Missionari Comboniani
von Paolo Affatato
Rom (Fides) – In einer Nacht im Jahr 1988 wurden im Stadtteil Parque Santa Madalena am östlichen Stadtrand von São Paulo in Brasilien mehrere Jugendliche getötet.
Der Comboni-Missionar Pater Luigi Codianni, der damals in diesem Viertel wohnte, sah sich mit einer Gewalt konfrontiert, die sein Leben tief prägen sollte. An diesem Ort, einer großen Favela, die vom Drogenhandel und der Schutzlosigkeit vieler Kinder und Jugendlicher geprägt war, bekam die Mission für ihn eine noch konkretere Bedeutung: auf der Seite derer zu stehen, die Gefahr liefen, im Stich gelassen zu werden, ihr Leben zu teilen und ihre Würde zu verteidigen.
Heute ist Pater Codianni, 62 Jahre alt, Generaloberer der Comboni-Missionare und erkennt in dieser Erfahrung eine jener Wunden, die sich in eine Berufung verwandeln können. „Angesichts dieser Gewalt und des Todes jener Jugendlichen spürte ich noch stärker die Dringlichkeit, auf der Seite der schutzbedürftigsten Kinder und Jugendlichen zu stehen, jener, die die Gesellschaft oft als ein Problem betrachtet, das es zu beseitigen gilt, anstatt als Menschen, die es anzunehmen, zu schützen und zu lieben gilt.“
Dieses Ereignis trug entscheidend dazu bei, seine Entscheidung zu prägen, sich für Straßenkinder einzusetzen. Es reichte nicht aus, die Gewalt lediglich anzuprangern: Es galt, das Leben dieser Jugendlichen zu teilen, mit ihnen zu gehen, ihnen zuzuhören. „Ich spürte, dass ich versuchen musste, ihnen Würde, Hoffnung und eine Zukunft zurückzugeben“, erzählt er der Agentur Fides. Die damals gereifte Überzeugung ist bis heute im Mittelpunkt seiner missionarischen Vision geblieben: Diese Jugendlichen „mussten nicht verurteilt oder weggeschickt werden, sondern brauchten jemanden, der bereit war, ihnen zur Seite zu stehen, ihre Menschlichkeit anzuerkennen und an sie zu glauben, auch wenn niemand sonst dies zu tun schien“.
Aus dieser Nacht entstand eine Überzeugung, die sich durch sein gesamtes Nachdenken über die Mission zieht: „Noch bevor man von Gott spricht, muss man diesen Jugendlichen das Gefühl geben, dass ihr Leben einen Wert hat, dass sie nicht ‚unsichtbar‘ sind, dass jemand an sie glaubt.“ Das christliche Wort, erklärt er, drückt sich in konkreter Nähe aus, in einer Beziehung der Liebe: „Die Nächstenliebe ersetzt nicht die Verkündigung, sondern verleiht ihr Glaubwürdigkeit; die Verkündigung ersetzt nicht die Nächstenliebe, sondern gibt ihr das Fundament.“
Von der „Geografie“ zur „Kultur“ der Mission
Die brasilianische Erfahrung hilft auch dabei, zu verstehen, wie Pater Codianni die Mission der Kirche in der heutigen Welt betrachtet. Der Weltmissionssonntag, der 2026 sein hundertjähriges Jubiläum feiert, bietet die Gelegenheit, ein Jahrhundert des Wandels zu überdenken, ohne dabei den wesentlichen Kern der missionarischen Berufung aus den Augen zu verlieren: „In hundert Jahren hat sich der Kern der Mission sicherlich nicht verändert: Die Kirche ist weiterhin dazu berufen, Jesus Christus zu verkünden und von seiner Liebe Zeugnis abzulegen. Was sich jedoch verändert hat, ist die Art und Weise, wie wir die Mission verstehen und leben.“
„Lange Zeit“, erinnert er sich, „wurde die Mission vor allem als eine Bewegung betrachtet, die von Europa ausging, um andere Kontinente zu erreichen.
