesondere mit Sitz in den USA (darunter Armenian Relief Network, Mission Armenia) eine Unterschriftenaktion auf den Weg, mit der sie die türkische Regierung auffordern, die „Armenier gehen zu lassen“. Mit der Bitte um Einwirken auf den türkischen Premierminister Erdogan wandten sich die Hilfswerke auch an Präsident Obama.
Der in der Türkei tätige Kapuzinermönch und Missionar, P. Domenico Bertogli, erklärt gegenüber dem Fidesdienst: „In der Stadt sind viele syrische Flüchtlinge zu sehen, da die Grenze zu Syrien sehr durchlässig ist. Viele christliche Familien befinden sich auf der Durchreise nach Europa. Über die Frage der armenischen Flüchtlinge berichten auch die Medien. Meiner Ansicht nach wird die türkische Regierung diese Flüchtlinge am Ende gehen lassen“. Die „Armenierfrage“ ist auch heute noch eine offene Wunde in den Beziehungen zwischen der Türkei und der internationalen Staatengemeinschaft vor dem Hintergrund eines jahrelangen Streits über die Anerkennung des Völkermords an den Armeniern im Jahr 1915. (PA) (Fidesdienst, 06/02/2013)


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