ASIEN/IRAK - Zwei Christen ermordet, erster Gottesdienst nach dem Attentat in Bagdad, weltweite Protestaktionen im Internet

Montag, 8 November 2010

Bagdad (Fidesdienst) – In der syrisch-katholischen Kirche, auf die am 31. Oktober in Bagdad ein Attentat verübt wurde, finden wieder Gottesdienste statt, doch die Gläubigen stehen weiterhin unter Schock: wie lokale Quellen berichten sollen am 7. November in Bagdad unter noch ungeklärten Umständen zwei Christen ermordet. „Solche Vorfälle überraschen uns nicht mehr, denn sie sind an der Tagesordnung“, lautet der Kommentar eines Priesters aus Bagdad. Die irakischen Gläubigen sind unterdessen dankbar für die weltweite Unterstützung, die auch über das social network „Facebook“ zum Ausdruck gebracht wird.
Am 7. November fand eine Woche nach dem Attentat, bei dem insgesamt 58 Menschen starben und über 200 verletzt wurden, erstmals wieder ein Gottesdienst in der syrisch-katholischen Kathedrale in Bagdad statt. Unter enormen Sicherheitsvorkehrungen hat die Kirche ihre Pforten wieder geöffnet: im Kircheninneren wurde die Spuren des Attentats so gut wie möglich beseitigt.
Wie Augenzeugen berichten, sollen die Gottesdiensteilnehmer im Gedenken an die Ermordeten schwarz gekleidet gewesen sein und mit brennenden Kerzen an die ermordeten Brüder und Schwestern erinnert haben. Der Gemeindepfarrer Mukhlas Habas soll in seiner Predigt betont haben, dass man als christliche Glaubengemeinschaft sowohl für die Opfer als auch für die Täter beten muss, gemäß des Gebots Jesu „Liebt eure Feinde“. Dabei forderte er alle zur Bereitschaft zur Vergebung auf. Der Priester bezeichnete insbesondere die beiden ermordeten Priester als „Märtyrer“. Wie aus dem Bericht der Augenzeugen hervorgeht soll einer der beiden ermordeten Geistlichen zu den Attentätern gesagt haben: „Tötet mich und nicht eine Familie mit Kindern“, indem er sich als menschliches Schutzschild vor die Familie stellte. „Die Zukunft der Christen im Irak“, so der Gemeindpfarrer, „liegt nicht in den Händen der Menschen, sondern in den Händen Gottes“.
Unterdessen rufen Christen aus aller Welt über „Facebook“ auf der Seite „The March against the Ethnic Cleansing of Iraq’s Indigeous Christians“ zur Verbundenheit mit den Christen im Irak auf: bereits 45.000 Menschen haben sich der Aktion angeschlossen. Seit Juni 2004 wurden auf 66 christliche Kirchen im Irak Anschläge verübt, Tausende Gläubige mussten sterben. Christen im Irak und im Ausland, unter anderem auch in London, Kairo, Sydney, Los Angeles, Detroit, Chicago, Las Vegas, Toronto und in anderen Städten in Deutschland, Holland und der Schweiz rufen Menschen bei öffentlichen Kundgebungen zu Solidarität mit den verfolgten Christen im Irak auf. (Fidesdienst, 08/11/2010)


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