Die Saat des Evangeliums und der missionarische Auftrag. In Nemi schließt Erzbischof Sangalli den Fortbildungskurs für Bischöfe im Zeichen des heiligen Charles de Foucauld ab

Montag, 21 September 2026 dikasterium für evangelisierung   bischöfe   bildung   ortskirchen   mission  

Nemi (Fides) – Die Fortbildung von Bischöfen als Zeit der Gemeinschaft, der geistlichen Erneuerung sowie der persönlichen und pastoralen Berufung: Diese Perspektive hat Erzbischof Samuele Sangalli in seiner Predigt am 19. September, dem Gedenktag des heiligen Januarius, Bischof und Märtyrer, aufgezeigt. Er sprach zum Abschluss des vom Dikasterium für die Evangelisierung, Sektion für die Erstevangelisierung und die neuen Teilkirchen, veranstalteten Fortbildungskurses. Der Kurs hatte am Sonntag, 13. September, im Zentrum „Ad Gentes“ in Nemi in den Castelli Romani begonnen.
Der Kurs war eine neue, „experimentelle“ Initiative im Rahmen der vom Missionsdikasterium angebotenen Fortbildungen. An den Arbeitseinheiten nahmen 21 Bischöfe aus englischsprachigen Ländern Afrikas teil. Sie waren zwischen 1999 und 2022 zu Bischöfen geweiht worden.

In seiner Ansprache an die Teilnehmer erinnerte der beigeordnete Sekretär des Missionsdikasteriums zunächst an die Worte des Apostels Paulus im Ersten Korintherbrief: „Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden“ (1 Kor 15,49). Diese Worte bezögen sich gewiss „auf die geheimnisvolle Verwandlung, die im Augenblick unseres Todes geschehen wird“. Zugleich machten sie aber auch auf eine Wirklichkeit aufmerksam, die bereits im Leben der Getauften wirksam sei.
„Wir wissen, dass seit dem Augenblick unserer Taufe durch die Kraft des Heiligen Geistes die Umgestaltung unseres Menschseins nach dem Vorbild Christi bereits in uns begonnen hat: eine Verwandlung, die die Zustimmung unseres ganzen Seins verlangt; eine Umkehr, die unser gesamtes Leben als Christen und als Diener des Evangeliums umfasst“, sagte Sangalli.

In diesen Weg fügen sich auch die eigens für Bischöfe veranstalteten Begegnungstage ein. Sie bieten Gelegenheit zu Brüderlichkeit, Vertiefung und innerer Erneuerung. Das Dikasterium habe diese Treffen ins Leben gerufen, und sie seien, so der Erzbischof, „von den Bischofskonferenzen, denen sie angeboten wurden, mit großer Begeisterung aufgenommen worden“.
Sangalli äußerte die Hoffnung, dass sich diese Initiativen festigen und zu regelmäßigen Treffen am Sitz Petri werden. Sie machten die „katholische beziehungsweise universale Dimension der bischöflichen Gemeinschaft“ sichtbar. Vergleichbare regelmäßige Angebote gibt es bereits für neu ernannte Bischöfe.

Der Fortbildungsweg helfe den Hirten, „die Saat“ des Wortes Gottes in sich selbst und in ihrem bischöflichen Dienst zur Reife kommen zu lassen, fuhr Erzbischof Sangalli fort. In diesem Zusammenhang zitierte der beigeordnete Sekretär des Missionsdikasteriums die Konzilskonstitution Dei Verbum: „So ist Gott, der einst gesprochen hat, ohne Unterlaß im Gespräch mit der Braut seines geliebten Sohnes, und der Heilige Geist, durch den die lebendige Stimme des Evangeliums in der Kirche und durch sie in der Welt widerhallt, führt die Gläubigen in alle Wahrheit ein und läßt das Wort Christi in Überfülle unter ihnen wohnen.“
Das Bild der Saat, das auch im an diesem Tag verkündeten Evangelium vorkam, bildete den Kern der Meditation. Erzbischof Sangalli legte den Bischöfen einen längeren Text des heiligen Charles de Foucauld vor, den er als „mystischen Erforscher des alltäglichen Lebens Christi“ bezeichnete.
Der französische Heilige betrachtet darin das unermüdliche Wirken Gottes, der das Evangelium in die Herzen der Menschen sät – auch dann, wenn diese zerstreut, unwillig, undankbar oder feindselig erscheinen.

