OFM Conv
von Paolo Affatato
Taschkent (Fides) – Zwei neue Pfarreien in einem mehrheitlich muslimischen Land und eine kleine katholische Gemeinde, die still und leise Schritt für Schritt wächst. In Usbekistan ist die katholische Kirche zahlenmäßig zwar gering, kann aber durch persönliche Beziehungen, das Zeugnis der Gläubigen und die Begegnung mit Menschen, die einen Ort suchen, an dem sie beten und sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen können, weiterhin Wurzeln schlagen. „Manchmal gründen wir eine neue Pfarrei mit drei, vier, fünf Menschen.
Mit diesem kleinen Keim fängt es an“, berichtet Bischof Jerzy Maculewicz OFM Conv, Konventualfranziskaner und Apostolischer Administrator von Usbekistan, gegenüber Fides. „Wir tun es wie die Apostel, wie wir in der Heiligen Schrift lesen: Man fängt klein an, aber man fängt an, und der Herr leitet unsere Schritte.“
In den letzten zwei Jahren, so berichtet er, wurden im Land zwei neue Pfarreien eröffnet: eine ist der Göttlichen Barmherzigkeit geweiht, die andere dem Heiligen Josef. Für den Bischof sind diese neuen kirchlichen Gemeinschaften ein Zeichen für einen Wandel im Land. Eine davon befindet sich in Angren, etwa 90 Kilometer von der Hauptstadt Taschkent entfernt. „In dieser neuen Pfarrei gibt es etwas mehr als zwanzig Gläubige, zwei Drittel davon sind Kinder. Es ist der Beginn einer neuen kirchlichen Realität an einem Ort, an dem wir zuvor nicht vertreten waren.“
Auf einem Weg, der von kleinen Zahlen geprägt ist, zeigt sich das Wachstum erst im Laufe der Zeit: „Als polnischer Priester bin ich seit einundzwanzig Jahren in Usbekistan. Ich kann sagen, dass meine Geschichte mit der des heiligen Johannes Paul II. verbunden ist: Die Errichtung der Apostolischen Administration und meine Ernennung gehen auf den 1. April 2005 zurück, den Tag vor dem Tod des Papstes. Ich war einer der letzten Bischöfe, die von ihm ernannt wurden.“ Als es darum ging, einen Schutzpatron für die Apostolische Administration zu wählen, schlug die Gemeinde gerade den heiligen Johannes Paul II. vor, erinnert sich Maculewicz, auch weil es in diesem Land keine lokalen Märtyrer gab, die als Schutzpatrone in Frage gekommen wären.
Bei seiner Ankunft gab es fünf Pfarreien, die der Seelsorge der Franziskaner-Konventualen anvertraut waren. Tatsächlich hatte Johannes Paul II. 1997 dem Orden der Minoriten-Konventualen die Aufgabe übertragen, die Strukturen der katholischen Kirche im Land auszubauen. Seitdem hat sich der Weg in einem sozialen und institutionellen Kontext fortgesetzt, der nach Ansicht des Bischofs bedeutende Veränderungen erfahren hat.
„Als ich während der Präsidentschaft von Islam Karimov ankam, war die Lage für alle Religionen, Muslime wie Christen, etwas schwierig. Beispielsweise war es Jugendlichen und Kindern verboten, Moscheen oder Kirchen zu besuchen“, erinnert er sich. „Mit dem zweiten und derzeitigen Präsidenten Usbekistans, Shavkat Mirziyoyev (der 2016 an die Macht kam, Anm. d. Red.), hat sich das Land geöffnet, vor allem für Touristen und auch für Pilger, und wir als katholische Kirche haben die Möglichkeit erhalten, ruhiger und freier zu arbeiten.“ Die Eröffnung von zwei neuen Pfarreien in den letzten Jahren – so betont er – „ist eines der konkreten Zeichen dieses Wandels“.
Die Gesetzgebung folgte einer schrittweisen Liberalisierung und einer Lockerung der staatlichen Kontrollen über die Glaubensgemeinschaften, die in den neuen Vorschriften von 2021 und 2025 gipfelten. Das jüngste Gesetz zieht eine Trennung zwischen Staat und Religion, um sicherzustellen, dass den Bürgern kein Glaubensbekenntnis aufgezwungen werden kann, und verbessert den rechtlichen Schutz religiöser Minderheiten (vor allem Christen verschiedener Konfessionen) in einem Land mit einer großen muslimischen Mehrheit.
