Erzbischof von Reims über die neuen Katechumenen und die frühen Christen: „Der Papst wird in Frankreich auf eine Kirche treffen, die sich im Wandel befindet“

Montag, 6 Juli 2026 mission   verkündigung   katechumenen   taufe  

Von Marie-Lucile Kubacki

Reims (Agenzia Fides) – Am 30. Juni ernannte Papst Leo XIV. Éric de Moulins-Beaufort, Erzbischof von Reims, zum Mitglied des Dikasteriums für die Evangelisierung (Sektion für die grundlegenden Fragen der Evangelisierung in der Welt).
Der frühere Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz, Erzbischof De Moulins-Beaufort, brachte vor sechs Jahren in seiner Diözese ein Projekt zur missionarischen Erneuerung auf den Weg, das – wie viele andere auch – insbesondere mit dem dringenden Bedarf verbunden ist, der sinkenden Zahl von Priestern entgegenzuwirken.
Der Theologe und Spezialist für Henri de Lubac sprach mit Fides über seinen Ansatz zur Mission in einem Land, das nicht nur „säkularisiert“ sei, sondern, wie er selbst sagt, von dem „Wunsch geprägt ist, sich außerhalb Gottes und sogar außerhalb des Gottes Jesu Christi zu verankern“.

Sie wurden kurz vor dem Frankreichbesuch von Papst Leo XIV. zum Mitglied des Dikasteriums für die Evangelisierung ernannt. Wenn Sie dem Papst die Kirche, die er in Frankreich treffen wird, kurz beschreiben müssten, wie würden Sie vorgehen?

Er wird in Frankreich eine Kirche erleben, die sich in einem tiefgreifenden Wandel befindet. Wir müssen uns daran gewöhnen, mit einer geringeren Anzahl von Priestern zu leben, auch wenn wir immer auf neue Priesteramtskandidaten hoffen können. Der Rückgang der Priesterzahlen ist aufgrund des Weggangs, der Pensionierung und des Versterbens, die zahlreiche Priestergenerationen geprägt haben, noch lange nicht abgeschlossen. Diese Kirche hat zudem die Folgen der Enthüllungen über sexuellen und spirituellen Missbrauch sowie der Betrug, der in einigen kirchlichen Stiftungen und Einrichtungen, die einst vielversprechend schienen, ans Licht kam, am stärksten zu spüren bekommen.
Dies ist also eine Kirche, die einen Wandel ihres pastoraler Strukturen durchläuft, eine Kirche, die seit einiger Zeit sucht und dabei vielfältige und, wie ich finde, interessante Erfahrungen gemacht hat: Es herrscht Eifer, Begeisterung und der Wunsch, das Evangelium zu verkünden. Sie wandelt sich, um klarer, weniger unbedarft und selbstkritischer zu werden und zu hinterfragen, was ihre Struktur bewirken kann. Dadurch wird sie besser in der Lage sein, diejenigen willkommen zu heißen, die neu kommen, und Christus wahrhaftig zu dienen. Schließlich befinden wir uns in einem Moment der Weltgeschichte, in dem die Ängste die Hoffnungen für die Zukunft überwiegen. Was sich in den letzten zwei, drei Jahren verändert hat, ist, dass das, was einst selbstverständlich schien, wie ein einfacher Akt des Glaubens – den Namen Christi auszusprechen, auf die Gestalt Christi zu schauen –, heute von vielen Katechumenen und Konfirmanden, insbesondere von den jüngeren Generationen, als besonders interessant und erhellend wahrgenommen und erlebt wird.

Welche Früchte beginnen wir in dieser Zeit des Wandels in der Kirche zu sehen?

Ich denke dabei gewiss an Katechumenen, aber auch an echtere geschwisterlichere Beziehungen in der Diözesen- und Pfarreiorganisation, an die Suche nach neuen Wegen und einem tieferen Glaubensverständnis.
Heute können wir uns nicht länger auf ein christliches „Gepäck“ verlassen, das wir wie die Luft zum Atmen empfangen. Christen müssen innerlich gestärkt werden, damit sie in der geistlichen Freiheit Christi wahrhaft frei sind. Viele Christen freuen sich zum Beispiel darüber, dass sie Gebete leiten können: nicht um den Platz der Priester einzunehmen, sondern um das gemeinsames Priestertum aller Gläubigen voll auszuüben.
Dies ermöglicht es uns auch, im Hinblick auf die Frage der Weiheämter deutlicher hervorzuheben, was dem geweihten Dienst – Bischof, Priester, Diakon – eigen ist. Das Taufpriestertum, dieses gemeinsame Priestertum, wird als der wahre Kern der Kirche wiederentdeckt. Ich spüre, dass es in den letzten zehn Jahren in dieser Frage einen großen Wandel gegeben hat, und das ist vielversprechend.

