LEO XIV. IN AFRIKA - Papst in Äquatorialguinea: “Die Soziallehre der Kirche ist eine Hilfe für alle, die sich den neuen Herausforderungen stellen wollen”

Dienstag, 21 April 2026 papst leo xiv.   soziallehre   politik   kolonialismus   gemeinwohl  

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Malabo (Agenzia Fides) – „Es ist immer eine Freude, Orte in der Welt zu sehen, an denen die Kirche wächst“, so Papst Leo XIV. bei der Pressekonferenz auf dem Flug von Luanda nach Malabo in Äquatorialguinea an, dem letzten Land seiner ersten Reise nach Afrika als Papst, wo er von zahlreichen Gläubigen vom ersten Augenblick seiner Ankunft an mit überschwänglicher Freude empfangen wurde. Und er erklärte in seiner ersten Rede im Präsidentenpalast vor Vertretern der Regierung, des diplomatischen Korps und der Zivilgesellschaft, er freue sich, „hier zu sein und das geliebte Volk von Äquatorialguinea zu besuchen“.
Begrüßt wurde er von Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo, der vor 44 Jahren auch Papst Johannes Paul II. willkommen geheißen hatte. Er steht symbolisch für jene politischen Führer und Machthaber, die in vielen afrikanischen Staaten ihre Macht über ungewöhnlich lange Zeiträume sichern. Vor 44 Jahren bezeichnete Papst Johannes Paul II. in seiner Ansprache an den Präsidenten Obiang Nguema Mbasogo – der durch einen Putsch gegen das diktatorische Regime seines Onkels Francisco Macías Nguema an die Macht gekommen war – als „die symbolische Mitte, in der die lebenddigen Bestrebungen eines Volkes zusammenlaufen, um ein soziales Klima echter Freiheit, Gerechtigkeit, Achtung und Förderung der Rechte jedes Einzelnen und jeder Gruppe sowie besseren Lebensbedingungen zu schaffen, die es allen ermöglichen, sich als Menschen und als Kinder Gottes zu verwirklichen“. Papst Leo XIV. griff diese Worte in seiner Ansprache auf und betonte: „Das sind immer noch aktuelle Worte, die alle, denen öffentliche Verantwortung übertragen ist, zum Nachdenken anregen können“, wobei er in seiner Ansprache auch an die Kriterien erinnerte, die Christen auf dem Weg der Geschichte und im Umgang mit den Angelegenheiten der Welt leiten.
Dabei zitierte der Papst wiederholt den heiligen Augustinus, der in seinem Werk „De Civitate Dei“ „die Ereignisse und die Geschichte nach dem Modell zweier Städte deutete: der Stadt Gottes, der ewigen Stadt, die durch die bedingungslose Liebe zu Gott (amor Dei) gekennzeichnet ist, zusammen mit der Liebe zum Nächsten, vor allem zu den Armen; und der irdischen Stadt, einem Ort unserer vorübergehenden Wohnstätte, in der Mann und Frau bis zu ihrem Tod leben“. „In dieser Perspektive“, so der Bischof von Rom, „existieren die beiden Städte bis zum Ende der Zeiten nebeneinander.“ Und die Christen sind berufen, „in der irdischen Stadt zu leben, dabei aber Herz und Verstand auf die himmlische Stadt auszurichten, ihre wahre Heimat ist.“
„Jeder Mensch“, so Papst Leo XIV. weiter, „kann etwas mit dem uralte Bewusstsein anfangen, dass wir auf Erden wie auf der Durchreise leben“. Und es bleibe entscheidend, „dass jeder den Unterschied erkennt zwischen dem, was Bestand hat und dem, was vergeht“. Man müsse sich „von unrechtmäßigem Reichtum und von der Illusion des Beherrschens fernhalten“.
Aus diesem Grund – bekräftigt Papst Leo – „ist die Soziallehre der Kirche eine Hilfe für alle, die sich den neuen Herausforderungen stellen wollen, die unseren Planeten und das menschliche Zusammenleben bedrohen, indem sie vor allem das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen“. Dies sei „ein wesentlicher Bestandteil der Sendung der Kirche: zur Gewissensbildung beizutragen durch die Verkündigung des Evangeliums, durch das Aufzeigen moralischer Maßstäbe und echter ethischer Grundsätze, durch Achtung der Freiheit jedes Einzelnen und der Selbstbestimmung der Völker und ihrer Regierungen“.
Mit Blick auf Äquatorialguinea und andere afrikanische Länder bekräftigt Leo XIV., dass „die Ausgrenzung das neue Gesicht sozialer Ungerechtigkeit ist“. Er erinnert daran, dass sich die Kluft zwischen einer „kleinen Minderheit“ – 1 % der Bevölkerung – und der übergroßen Mehrheit dramatisch vergrößert hat“. Er betont, dass „der rasante technologische Wandel, die wir beobachten, eine Rohstoffe-Spekulation beschleunigt hat“, die „wesentliche Anliegen, wie die Bewahrung der Schöpfung, die Rechte lokaler Gemeinschaften, die Würde der Arbeit und den Schutz der öffentlichen Gesundheit in den Hintergrund zu drängen scheint“. In diesem Zusammenhang zitiert er Papst Franziskus in seinem Schreiben „Evangelii Gaudium“ über „diese Wirtschaft, die tötet“. Er stellt fest, dass die gegenwärtige „Ausbreitung bewaffneter Konflikte eine ihrer Hauptursachen in der Kolonisierung von Öl- und Mineralvorkommen hat, ohne Rücksicht auf das Völkerrecht und das Selbstbestimmungsrecht der Völker“. Und die neuen Technologien selbst „scheinen in erster Linie für kriegerische Zwecke konzipiert und eingesetzt zu werden“.
Doch– so fuhr der Nachfolger Petri fort – „Gott will das nicht.“ Und „sein heiliger Name darf nicht durch den Willen, andere zu beherrschen, durch Anmaßung und Diskriminierung entweiht werden; vor allem darf er niemals zur Rechtfertigung todbringender Entscheidungen und Handlungen herangezogen werden.“
Die Schlussworte von Papst Leos erster Ansprache in Äquatorialguinea sind ermutigend: „Ihr Land“, so der Papst, „ist ein junges Land! Ich bin daher überzeugt, dass Sie in der Kirche Unterstützung finden, um freie und verantwortungsbewusste Menschen heranzubilden, mit dem Sie gemeinsam in die Zukunft gehen können“. Der Papst erinnert daran, dass „in einer von Machtmissbrauch verwundeten Welt“ die Völker „nach Gerechtigkeit dürsten“ und dass „es gilt diejenigen wertzuschätzen, die an den Frieden glauben und es zu wagen, unkonventionelle politische Maßnahmen zu ergreifen, bei denen das Gemeinwohl im Mittelpunkt steht“. Abschließend betont er, dass „die Stadt Gottes, die Stadt des Friedens“, als nur angenommen werden kann „als ein Geschenk, das von oben kommt und auf das wir unsere Sehnsucht und all unsere Ressourcen ausrichten“. „Lassen Sie uns gemeinsam, mit Weisheit und Hoffnung, auf die Stadt Gottes zugehen, die Stadt des Friedens“, schloß der Bischof von Rom.
(GV) (Fides 21/4/2026)


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