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Sonderteil

2004-04-06

Die Blutbäder des Kolonialismus in Afrika

Rom (Fidesdienst) - Der europäische Kolonialismus in Afrika ist für mit Völkermorden zusammenhängende Handlungen verantwortlich, die der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt sind. Das bekannteste Beispiel dafür ist der Freistaat Kongo (heute: Demokratische Republik Kongo), ein ehemaliger Privatbesitz von König Leopold II. von Belgien. Auf einem ausgedehnten Staatsgebiet, das damals ebenso reich an Bodenschätzen war wie heute, wurde die gesamte Bevölkerung versklavt und unter unmenschlichen Bedingungen dazu gezwungen Reichtum zu produzieren, der nach Europa ausgeführt wurde. Nach Schätzungen starben zwischen 1885 (dem Jahr, in dem der Freistaat Kongo erstmals international anerkannt wurde) und 1908, als der Staat belgische Kolonie wurde, rund 10 Millionen Menschen starben. Dabei halten viele die geschätzte Zahl von 10 Millionen Toten für untertrieben. Einige sind sogar der Ansicht, dass in dieser Zeit bis zu 20 Millionen Einwohner im Kongo starben.
Bereits damals hatten verschiedene Vertreter aus Kultur und Politik die brutalen Methoden im privaten Besitztum von König Leopold denunziert, darunter auch die Schriftsteller Mark Twain und Joseph Conrad. Ein belgischer Zollbeamter wies darauf hin, dass aus dem Kongo Diamanten, Gold und andere Reichtümer eingeführt wurden, während aus Belgien nur Peitschen, Gewehre und Munition in das afrikanische Land verfrachtet wurden.
Ein weiterer afrikanischer Genozid, der der Öffentlichkeit lange Zeit unbekannt blieb, war der Mord an den Mitgliedern des Herero-Volkes in Namibia während der deutschen Kolonialherrschaft. Das Land im Südwesten Afrikas mit seiner Küste am Atlantischen Ozean befand sich zu jener Zeit unter deutscher Kolonialherrschaft, als in den Jahren von 1904 bis 1915 über 80.000 Herero von den Truppen unter Leitung von Generla Lothar von Trotha ermordet wurden. Die Methoden waren besonders grausam. Das Volk wurde von den Deutschen in die Omaheke-Wüste getrieben, wo zuvor die Brunnen vergiftet worden waren. Die Soldaten hatten den Befehl, alle zu töten - egal ob Frauen, Männer oder Kinder - die versuchten, das Wüstengebiet zu verlassen.
Dies sind nur zwei Beispiele dafür, wie das „zivile Europa“ in afrikanischen Ländern Völkermorde verübten und sie zeigen, wie der Rassismus, der zunächst ins Ausland exportiert wurde, später auch die europäische Geschichte beeinträchtigte und es zu jener unermesslichen Tragödie der Schoah kommen konnte, bei der über 6 Millionen Menschen starben.
Der europäische Kolonialismus ist auch für den Sklavenhandel von Afrika nach Amerika verantwortlich. Es gibt keine genauen Angaben darüber, wie viele Menschen aus ihrer Heimat in Ketten gelegt, in die „Neue Welt“ ausreisen mussten. Einige Quellen beziffern die Zahl der in den drei Jahrhunderten von 1550 bis 1850 versklavten Afrikanern mit rund 100 Millionen; vorsichtigere Schätzungen sprechen von 20-30 Millionen. Es wird außerdem angenommen, dass nur rund 30% der Sklaven lebend am Ziel ankamen.
Diese Sklaven sollten ein Volk ersetzen, dass zuvor ausgelöscht worden war, nämlich die Indianer Amerikas. Im Laufe von vier Jahrhunderten wurde die Zahl der Indianer in dem Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten und Kanada von rund 10 Millionen auf 237.000 reduziert, die zumeist in so genannten „Reservoirs“ leben. Auch dies war ein von Europäern verübter Völkermord, der von niemand als solcher betrachtet wurde. Nur die Katholische Kirche erhob ihre Stimme gegen dieses Verbrechen. Jesuiten und Dominikaner gründeten sogar Staaten, in denen die Indianer Zuflucht fanden und als freie Menschen leben konnten. Die Geschichte davon ist Gegenstand des Films „Mission“. Leider konnte der Kolonialismus jedoch nicht dulden, dass eine Solche Anomalie fortdauerte. Die freien Staaten, die von den Missionaren im Geist des Evangeliums gegründet worden waren, wurden zerstört. (LM) (Fidesdienst, 6/4/2004 - Zeilen, Worte)

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