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Africa

2004-03-05

AFRIKA/ZENTRALAFRIKANISCHE REPUBLIK - Nach Studentenprotesten und der Ankunft des zurückgetretenen haitianischen Präsidenten Aristide ist die Lage im Land angespannt

Bangui (Fidesdienst) - „Im Abstand von zwei bis drei Monaten kommt es regelmäßig zu Protesten von Studenten und Professoren im Zusammenhang mit den Forderungen nach Auszahlung von Stipendien und Gehältern“, so Beobachter aus Kreisen der Ortskirche in Bangui, Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, wo es am gestrigen 4. März zu Auseinandersetzung zwischen demonstrierenden Studenten und Sicherheitskräften gekommen war. „Im Vergleich zu früheren Protestkundgebungen kam es bei der gestrigen Demonstration zu mehr Gewalt. Die Studenten haben mit Steinen geschmissen und die Polizei setzte Tränengas ein. Doch heute hat sich die Situation wieder beruhigt“, so die Beobachter. „Diese ständigen Demonstrationen beeinträchtigen jedoch das Unterrichtsgeschehen an den Universitäten, denn die Vorlesungen finden nur sehr unregelmäßig statt. Bisher ist die Regierung nicht auf die Forderungen der Studenten eingegangen“.
„Damit eine Lösung gefunden werden kann muss eine Revision des gesamten Systems der Vergabe von Stipendien stattfinden. Diese Stipendien werden nicht immer auf transparente Art und Weise vergeben. Außerdem liegt der Zweck der Vergabe solcher Stipendien in der Ausbildung von staatlichen Beamten. Die Studenten, die ein Stipendium erhalten müssen sich verpflichten, mindestens fünf Jahre für den Staat zu arbeiten. Dabei bereiten sich die Studenten auf Aufgaben vor, die gar nicht mehr existieren. Deshalb sollte das gesamte System der staatlichen Studienförderung überarbeitet werden, damit gute Studenten, die nicht über ausreichende Mittel Verfügen in den Genuss von Stipendien kommen.“
Unterdessen wächst im Land auch die Spannung nach der Ankunft des zurückgetretenen haitianischen Präsidenten Aristide, der zum Verlassen der Karibikinsel gezwungen wurde und sich nun in Bangui aufhält. „Der ehemaligen zentralafrikanische Präsident Patassé hat aus dem Ausland , wo er im Exil lebt, verlautbaren lassen, dass er und Aristide Opfer desselben Komplotts der Großmächte seien“, so die Beobachter im Gespräch mit dem Fidesdienst. „Glücklicherweise hat Patassé keine Anhänger mehr im Land, weshalb durch seine Äußerungen keine besonderen Probleme entstanden. Die Anwesenheit von Aristide führte jedoch zu einer Debatte über die internationale Zusammenarbeit der Zentralafrikanischen Republik, dessen gegenwärtiger Präsident Bozizé durch einen Staatsstreich an die Macht gelangte“. Am 15. März 2003 war der ehemalige Präsident Patassé gestürzt worden, nachdem die Einheiten unter Leitung des gegenwärtigen Präsidenten Bozizé die Hauptstadt eingenommen hatten. Das Land leidet immer noch unter den Folgen eines monatelangen Bürgerkriegs bei dem auch zahlreiche katholische Missionen zerstört wurden und sich Missionare zur Flucht an sichere Orte gezwungen sahen. Gegenwärtig versuch die Kirche ihre Einrichtungen wieder betriebsfähig zu machen und die pastorale und humanitäre Arbeit insbesondere in den vom Bürgerkrieg besonders betroffenen Gebieten im Norden des Landes wieder aufzunehmen. (LM) (Fidesdienst, 5/3/2004 - 39 Zeilen, 431 Worte)

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