„Wie gut bist du, mein Gott, der du dich nicht nur würdigst, uns das Wort des Lebens und die Beispiele zu schenken, die uns den Weg zeigen, sondern dich sogar darum sorgst, uns die Hindernisse zu zeigen, die uns daran stören könnten, daraus Nutzen zu ziehen! (…) Wie gut bist du, der du dich so sehr um uns mühst, der du hin und her gehst, den ganzen Tag sprichst, unaufhörlich die Saat des Evangeliums aussäst und sie, ach, so oft in zerstreute, schlecht vorbereitete, undankbare, manchmal sogar feindselige Seelen säst.“
Daraus leitete Sangalli die Aufforderung ab, die Empfänger der Verkündigung nicht auszuwählen, sondern sich die Logik Jesu zu eigen zu machen, der ohne Einschränkung sät.
„Lasst uns jeder Kreatur das Evangelium verkünden, wie Jesus es getan hat, ob sie nun gut oder schlecht darauf vorbereitet ist. Lasst uns die Saat unserer Gebete, unseres guten Beispiels, unserer guten Werke und, wenn Gott es will, unserer Worte in jede menschliche Seele säen. Gott wird sie zu seiner Zeit keimen lassen, wenn die Seele empfänglich ist. Es ist sein und sein Werk. Unsere Aufgabe ist es, wie er zu säen: jedem Menschen das heilige Evangelium zu bringen, durch Worte oder Schweigen, so wie Gott es von uns verlangt.“

Derselbe Text von de Foucauld erinnert auch an die Verantwortung derjenigen, die die Saat des Wortes empfangen:
„Und wenn der göttliche Sämann seine Saat auf uns fallen lässt, lasst sie uns aufnehmen und guter Boden für sie sein: Seien wir nicht ‚oberflächlich‘, sodass der Teufel uns den Samen wegnimmt. Seien wir nicht ‚unbeständig‘, indem wir das Wort aufnehmen und große Pläne der Vollkommenheit schmieden, sie aber bei der ersten Schwierigkeit, die sich ihrer Umsetzung entgegenstellt, wieder aufgeben (…) Seien wir nicht ‚an die irdischen Dinge gebunden‘ und versäumen es dadurch, unsere Pläne zur Vollkommenheit zu verwirklichen.“
Jede Situation des Lebens könne zur Saat werden, sie der Freiheit des Menschen anvertraut sei, erinnerte der Erzbischof mit einem weiteren Zitat des Heiligen:

„Die göttliche Saat fällt zu jeder Stunde auf uns; (…) in jeder Minute, in jeder Sekunde wirft er sie in jede menschliche Seele. Jede gute Eingebung, jeder gute Wunsch, jeder gute Gedanke, dieses gute Beispiel, das wir erhalten haben, dieses gute Buch, das wir gelesen haben, dieses gute Wort, das wir gehört haben, diese schöne Seele, die wir erblickt haben, diese Prüfung, diese Krankheit, dieses Ereignis, dieser Trost, dieses Leiden – kurz: alles, was uns im Leben widerfährt, alles, was Augenblick für Augenblick geschieht, ist eine gute Saat, die der liebevolle Sämann aussät, damit sie auf unserem Boden Frucht schenkt und in uns Früchte des ewigen Lebens hervorbringt: ‚Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht, denen, die gemäß seinem Ratschluss berufen sind‘ (Röm 8,28).“

Am Ende seiner Predigt vertraute Sangalli den Weg der Bischöfe der Fürsprache Mariens und des heiligen Januarius an.
„Der Herr helfe uns also, die Saat, die er in diesen Tagen in uns ausgesät hat, nach seinem Willen Frucht bringen zu lassen.“
Er schloss mit den Worten aus Psalm 56: „Ich habe erkannt: Mir steht Gott zur Seite. Auf Gott, dessen Wort ich lobe, auf den Herrn, dessen Wort ich lobe, auf Gott setzte ich mein Vertrauen, ich fürchte mich nicht..“

Der in Nemi veranstaltete Fortbildungskurs für Bischöfe wurde mit Unterstützung der päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“ durchgeführt. Am Freitagnachmittag, 18. September, nahm Regina Lynch, geschäftsführende Präsidentin von „Kirche in Not“ mit Zuständigkeit für die Regionen Ostafrikas, am Kurs teil. Sie stellte den Teilnehmern die Arbeit der Stiftung vor.

(MLK) (Fides 21/9/2026)


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