Wie interpretieren Sie das Paradoxon eines Frankreichs, das als zutiefst säkularisiert beschrieben wird, aber gleichzeitig von Religion fasziniert ist, das immer wieder in der öffentlichen Debatte auftaucht?

Es ist, wie Sie sagen, ein wahrhaft französisches Paradoxon. Frankreich ist säkularisiert, doch was es auszeichnet, ist, dass das moderne Frankreich sich auf ein stärkeres Streben nach Autonomie von Gott als die bloße Säkularisierung selbst gegründet hat. Es besteht der spezifische Wunsch, sich außerhalb Gottes, ja sogar ganz bewusst außerhalb des Gottes Jesu Christi, zu erschaffen.
Ich glaube, dies ist Teil der Offenbarung des Gottes Israels, die sich auch durch Widersprüche manifestiert: Es ist ein historischer Moment, nicht das letzte Wort. Es ist daher nicht verwunderlich, dass dies großes Interesse und Aufmerksamkeit hervorruft. Wir haben es erst kürzlich gesehen: Der Tod von Papst Franziskus und die Wahl von Papst Leo haben in Frankreich außerordentliches Interesse geweckt.
Den Franzosen ist sehr wohl bewusst, dass der christliche Glaube eine Schule der Freiheit ist. Sie verstehen Freiheit spontan als Autonomie und Emanzipation, doch man kann auch erkennen, dass sie in Konsens, Akzeptanz, Gastfreundschaft und einer gewissen Abhängigkeit von Gott, der letztendlich mehr befreit, noch größer ist. In Frankreich prallen all diese Aspekte aufeinander: das Bedürfnis nach Emanzipation und das Bewusstsein für den Reichtum dessen, was der Glaube an Gott zu bieten hatte und immer noch bieten kann.

Wie ist das Phänomen der Katechumenen zu bewerten: als Indikator für missionarische Lebendigkeit oder als Zeichen, das mit Vorsicht zu betrachten ist?

Ich lese es in erster Linie als ein Geschenk Gottes, als eine Ermutigung. Es ist nicht das Ergebnis besonders erfolgreicher Seelsorge: Wir haben keine Wunderlösung gefunden. Ich glaube, diese Katechumenen sind ein Geschenk Gottes, um uns in der pastoralen Erneuerung und der Läuterung unserer Sichtweise zu bestärken.
Beim Lesen ihrer Briefe fallen mir zwei Dinge auf. Erstens: Die große Triebkraft ist die Entdeckung eines neuen Lebensweges in der Begegnung mit Christus: in Frieden, in Offenheit gegenüber anderen, jenseits von Groll und Wut, in Hoffnung. Nur wenige äußern den Wunsch, „das Frankreich von einst wiederzuentdecken“: Was ich sehe, ist die Entdeckung eines anderen Lebensweges, manchmal erahnen wir ihn in Menschen, die uns nahestehen, manchmal entdecken wir ihn in einer Prüfung oder einer unerwarteten Begegnung.
Das zweite Element ist, dass sie sich sehr selbstverständlich den theologischen Wortschatz der Heiligen Schrift und der Liturgie aneignen. Sie sprechen von Sünde nicht als bloßem moralischen Versagen, sondern als „Verfehlen des Ziels“, als innerer Ablehnung, deren Eitelkeit plötzlich enthüllt wird, mit Begriffen, die dem heiligen Paulus und der Liturgie entlehnt sind, beispielsweise „Sklaverei“. Die Kraft ihrer spirituellen Erfahrung führt sie dazu, die Sprache der frühen Christen wiederzuentdecken: einfach und sehr kraftvoll.

Wie beeinflussen diese Briefe Ihre eigene Sichtweise auf die Mission und die Verkündigung des Evangeliums?

