Hundert Jahre nach der Weihe der ersten sechs chinesischen Bischöfe der Neuzeit am 28. Oktober 1926 widmet der Fidesdienst eine Reihe dokumentarischer Beiträge diesen Nachfolgern der Apostel und ihren Diözesen. Im Mittelpunkt steht jenes für den Weg der katholischen Kirche in China entscheidende Ereignis.
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von Prof. Liu Zhiqing
Puchi (Fides) – Die Apostolische Präfektur Puchi (蒲圻) war die erste kirchliche Verwaltungseinheit der katholischen Kirche in China, die einem chinesischen Geistlichen zur Leitung anvertraut wurde. Sie wurde am 12. Dezember 1923 errichtet. Ihr erster Bischof, Odorico Cheng Hede (成和德), gehörte zu den sechs chinesischen Bischöfen, die Papst Pius XI. am 28. Oktober 1926 im Petersdom in Rom weihte. Bereits zuvor war Cheng Hede am 21. März 1924 zum Apostolischen Präfekten ernannt worden; am 24. Juni 1926 hatte ihn der Papst zum designierten Bischof ernannt.
1. Geschichte der Diözese
1922, kurz nach seiner Ankunft in China als erster Apostolischer Delegat, begann Erzbischof Celso Costantini, sich intensiv für die Errichtung kirchlicher Verwaltungseinheiten einzusetzen, die chinesischen Priestern anvertraut werden sollten. Später schrieb er in seinem Buch Con i missionari in Cina, 1922-1933: memorie di fatti e di idee: „Ich schlug Rom vor, dass nun der Zeitpunkt gekommen sei, eine oder zwei einheimische Diözesen zu errichten. Auf diese Weise hätten beim Nationalkonzil – dem Konzil von Shanghai 1924, Anm. d. Red. – einige chinesische Bischöfe als offizielle Vertreter teilnehmen können.“
Nach seiner Ankunft in China nahm Costantini seinen Sitz in Hankou. Aus geografischen Gründen stand er häufig mit dem Apostolischen Vikariat Hankou in Verbindung. Aufgrund der gemeinsamen Herkunft aus Italien verband ihn eine besonders herzliche Beziehung zu Gratianus Gennaro (田瑞玉, 1863–1923), einem italienischen Franziskaner und Apostolischen Vikar von Hankou.
Von ihm erfuhr Costantini, dass „das Apostolische Vikariat beabsichtigte, zehn südlich des Jangtse gelegene Bezirke den US-amerikanischen Franziskanern anzuvertrauen“. Daraufhin erwog er, „vier dieser Bezirke für die Errichtung einer Diözese vorzusehen, die einem Chinesen anvertraut werden sollte, mit Puchi als Zentrum, wo die Tätigkeit der Kirche bereits gewisse Grundlagen geschaffen hatte“.
Costantini setzte daher seine Kräfte daran, den Apostolischen Vikar von Hankou für diesen Plan zu gewinnen. Später erinnerte er sich: „Ich versuchte, Gennaro davon zu überzeugen, der Initiative zur Errichtung einer einheimischen Diözese zuzustimmen. Er war überrascht und äußerte einige Bedenken. Schließlich sagte er: ‚Die chinesischen Priester haben in China keine rechtliche Stellung und genießen bei den chinesischen Behörden kein Ansehen. Wenn Rom es jedoch wünscht, können wir nur gehorchen.‘“ (ebd.)
Am 12. Dezember 1923 wurde die Apostolische Präfektur Puchi errichtet. Sie wurde aus dem Apostolischen Vikariat Ost-Hubei (Houpe Oriental) herausgelöst. Dieses wurde von italienischen Franziskanern verwaltet und umfasste 1923 fünf Präfekturen: Wuchang, Hanyang, Huangzhou (Hwangchow), De’an (Teian) und Anlu. Das Gebiet war in fünf Dekanate gegliedert: Wuchang, Hanyang, Anlu, De’an und Huangzhou.
Insgesamt wirkten dort 97 Priester, darunter 74 Ausländer und 23 Chinesen. Die chinesischen Priester machten somit 23,71 Prozent des Klerus aus. Damit lag das Vikariat auf Platz 39 unter den damals insgesamt 57 Apostolischen Vikariaten und Präfekturen in China.
Aus dem Apostolischen Vikariat Ost-Hubei wurden drei neue Missionsgebiete herausgelöst. Das Apostolische Vikariat Hankou verfügte über 54 Pfarreien mit ansässigen Priestern und 43.914 getauften Katholiken.
Im Dezember 1923 wurden gleichzeitig mit der Apostolischen Präfektur Puchi auch jene in Wuchang errichtet, die den US-amerikanischen Franziskanern anvertraut wurde, sowie die Apostolische Präfektur Hanyang, die der Gesellschaft für die Auswärtigen Missionen von St. Columban (S.S.C.) übertragen wurde.
Die Apostolischen Präfekturen Puchi und Wuchang wurden beide aus dem Dekanat Wuchang des Apostolischen Vikariats Ost-Hubei herausgelöst. Das Dekanat Hanyang bildete dagegen das Gebiet der Apostolischen Präfektur Hanyang.
Nach den verfügbaren Statistiken umfasste das Dekanat Wuchang des Apostolischen Vikariats Ost-Hubei im Jahr 1923 zehn Bezirke. Die spätere Apostolische Präfektur Puchi sollte die vier Bezirke Puchi, Jiayu (Kiayu), Chongyang (Tsuogyang) und Tongcheng (Tungcheng) umfassen. In diesem Jahr gab es dort nur eine Pfarrei, in Chongyang, mit einem chinesischen Priester und 729 Gläubigen.
