AFRIKA/MOSAMBIK - Kirchenvertreter zum Fidesdienst: „Die Proteste gingen von der Basis aus und haben alle überrascht“

Donnerstag, 2 September 2010

Maputo (Fidesdienst) – „Es handelt sich um einen spontanen Protest, der alle überrascht hat, sowohl die Behörden als auch die Oppositionsparteien und Gewerkschaften. Denn es hat alles an der Basis begonnen. Mit Kurzmitteilungen (SMS) auf Mobiltelefone wurden die Menschen aufgefordert, sich im Zentrum von Maputo zu einer Protestkundgebung gegen die Preisanstiege zu versammeln“, so ein Beobachter aus Kirchenkreisen (der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben will) aus Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, wo es am gestrigen 1. September zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten gekommen war. Mindestens vier Menschen kamen dabei ums Leben (davon zwei Mädchen, die sich nach der Schule auf dem Nachhauseweg befanden). Dutzende wurden verletzt.
Der Beobachter beschreibt den gestrigen Tag: „Bis 9.30 Uhr geschah nichts Ungewöhnliches im Zentrum von Maputo, der morgendliche Verkehr hatte begonnen und Geschäfte wurden geöffnet. Plötzlich waren die Straßen leer und man hörte den Lärm der am Rande der Protestkundgebung: Sirenen der Polizeiautos, Schüsse, Schreie. Viele nutzten die Verwirrung aus, und plünderten Geschäfte und Einkaufszentren. Die Unruhen dauerten bis zum frühen Nachmittag. Am Abend wurde es wieder still, zumindest in der Hauptstadt“.
„Heute scheint die Lage in Maputo ruhig, doch die Straßen sind leer und die öffentlichen Verkehrsmittel nehmen an einem Streik zum Protest gegen den Anstieg der Preise bei Treibstoff, Strom, Wasser und Brot“, so der Beobachter weiter.
„Die Menschen fragen sich, wie es zu den Preisanstiegen kommen konnte“, so der Kirchenvertreter weiter. „Man wundert sich und versteht nicht, weshalb die die Preise für Strom in Mosambik steigen, wo das Land einen Teil der Stromproduktion sogar exportiert. Auf der anderen Seite wurde der Preisanstieg bei den Benzinpreisen durch die Streichung staatlicher Subventionen verursacht. Durch die Wirtschaftskrise sah sich die Regierung gezwungen, Kosten zu sparen und deshalb wurden auch die Zuschüsse für den Verkauf von Treibstoff gestrichen. Der Preisanstieg ist auch eine Folge des Kursverlusts der einheimischen Währung im Vergleich zum südafrikanischen Rand. In den vergangenen 6 Monaten stieg der Wert des Rand um das zweifache und dies führte zu einem Anstieg der Inflation, da Mosambik viele lebensnotwendige Güter aus Südafrika importiert. Die Überweisungen der Mosambiker, die in Südafrika arbeiten reichen nicht aus, um den Kostenanstieg zu kompensieren“, so der Beobachter abschließend. (LM) (Fidesdienst, 02/09/2010)


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