AFRIKA/SIERRA LEONE - Bischof von Freetown zum Fidesdienst: „Die Jugendarbeitslosigkeit gefährdet die soziale Stabilität“

Dienstag, 14 September 2010

Rom (Fidesdienst) – „Wir leben immer noch in der Nachkriegszeit, nachdem vor 8 Jahren der schreckliche Krieg der Jahre 1992-2002 zu Ende ging“, so Erzbischof Edward Tamba Charles von Freetown and Bo (Sierra Leone) zum Fidesdienst. Der Bischof nimmt zurzeit in Rom an einem von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker organisierten Seminar für neu ernannte Bischöfe teil (vgl. Fidesdienst vom 6. September 2010).
„Es gibt für uns immer noch viel zu tun bei der Rehabilitation der Personen und beim Wiederaufbau der Strukturen. Die Tätigkeit der Kirche wird schrittweise wieder aufgenommen. Die bevorstehende Errichtung einer neuen Diözese ist ein Beweis für die Vitalität der Ortskirche. Die neue Diözese wird in der Stadt Bo auf einem Teilgebiet der Erzdiözese Freetown entstehen. Bis jetzt bin ich als Erzbischof für beide Städte verantwortlich. Bald wird sich Bo von Freetown trennen und eine eigenständige Diözese sein“.
Was die Zeiten für die Errichtung einer neuen Diözese anbelangt so erklärt Erzbischof Charles: „Wir haben eine entsprechende Dokumentation bei der zuständigen Stelle im Vatikan eingereicht. Wir beten eifrig dafür, dass die verschiedenen Vorgänge bald abgeschlossen sein werden. Insbesondere, dass das Territorium für die neue Diözese festgelegt und ein Bischof ernannt wird. Danach werden die beiden Regionen sich mit Blick auf neuen Eifer bei der Evangelisierung umstrukturieren können“.
Zur gesellschaftlichen Lage des Landes sagt der Erzbischof: „Wir genießen eine gewisse Stabilität und der Abrüstungsprozess kommt voran. Dadurch gibt es auch immer weniger bewaffnete Überfälle. Das Leben der Menschen ist jedoch nicht einfach. Die weltweite Wirtschaftskrise hat alle getroffen, doch in Ländern wie Sierra Leone hat sie dramatische Folgen. In einem Land wie dem unseren leben viele Menschen von den Überweisungen der Auswanderer in Nordamerika und Westeuropa. Infolge der Wirtschaftskrise haben viele Auswanderer ihren Arbeitsplatz verloren und können so ihren Verwandten in Sierra Leone kein Geld mehr schicken. Hinzu kommen ein Preisanstieg bei den Lebensmitteln und die hohe Arbeitslosenrate bei Jugendlichen. Dies ist besorgniserregend, weil in einem Land, das erst vor kurzem einen Bürgerkrieg beendet hat immer noch die Möglichkeit eines erneuten Kriegsausbruchs besteht. Die vielen arbeitslosen Jugendlichen wären dann die ersten, die von den Milizen rekrutiert werden würden.“
Der Erzbischof von Freetown and Bo ist auch besorgt im Hinblick auf das Phänomen des Drogenhandels, der sich in Westafrika mehr und mehr ausbreitet.
„In den vergangenen Jahren wurde Westafrika zunehmend als Transitregion für südamerikanisches Kokain auf dem Weg nach Europa benutzt“, so Erzbischof Charles. „Vor zwei Jahren wurden 600 Kilo Kokain beschlagnahmt dass auf dem Luftweg aus Lateinamerika auf dem internationalen Flughafen in Freetown gelandet war. Als Mitglieder der Regionalen Bischofskonferenz von Westafrika sind wir besorgt im Hinblick auf dieses Phänomen und zwar nicht so sehr, weil wir glauben, dass unsere Bürger Drogen konsumieren könnten (dafür sind sie zu arm), sondern vielmehr weil die Korruption und damit auch die Gefahr gewaltsamer Konflikte zwischen den Drogenhändlern zunehmen. Der lokale Kokainmarkt ist noch klein, doch des Konsum des im Land angebauten Marijuhana nimmt zu. Die Polizei hat bereits verschiedentlich Ladungen beschlagnahmt, darunter ganze Lastwagenladungen. Vor allem arbeitslose Jugendliche konsumieren die Droge. Doch glücklicher Weise handelt es sich noch nicht um einen nationalen Notstand. Als Hirte macht mir vor allem die hohe Arbeitslosenrate unter Jugendlichen große Sorge“, so Erzbischof abschließend. (LM) (Fidesdienst, 14/09/2010)


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