Das Zweite Vatikanische Konzil hat dieser Perspektive eine Wende gegeben und eine Vision bekräftigt, in der alle Kirchen dazu berufen sind, zu geben und zu empfangen. Ein Weg, der durch die Lehre von Paul VI. mit „Evangelii nuntiandi“, von Johannes Paul II. mit „Redemptoris missio“ und von Papst Franziskus mit „Evangelii gaudium“ und der Einladung zu einer ‚Kirche im Aufbruch‘ weiterentwickelt wurde.“
„Man könnte sagen, dass wir von der ‚Geografie der Mission‘ zur ‚Kultur der Mission‘ übergegangen sind“, bemerkt der Obere der Comboni-Missionare. „Die Mission ist nicht mehr ‚etwas, das an fernen Orten geschieht‘, sondern sie ist der eigentliche Daseinsgrund der Kirche, überall auf der Welt.“Auch die missio ad gentes behält ihre ganze Aktualität, nimmt jedoch neue Formen an. Die Entfernung vom Evangelium lässt sich nicht nur in Kilometern messen: Sie kann sich in derselben Stadt, in derselben Diözese, in derselben Pfarrei oder sogar innerhalb einer Familie zeigen: „Für mich bedeutet ‚ad gentes‘ vor allem, auf diejenigen zuzugehen, die das Evangelium noch nicht kennen, auf diejenigen, die fern sind, auf diejenigen, die ausgegrenzt sind, auf diejenigen, die keinen Platz in der Gesellschaft finden, und auch auf diejenigen, die glauben, nichts mehr zu haben, worauf sie hoffen können“, bekräftigt er.
Die Mission ist also „ein Hingehen auf den anderen zu, besonders dort, wo Kriege, Migration, Armut, Einsamkeit, Ausgrenzung und Sinnverlust die Würde des Menschen verletzen“. Zu den schmerzhaftesten Situationen zählt Pater Codianni die von Kindern und Jugendlichen, die in heruntergekommenen und gewalttätigen Verhältnissen aufwachsen, denen jegliche Chancen vorenthalten werden, bis sie schließlich davon überzeugt sind, zum Scheitern verurteilt zu sein: „Ich glaube, dass heute eine der größten und schwerwiegendsten ‚existentiellen peripheren Situationen‘“, so sagt er, „gerade die der Jugendlichen ist, denen die Hoffnung geraubt wird.“
Die missionarische Antwort ist kein gelegentlicher Einsatz, sondern wird zu „einer Präsenz, die auch ohne viele Worte vermitteln kann, dass niemand verlassen ist. Der Missionar“, so Codianni, „sagt: Du bist mir wichtig, du liegst mir am Herzen! Dein Leben hat eine angeborene Würde. Gott hat dich nicht vergessen.“
Eine Kirche, die hinausgeht und sich missionieren lässt
Diese Perspektive richtet sich direkt an die christlichen Gemeinschaften: „Der Weltmissionssonntag darf nicht nur ein jährlicher Termin sein, um Spenden für die Missionen zu sammeln, sondern ist eine Gelegenheit zu prüfen, inwieweit die Pfarreien wirklich offen sind für diejenigen, die am Rande stehen, für junge Menschen, für die Armen, für Migranten, für alle, die ein Wort des Trostes brauchen“, bemerkt er.