Die spätere Apostolische Präfektur Wuchang umfasste dagegen Wuchang, Xianning (Sienning), Echeng (Wocheng), Daye (Tayeh), Tongshan (Tungshan) und Xingguo (Hingkwo). Dort gab es sechs Pfarreien und 2.793 Gläubige. Das Dekanat Hanyang zählte 7.689 Gläubige.
Am 12. Dezember 1923 wurde somit die Apostolische Präfektur Puchi errichtet. In der Geschichte der Kirche in China gilt sie als erste kirchliche Gebietskörperschaft, die einem Angehörigen des einheimischen chinesischen Klerus anvertraut wurde. In jenem Jahr zählte sie 866 Getaufte. Für die Seelsorge standen sieben chinesische Priester und ein italienischer Priester zur Verfügung.
Die materiellen Mittel der neuen Apostolischen Präfektur waren damals praktisch nicht vorhanden. Die missionarische Tätigkeit war entsprechend äußerst schwierig. Zur Unterstützung des neuen Gebiets stellte das Apostolische Vikariat Ost-Hubei (Hankou) 100.000 Tael Silber für die Missionierung zur Verfügung.
Am 10. Mai 1951 wurde die Apostolische Präfektur Puchi zur Diözese erhoben. Sie umfasste die vier Bezirke Jiayu, Puchi, Chongyang und Tongcheng.
Nach den von Zhao Qingyuan in seinem Werk Chronologie der Aufteilung der katholischen Diözesen in China und der Nachfolge ihrer Leiter überlieferten Statistiken verfügte die Diözese damals über 19 Kirchen und Kapellen, zehn chinesische Priester und 5.046 getaufte Katholiken.
2. Die Bischöfe der Diözese
Der erste Bischof der Apostolischen Präfektur Puchi war Odorico Cheng Hede (成和德, 1873–1928), ein Franziskaner aus dem Orden der Minderbrüder (OFM).
Odorico Cheng Hede wurde am 22. Juli 1873 in Laohekou in der Provinz Hubei geboren. Zunächst besuchte er die Schule von Chayuangou. Im Alter von zehn Jahren wurde er gemeinsam mit einem anderen Franziskanerseminaristen nach Italien geschickt, um dort seine Ausbildung zu erhalten.
Am 7. August 1894 trat er in La Verna in Italien in den Orden der Minderbrüder ein. Am 5. Juli 1900 wurde er zum Priester geweiht. Im Januar 1903 kehrte er nach China zurück, um sich der Missionsarbeit zu widmen. Ab 1907 war er stellvertretender Rektor des Kleinen Seminars von Chayuangou. Dieses Amt übte er insgesamt 14 Jahre lang aus.
Odorico war besonders musikalisch begabt und interessierte sich für historische Werke. Er übersetzte die Ordensregel der Franziskaner ins Chinesische und verfasste eine italienische Grammatik für chinesische Schüler. Außerdem schrieb er die Gemeinsame Biografie der seligen Märtyrer Liu Fangji und Dong Wenxue. Dabei handelt es sich um die chinesischen Namen der beiden Märtyrer San Francisco Fernández de Capillas und des heiligen Jean-Gabriel Perboyre. Das Werk wurde von der Druckerei der Kirche von Xujiahui in Shanghai veröffentlicht.
Am 21. März 1924 wurde er zum Apostolischen Präfekten der Apostolischen Präfektur Puchi ernannt und damit zum ersten chinesischen Apostolischen Präfekten. Obwohl Cheng Hede dieses Amt als Priester und noch nicht als Bischof ausübte, war seine Ernennung für die Kirche in China von großer Bedeutung – 250 Jahre nach der Bischofsweihe des Dominikaners Gregorio Luo Wenzao im Jahr 1674.
1924 nahm Cheng Hede gemeinsam mit einem weiteren chinesischen Präfekten am Primum Concilium Sinense, dem Konzil der katholischen Kirche in China, teil, das in Shanghai einberufen worden war.
Am 24. Juni 1926 wurde er zum Titularbischof von Catenna ernannt. Am 28. Oktober 1926 empfing er im Petersdom in Rom die Bischofsweihe durch Papst Pius XI. Damit gehörte er zu den ersten sechs chinesischen Bischöfen, die in der Neuzeit geweiht wurden.
Cheng Hede starb am 14. November 1928 im Alter von 55 Jahren.
Nach seinem Tod wurde Giuseppe Zhang Jingxiu (张敬修, 1881–1941) am 16. April 1929 zum Apostolischen Präfekten von Puchi ernannt. Er starb am 20. April 1941.
Am 23. Februar 1949 wurde der Franziskaner Giuseppe Li Daonan OFM (李道南, 1902–1971) zum Apostolischen Präfekten von Puchi ernannt. Mit der Erhebung der Apostolischen Präfektur zur Diözese am 10. Mai 1951 wurde Li Daonan Bischof der Diözese Puchi. Er starb 1971.
3. Entwicklung der Diözese
Zum Zeitpunkt ihrer Errichtung verfügte die Diözese Puchi über sehr fragile Grundlagen und ein relativ kleines Gebiet, das lediglich vier Bezirke umfasste. Ursprünglich gab es dort nur die Pfarrei Chongyang, die zum Dekanat Wuchang gehörte.
Nach 27 Jahren Entwicklung war die Zahl der getauften Katholiken auf 5.351 gestiegen. Die Diözese verfügte über zehn chinesische Priester und zehn chinesische Ordensfrauen. Insgesamt blieb die Entwicklung der pastoralen Tätigkeit der Diözese jedoch relativ begrenzt und hinter den Erwartungen zurück.
(Fides 22/9/2026)