Lange Zeit verstand ich unter Mission den Mut, unser „Produkt“ Menschen anzubieten, die es nicht kennen und kein Interesse daran haben. Nach und nach begriff ich, dass Mission auch bedeutet, dort gesandt zu sein, wo wir uns befinden, die Last auf sich zu nehmen und vor Gott das Schicksal der gesamten Menschheit zu tragen.
Die Wirksamkeit der Mission bemisst sich nicht allein an der Anzahl der Mitglieder in der Kirche. Sie gehört zum Geheimnis des Kreuzes: Wir nehmen die Einheit mit Christus an, um das Schicksal der Menschheit zu tragen, und der Vater antwortet, wie er will. Wir müssen uns überall, wo wir sind, als Christen verhalten – mit Hingabe und Wahrhaftigkeit –, im Vertrauen darauf, dass das Werk Gottes, der die Menschheit zur Fülle des Lebens führen will, vollendet wird.
Das Thema der Papstreise lautet „Leben in Fülle“. Dies geschieht durch die Freiheit, auszudrücken, was die Quelle ist, die uns Leben schenkt, durch das Bedürfnis zu erkennen, was Jesus uns gibt – und was er allein uns geben kann – und Zeugnis abzulegen von dieser Gabe, die wir in den Sakramenten feiern und zu deren Leben wir in all unseren Begegnungen, auch im gesellschaftlichen Leben, aufgerufen sind.

Wie hat sich die in Reims auf den Weg gebrachte missionarische Reform konkret gestaltet, und welche ersten Ergebnisse sind bereits zu verzeichnen?

Konkret habe ich dieses Jahr eine Reihe von Pastoralbesuchen begonnen, die ich bisher aufgrund meiner Tätigkeit in der Bischofskonferenz und der damit verbundenen häufigen Abwesenheit von der Diözese nicht umfassend durchführen konnte.
Ich habe begonnen, Zeit in den verschiedenen Missionseinheiten zu verbringen: Zwei der elf habe ich bereits besucht, und ich bin noch lange nicht fertig, werde die Besuche aber im nächsten Jahr intensivieren. Wir möchten auch den synodalen Prozess nutzen, zu dem wir eingeladen sind, um unsere Erfahrungen auszudrücken, zu formulieren und zu evaluieren. Wir freuen uns sehr, dass die Saint-Martin-Gemeinschaft zugestimmt hat, eine neue Missionseinheit zu übernehmen, die aus einem zu großen Gebiet entstanden ist, und eigens zu kommen, um die tiefgreifenden Intuitionen unseres Pastoralprojekts zu erfahren. Dies wird unser Projekt neu beleben. Insgesamt denke ich, dass sich die grundlegenden Visionen bestätigt haben. Sie ermöglichen es uns, nicht übermäßig von der Größe des Gebiets und der geringen Priesterzahl im Vergleich zu unserem Wirkungsfeld belastet zu werden. Offenbar sind unsere Kräfte schwächer als wir angenommen hatten: Die Zahl der Priester und Diakone ist geringer als die, mit der wir gerechnet hatten, auch im Hinblick auf die Ziele, die wir uns selbst gesetzt hatten.

Wie haben Sie in Reims sichergestellt, dass die vor sechs Jahren begonnene missionarische Transformation nicht auf eine einfache Strukturreform reduziert wurde? Und welche Früchte sehen Sie?

Die Versuchung, zu glauben, dass sich Dinge durch Strukturreformen, Managementtechniken oder Kommunikationsstrategien verbessern lassen, ist ein weit verbreitetes menschliches Problem. Konkrete Erfolge sind notwendig, doch wir wollten die drei Aufgaben des Priesters neu ordnen: Lehre, Heiligung und Leitung.
Allzu oft wird viel Zeit mit Leitung – also Verwaltung – verbracht, die Heiligung erfolgt dann durch die Feier der Sakramente, und die Verkündigung geschieht oft „wenn Zeit dafür bleibt“. Nun ist die theologische Reihenfolge umgekehrt: zuerst ein Wort der Verheißung, des Lebens, der Befreiung, des Trostes; dann die Heiligung; schließlich die Leitung. Leitung besteht nicht in Verwaltung oder Anweisung, sondern darin, Christen zu unterstützen, damit sie Gottes Weg besser gehen können. Wir müssen unsere Finanz- und Organisationsstruktur weiter optimieren, um offener für das Wort, die Sakramente und die Begegnungen zu sein, in denen wir gemeinsam wachsen.
(Fides 6/7/2026)


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