Eine kleine Kirche auf dem Weg
Die katholische Kirche in Usbekistan zählt etwa 4.000 Katholiken (bei 39 Millionen Einwohnern), mit etwa zehn Priestern (Diözesan- und Ordenspriestern), etwa 15 Ordensschwestern und ebenso vielen Katecheten. Die einzige katholische kirchliche Einheit des Landes ist die Apostolische Administration von Usbekistan mit Sitz in der Hauptstadt Taschkent, wo sich die Kathedrale des Heiligsten Herzens Jesu befindet. Es handelt sich um eine kleine Gemeinde in einem weitläufigen Gebiet, „in dem“, so der Bischof, „wir derzeit das Phänomen beobachten, dass Ausländer aus Studien- oder Arbeitsgründen ins Land kommen. Darunter sind zahlreiche Studenten aus Indien, die gekommen sind, um ein Medizinstudium zu absolvieren. Einige von ihnen sind Katholiken des orientalischen Ritus, andere gehören protestantischen Gemeinschaften an oder sind gar nicht christlich. Diese“, so der Bischof, „suchen den Kontakt zu den katholischen Pfarreien, um gemeinsam zu beten“.
„Es ist interessant: Sie wollen gerade bei uns sein, sie suchen ein Gemeinschaftsgefühl, den Wunsch, mit jemandem zusammen zu sein, um Freundschaft, Spiritualität und Glauben zu teilen“, bemerkt er. Es ist eine Erfahrung, die zeigt, „wie die Pfarrei zu einem Ort der Begegnung auch für Menschen werden kann, die nicht derselben Religionszugehörigkeit angehören, aber das Bedürfnis nach einer Beziehung und einem spirituellen Raum verspüren“.
Das Wachstum der Kirche, betont Maculewicz jedoch, zeigt sich in einer Veränderung, die sich im Laufe der Jahre in der Zusammensetzung der Gemeinschaften vollzogen hat: „Früher kamen diejenigen, die um die Taufe baten, aus Familien, in denen oft ein Familienmitglied den katholischen Glauben angenommen hatte. Vielleicht wurde eine Mutter katholisch, oder ein Kind oder ein Vater, aber es gab keine ganzen Familien.“
Heute hingegen zeigen sich allmählich die Früchte eines längeren Weges: „Es gibt junge Katholiken, die geheiratet haben und bereits Kinder haben. Wir haben katholische Familien und Kinder, die von klein auf katholisch sind. Früher waren es nur sehr wenige.“ Es ist ein schrittweiser Wandel, den der Bischof mit Dankbarkeit beobachtet: „In zwanzig Jahren sehe ich den Weg dieser Kirche. Es sind keine großen Zahlen, aber es gibt persönliche Kontakte, Beziehungen und persönliche Zeugnisse. Wir sehen, dass jeder Einzelne, der sich uns nähert, einen persönlichen Ruf Gottes erhalten hat.“
Jedes Jahr begleitet die Gemeinde neue Taufkandidaten. In Taschkent wurden in der Osternacht 2026 etwa zehn Menschen getauft, darunter auch Kinder. Die Vorbereitung der Erwachsenen erfolgt sorgfältig: „Wir bereiten die Menschen in einem anderthalbjährigen Prozess auf die Taufe vor. Es gibt auch Gläubige, die bereits in anderen christlichen Kirchen getauft wurden: In diesem Fall begleiten wir ihren Eintritt in die katholische Kirche durch das Glaubensbekenntnis und erkennen dabei die Gültigkeit der bereits empfangenen Taufe an.“
Das Leben der Gemeinde ist auch von der Mobilität der Bevölkerung geprägt. Usbekistan hat in den letzten zwanzig Jahren ein starkes Bevölkerungswachstum erlebt, und viele junge Menschen verlassen das Land auf der Suche nach Studien- und Arbeitsmöglichkeiten im Ausland. „Viele Menschen gehen weg, um ein besseres Leben für sich und ihre Kinder zu suchen: Sie gehen nach Europa, nach Korea, in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Amerika, in verschiedene Länder. Auch viele unserer Katholiken sind weggegangen.“
Der Dialog entsteht aus dem täglichen Leben
In einer mehrheitlich muslimischen Gesellschaft entwickelt sich die katholische Präsenz durch gutnachbarschaftliche Beziehungen und Formen des Zusammenlebens, die der Bischof als wertvolle Ressource betrachtet: „Wir haben gute Beziehungen zu den Muslimen. In Usbekistan herrscht eine Toleranz, die meiner Meinung nach alte Wurzeln hat, die bis in die Zeit der Seidenstraße zurückreichen. Damals gab es nicht nur einen Austausch materieller Güter, sondern auch von Kulturen und Religionen.“
Das Land, so Maculewicz, wird von Menschen aus über 120 verschiedenen Nationalitäten bewohnt. Diese Vielfalt trägt dazu bei, Begegnungsmöglichkeiten zwischen verschiedenen religiösen Traditionen zu schaffen. Der Bischof erinnert sich an eine Begebenheit in Samarkand: „Einmal saß ich in einem Taxi, und der muslimische Fahrer erzählte mir, dass seine Nachbarn ein Jude und ein Christ seien. Er sagte mir, dass sie die verschiedenen religiösen Feiertage gemeinsam begingen: Muslime, Christen und Juden. Das zeigt, wie selbstverständlich Toleranz sein kann.“
Auch die alltägliche Gastfreundschaft ist eine offene Tür zum Dialog: „Die Usbeken sind sehr offen und interessieren sich für andere. Wenn sie jemanden in Not sehen, helfen sie großzügig. Wenn sie dich zum ersten Mal sehen, laden sie dich vielleicht zu sich nach Hause ein und bieten dir einen Tee an.“ Für viele Menschen, fügt er hinzu, „ist es vor allem wichtig zu wissen, dass der Gesprächspartner an Gott glaubt“, mehr noch als seine konfessionelle Zugehörigkeit zu kennen.
