PAPST LEO XIV. IN SPANIEN - Papst Leo XIV. im Hafen von Arguineguín: “Jedes Leben, das ankommt, stellt uns die Frage, was von unserer Menschlichkeit übrigbleibt“

Donnerstag, 11 Juni 2026 papst leo xiv.   migranten   menschenrechte   apostolische reise  

Gran Canaria (Fides) – „Die Kirche darf sich weder von diesen Gewässern abwenden noch von irgendeinem Ort, an dem Hunger, Durst, Gewalt, Angst oder Exil weiterhin die Menschenwürde verletzen“, so Papst Leo XIV. an diesem Donnerstag (11. Juni) im Rahmen seiner Apostolischen Reise nach Spanien bei der Begegnung mit Vertretern der Aufnahmeeinrichtungen für Migranten, die im Hafen von Arguineguín in Las Palmas de Gran Canaria zusammengekommen waren.
Der Papst nutzte das Bild des Meeres, das er als Durchgangsort, aber auch des Schmerzes beschrieb, um seine Botschaft zu veranschaulichen. „Heute, am Meer, wird das Wort konkret: Hier kommen so viele verwundete Leben an, denen fast alles genommen wurde, aber niemals ihrer Würde“, bekräftigte er und betonte, dass das Evangelium „uns aus der bequemen Rolle des Zuschauers herausreißt und uns vor den Bruder stellt, der ankommt“. Ausgehend von Kapitel 25 des Matthäusevangeliums erinnerte der Papst daran, dass es „eine Warnung ist, die kein Gläubiger auf die leichte Schulter nehmen darf“, weil sie uns dazu aufruft, Christus in den Migranten zu erkennen.
Der Papst erinnerte an das Bild des „Menschenfischers“ aus dem Evangelium und stellte einen direkten Zusammenhang zwischen der Mission der Kirche und dem Leid der Migranten auf See her. „Der Nachfolger Petri darf sich nicht von diesen Anlegestellen abwenden“, erklärte er mit Blick auf Orte wie El Hierro, und betonte„diese Insel, klein an Fläche, aber groß an Menschlichkeit, hat Tausende von Menschen ankommen sehen, die aus ihrer Heimat gerissen und der Zerbrechlichkeit eines ‚Cayuco‘ anvertraut wurden“. „Die Jünger Jesu dürfen den Schrei derer, die aus der Nacht heraus rufen, nicht als ihnen fremd betrachten“, fügte er hinzu.
Der Papst beschrieb das Mittelmeer und den Atlantik als Orte, an denen nicht nur die Natur, sondern auch das Böse des Menschen wirkt. Er verurteilte das Vorgehen von mafiösen Organisationen und Menschenhändlern, die „Frauen und Kinder versklaven“, sowie die Gleichgültigkeit vieler, die „zulassen, dass die Armen von Ausbeutung oder Vergessenheit verschlungen werden“. Angesichts dessen erinnerte er an Gottes Eingreifen, das das Chaos bezwingt und einen Weg bahnt, und erinnerte an die Durchquerung des Roten Meeres und Jesu Worte angesichts des Sturms: „Schweig, sei still!“. „Dort, wo Christus dem Meer befiehlt zu schweigen, darf die Kirche nicht stumm bleiben vor denen, die seinen Fluten ausgeliefert sind.“
Der Papst bedankte sich auch für das Zeugnis derer, die in der Aufnahme arbeiten und dankte ihnen für ihren täglichen Einsatz, wo „Barmherzigkeit mit kleinen Gesten beginnt“, von unmittelbarer Hilfe bis hin zu menschlicher Nähe. Er warnte davor, Migranten auf bloße Zahlen zu reduzieren: „Wenn der Migrant aufhört, ‚einer von vielen‘ zu sein, aufhört, eine Kategorie und eine Zahl zu sein, erst dann verstehen wir, dass dieses Mädchen unsere Tochter sein könnte, dass diese Gesichter Teil unserer Familie; und dann hat das Gewissen keine Ausrede mehr.“
Ein besonders bewegender Moment war dem Zeugnis einer nigerianischen Frau gewidmet, die Opfer von Menschenhandel geworden war und aus Sicherheitsgründen nicht persönlich anwesend sein konnte. „In deinen Worten hören wir das Drama so vieler Menschen, die gezwungen waren, zu gehen, weil Armut, Krieg, Bedrohung oder Ausbeutung ihnen alle Weg verspertt haben“, sagte Leo XIV. zu ihr. „Auch wenn andere deinem Körper einen Preis auferlegt haben, hat Gott nie aufgehört dich als etwas Unbezahlbares anzusehen“, erklärte er und betonte, dass die Würde jedes Menschen auch nach Ausbeutung und Gewalt bestehen bleibt. „Dein Leben gehört nicht denen, die dir Schaden zugefügt haben … Dein Leben gehört Gott und bewahrt eine Würde, die dir niemand nehmen kann. Und wir wollen mit dir gehen, bis diese Wahrheit sich wieder stärker anfühlt, als der Schmerz.“
Der Papst wandte an alle Migranten und bekräftigte: „Ihr seid keine Zahlen, keine Aktennummern! Ihr seid Menschen mit einer Familie und einem Zuhause, das ihr zurückgelassen habt; mit Träumen, die niemand das Recht hat zu missachten“. In diesem Zusammenhang warnte er vor kriminellen Netzwerken, die „ein leichtes Paradies“ versprechen und bezeichnete dies als „Sirenengesang“ und „Gewerbe des Todes“. „Überlasst eure Existenz nicht denen, die damit Handel treiben“, so der Papst.
Der Papst weitete seine Betrachtung auf die politischen und sozialen Verantwortlichkeiten aus und erklärte, die Migrationssituation müsse für Herkunfts-, Transit- und Zielländer sowie für Europa und die internationale Gemeinschaft zu einer „Gewissensprüfung“ werden. In diesem Sinne betonte er, dass man sich nicht daran gewöhnen dürfe, „dass das Mittelmeer und der Atlantik zu Friedhöfen ohne Grabsteine werden“.
„Auch die Kirche muss sich dieser Frage stellen“, fuhr er fort, „Die Aufnahme von Migranten darf keine Nebensache sein.“ „Wir knien nieder vor dem Altar, um Christus in der Eucharistie anzubeten, von dem wir die Kraft und den Antrieb erhalten, Nächstenliebe zu leben … deshalb dürfen wir später nicht an den den kleinen Booten und Beiboten vorübergehen“, betonte er und zitierte damit die Worte des barmherzigen Samariters.
Abschließend forderte er konkrete politische Maßnahmen und sichere, legale Migrationswege und erinnerte daran, dass es zwar das Recht gibt, „Zuflucht zu suchen, wenn das Leben bedroht ist“, aber auch „das Recht, nicht auswandern zu müssen: das Recht, in eigenen Heimat zu bleiben, ohne Hunger, ohne Krieg, ohne Verfolgung, ohne Gewalt …“
Am Ende Begegnung vertraute Leo XIV. die Migranten der Muttergottes vom Berge Karmel an und warnte noch einmal vor Gleichgültigkeit: „Möge die Geschichte uns nicht vorwerfen, dass wir den Schmerz derer, die leiden, zu einem alltäglichen Anblick an unseren Küsten gemacht haben. Denn heute stellt uns hier am Ufer des Meeres jedes Leben, das ankommt, die Frage, was von unserer Menschlichkeit übrigbleibt“.
(LGR) (Fides 11/06/2026)


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