„Ich glaube, wir müssen die Vorstellung einer Kirche, die ‚Missionare hat‘, überwinden und die Kirche als ‚von Natur aus missionarisch‘ betrachten“, bekräftigt der Comboni-Missionar. „Eine Gemeinschaft wird missionarisch“, fährt er fort, „wenn sie sich nicht darauf beschränkt, darauf zu warten, dass andere zu ihr kommen, sondern sich dafür entscheidet, hinauszugehen, Menschen zu begegnen, ihnen zuzuhören und sie zu begleiten. Die Mission ist nicht mehr eine Aufgabe, die einige für die vielen Fernstehenden übernehmen, sondern etwas, das die gesamte Gemeinschaft immer und überall zu leben berufen ist.“
„Hinausgehen“ bedeutet auch, sich von verschiedenen Menschen und Kulturen begegnen zu lassen und anzuerkennen, dass die Mission nicht nur in eine Richtung verläuft: „Lange Zeit“, erinnert sich der Generalobere, „herrschte ein Modell vor, in dem einige Kirchen gaben und andere empfingen. Diese Unterscheidung funktioniert nicht mehr. Alle Kirchen sind dazu aufgerufen, zu geben und zu empfangen.“
Die afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Missionare, die nach Europa kommen, bringen nicht nur Fachkenntnisse und Dienstbereitschaft mit, „sondern auch ihren eigenen Glauben, ihre Spiritualität, ihre Kultur und ihre Art, Gemeinschaft zu leben. Das Comboni-Charisma selbst ist immer universeller, multinationaler und multikultureller geworden, ganz im Einklang mit dem Wunsch des heiligen Daniele Comboni nach einem authentisch katholischen, also universellen Institut, das nicht an eine einzige Nation gebunden ist“, betont er. „Brüderlichkeit“, fügt er hinzu, „bedeutet hier nicht, Unterschiede zu beseitigen, sondern zu lernen, mit den Unterschieden zu leben und sie zu schätzen, ohne zuzulassen, dass sie zu Spaltungen werden.
Einheit bedeutet nicht, dass alle gleich sind, sondern zu lernen, einander in der Verschiedenheit zu lieben.“ Die gleiche Logik gilt für den interreligiösen Dialog: Dialog bedeutet nicht, den eigenen Glauben aufzugeben, sondern „im anderen einen Menschen anzuerkennen, mit dem man Beziehungen des Respekts, des Kennenlernens und der Zusammenarbeit aufbauen kann“. Frieden, der Dienst an den Armen, die Förderung der Jugend und die Verteidigung der Menschenwürde, erinnert er, sind Bereiche, in denen Gläubige verschiedener Religionen zusammenarbeiten können: „Der Andere, der sich von mir unterscheidet, ist kein Hindernis für die Mission, sondern ein Mensch, dem man begegnen soll. Und wenn man ihm wirklich begegnet, entdeckt man, dass er einem etwas beibringen kann.“
Zum Weltmissionssonntag am 18. Oktober, den der Generalobere in Italien mit Veranstaltungen zur Sensibilisierung und Verkündigung verbringt, bringt Pater Codianni die Erfahrungen und Gesichter mit, denen er im Laufe der Jahre durch seine Leitungsaufgabe im Institut und bei Besuchen in den verschiedenen Missionsgebieten begegnet ist. Die Feier ist „eine Gelegenheit, daran zu erinnern, dass die Mission nicht der Vergangenheit angehört und nicht nur ferne Länder betrifft: Sie setzt sich überall dort fort, wo eine christliche Gemeinschaft Begegnung, Brüderlichkeit und Hoffnung zu schaffen vermag“.
Heute gibt es weltweit etwa 1.450 Comboni-Missionare, darunter Priester und Brüder, die in über 40 Ländern auf vier Kontinenten vertreten sind: Afrika, Amerika, Asien und Europa. Ihr Engagement reicht von der Erstverkündigung des Evangeliums über die Ausbildung, Bildung und Gesundheitsversorgung bis hin zur Förderung der menschlichen Entwicklung, zu Gerechtigkeit und Frieden, zur integralen Ökologie und zur Kommunikation. Ein missionarischer Dienst, der im Sinne des Charismas des heiligen Daniele Comboni die Verkündigung des Evangeliums mit der konkreten Nähe zu den Völkern verbindet, insbesondere zu den Schwächsten und Verlassensten.
(Fides, 15/10/2026)