„Es besteht eine Offenheit für das Transzendente. Deshalb ist der Segen etwas Wichtiges: Ich segne immer die Menschen, denen ich begegne. Wenn ein Mann Gottes kommt, ganz gleich, welchem Glauben er angehört, wird dies als etwas Wertvolles wahrgenommen.“ Diese Bereitschaft zur Begegnung kann nach Ansicht des Bischofs vertrauensvolle Beziehungen und Gelegenheiten zum christlichen Zeugnis fördern.
Der Dialog kommt auch in den Beziehungen zu den Institutionen zum Ausdruck. In Usbekistan gibt es einen staatlichen Ausschuss für religiöse Angelegenheiten, dem ein Rat angegliedert ist, in dem Vertreter der verschiedenen anerkannten Religionsgemeinschaften zusammenkommen. Maculewicz nimmt dort gemeinsam mit Vertretern der orthodoxen Kirche, der armenischen und lutherischen Gemeinschaften sowie anderer religiöser Gruppen teil: „Es ist ein Ort, an dem wir Ideen austauschen und der Regierung unsere Meinung mitteilen können“, erklärt er. „Als das Gesetz über die Registrierung neuer religiöser Organisationen geändert wurde, wurden wir ebenfalls gebeten, Stellung zu nehmen. Wir haben einige Vorschläge gemacht, die berücksichtigt wurden, und einige Punkte wurden geändert. Ich halte das für eine positive Entwicklung.“
Die Mission aller GetauftenIm Oktober, dem Monat der Mission, erinnert der Bischof an die missionarische Berufung, die jedem Christen eigen ist: „Ich möchte die Worte des heiligen Franz Xaver wiederholen: Wir müssen stets einen missionarischen Geist haben, in jedem Augenblick, in jeder Geste unseres Lebens. Jesus hat uns gesandt, hinauszugehen und allen Völkern das Evangelium zu verkünden. Er hat alle Getauften gesandt, nicht nur die Priester und Ordensleute, sondern auch die Laien.“In Usbekistan nimmt diese Mission die unauffällige Form der persönlichen Begegnung, der Gastfreundschaft und des Zeugnisses an: „Als Katholiken sind wir präsent, knüpfen Beziehungen, begleiten diejenigen, die sich dem Glauben nähern, und bieten einen Ort des Gebets für diejenigen, die eine Gemeinschaft suchen.“
Aus dieser Erfahrung entspringt auch das Wort der Hoffnung, das Maculewicz verwendet, wenn er über die Zukunft der Kirche in diesem zentralasiatischen Land nachdenkt. Der Bischof greift auf die evangelischen Bilder von Salz und Hefe zurück: „Ich denke an die Worte Jesu, wenn er uns sagt, dass wir das Salz der Welt und der Sauerteig für die Welt sind.Schon wenig Salz reicht aus, um Speisen zu würzen, und schon ein bisschen Sauerteig reicht aus, um den Teig aufgehen zu lassen. Davon lassen wir uns inspirieren, wenn wir darüber nachdenken, was wir, die kleine Herde der Katholiken in Usbekistan, tun können, um den Geschmack zu verändern und dieser Nation Würze zu verleihen.“
Die Antwort liegt in der Bereitschaft, auf Gott zu hören und seinem Willen zu folgen: „Ich glaube, dass der Herr einen Plan für uns hat. Es liegt an uns, auf seine Stimme zu hören, seinem Willen zu folgen und seinen Plan für dieses Land und dieses Volk zu verwirklichen.“
(Fides, 21/10/2026)
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