Algier (Fides) – „Der Herr hat mich an die Hand genommen, und ich bin ihm blindlings gefolgt.“ Mit diesen Worten, die das Wesen eines ganz dem Evangelium gewidmeten Lebens zusammenfassen, hat Diego Sarrió Cucarella, Bischof von Laghouat-Ghardaïa, einen eindringlichen neuen Hirtenbrief veröffentlicht. Er trägt den Titel „Marcher à la suite du Christ“ (In der Nachfolge Christi gehen).
Der im Herzen der algerischen Sahara veröffentlichte Brief erinnert an den fünften Jahrestag der Anerkennung der heroischen Tugenden der ehrwürdigen Kleinen Schwester Magdeleine von Jesus. Sie ist die Gründerin der Kleinen Schwestern von Jesus. Die Anerkennung erfolgte am 13. Oktober 2021.
Magdeleine wurde 1898 in Paris als Élisabeth Marie Magdeleine Hutin geboren. Mit ihrem Charisma der universalen Geschwisterlichkeit und ihrer radikalen Nähe zu den Ärmsten und zur muslimischen Welt prägte sie die Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts. Ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu ihrer Seligsprechung erfolgte vor fünf Jahren: Papst Franziskus genehmigte die Veröffentlichung des Dekrets über ihre heroischen Tugenden. Damit wurde die außergewöhnliche Intensität ihres geistlichen Zeugnisses bestätigt.
Die Beziehung hat Vorrang vor pastoraler Effizienz
Im Mittelpunkt der Überlegungen von Bischof Sarrió Cucarella steht eine grundlegende Erkenntnis, die auch die Kirche von heute herausfordert: Die wahre Ergiebigkeit der Mission hängt nicht von vermeintlich messbarer Effizienz, geschäftigem Aktionismus oder erfolgsorientierten Strategien ab. Entscheidend sind vielmehr die Begegnung mit Christus und die tiefe Gemeinschaft mit ihm.
In seinem Hirtenbrief erinnert der Bischof von Laghouat-Ghardaïa daran, dass die Kleine Schwester Magdeleine dies schon zu Beginn ihres Wirkens in der algerischen Wüste verstand. In Sidi Boujnan bei Touggourt entstand 1939 die erste Gemeinschaft. Magdeleine erkannte, dass der Herr sie nicht dazu berief, ein großes Werk nachzubilden oder sich mit menschlicher Macht durchzusetzen. Vielmehr sollte sie zulassen, dass das Evangelium durch Stille, Gebet und das Teilen des Alltagslebens Frucht bringt.
In einer Zeit, die Geschwindigkeit, Produktivität und messbare Ergebnisse hochhält, führt uns das Zeugnis der Ehrwürdigen zurück in die Schule von Bethlehem und Nazareth.
In Bethlehem wählt Gott die Kleinheit und Verletzlichkeit eines Kindes, um sein Heil zu offenbaren. So lehrt er uns, dass christliche Stärke in der sich verschenkenden Liebe liegt und nicht im Anspruch, die Wirklichkeit zu beherrschen.
In Nazareth teilt der Sohn Gottes über viele Jahre das gewöhnliche, verborgene Leben der Menschen. Daraus erwächst das Charisma der Kleinen Schwestern: Die Präsenz kommt vor dem Handeln, das Zuhören vor der Verkündigung und die geschwisterliche Liebe vor jedem pastoralen Vorhaben.
Auf den Spuren Charles de Foucaulds in der Sahara
Der Hirtenbrief beleuchtet die unauflösliche geistliche Verbindung zwischen der Kleinen Schwester Magdeleine und dem heiligen Charles de Foucauld. Die beiden sind sich nie persönlich begegnet, da Bruder Charles bereits 1916 starb. Doch die junge Magdeleine erkannte in seinen Schriften das Ideal des Evangeliums, das in ihrem Herzen brannte. Sie hatte diese Schriften durch das Buch „Charles de Foucauld, explorateur du Maroc, ermite au Sahara“ (Charles de Foucauld, Marokko-Forscher und Einsiedler in der Sahara) von René Bazin aus dem Jahr 1921 kennengelernt.
Wie das Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, um reiche Frucht zu bringen, hinterließ Charles de Foucauld keine großen, leistungsfähigen Strukturen. Sein Vermächtnis war vielmehr ein Zeugnis radikaler Hingabe an Gott, das in seinem bekannten Gebet der Hingabe Ausdruck findet.
Anknüpfend an dieses geistliche Erbe betont Bischof Cucarella, dass die Kirche in der Sahara ihre Lebendigkeit nicht an Machtansprüchen oder weltlichen Effizienzkriterien messen darf. Das gilt auch dann, wenn sie zahlenmäßig klein ist und in einem Land mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit wirkt.
Die Mission erfüllt sich, indem Christen ihren Mitmenschen nahekommen und echte Freundschaft sowie gegenseitigen Respekt wachsen lassen. Maßgeblich ist dabei das Beispiel Jesu, der sich entschied, mitten unter den Menschen zu leben.
Eine Freude, die in der Wüste erblüht
Diese Perspektive findet ihre Vollendung in der christlichen Freude. Die Kleine Schwester Magdeleine bezeugte sie durch das Leuchten ihres Gesichts und ihr Lächeln. Es ist eine Freude, die nicht oberflächlich ist und weder Prüfungen noch Einsamkeit ausblendet. Sie entspringt vielmehr der Erfahrung, dass der Herr seinen Jüngern stets vorausgeht.
Zum fünften Jahrestag der Anerkennung ihrer heroischen Tugenden orientiert sich die Diözese Laghouat-Ghardaïa erneut am Zeugnis der Ehrwürdigen. Sie will so neu entdecken, dass die Nachfolge Christi zu einer Haltung echter Demut und Fügsamkeit führt: sich den Händen des Vaters anzuvertrauen.
„Dieu m'a prise par la main et, aveuglément, j'ai suivi“ – „Gott hat mich an die Hand genommen, und ich bin ihm blindlings gefolgt.“
Dieses blinde Vertrauen bedeutet nicht, auf innere Freiheit oder die Fähigkeit zur Unterscheidung zu verzichten. Es bezeichnet vielmehr eine Haltung, die Welt und Wirklichkeit mit einem vom Glauben erleuchteten Verstand zu betrachten. Wer sich dem Willen Gottes anvertraut, erkennt darin den Weg, durch den das Leben die reichste Frucht hervorbringt.
Diese Botschaft geht vom Sand der Sahara aus und erhellt weiterhin den Weg der Weltkirche.
(MLK) (Fides 14/10/2026)