AFRIKA/SÜDAFRIKA - Kardinal Brislin nach Papstkritik des US-amerikanischen Präsidenten: „Papst Leo XIV. vertritt die Position der gesamten katholischen Kirche“

Mittwoch, 15 April 2026

Johannesburg (Fides) – Die Kritik des US-Präsident Donald Trump auf Papst Leo XIV. sei „Anlass zu großer Besorgnis“, so der Erzbischof von Johannesburg, Kardinal Stephen Brislin, in einem von der Tageszeitung „Daily Maverick“ veröffentlichten Artikel. Er äußerte sich darin in seiner Funktion als Vorsitzender der Bischofskonferenz des Südlichen Afrika (SACBC), der auch die Bischöfe von Botswana, Südafrika und Eswatini angehören.
Mit Blick auf die Äußerungen Trumps bezüglich der Wahl von Papst Leo XIV. (der gewählt worden sei, „weil er Amerikaner war und man glaubte, dies sei der beste Weg, mit Präsident Donald J. Trump umzugehen“) schreibt Kardinal Brislin: „Ich kann nur bezeugen, dass wir in der Sixtinischen Kapelle, bei der Wahl des Heiligen Vaters keinen bestimmten politischen Führer berücksichtigt haben. Auch die Nationalität des künftigen Papstes spielte für uns keine Rolle. Vom Heiligen Geist geleitet, wählten wir die Person, die am besten geeignet war, Oberhaupt der Kirche zu werden, die am besten auf die Bedürfnisse unserer Zeit eingehen und allen Völkern der Welt am besten dienen konnte.“
Bezüglich der von Papst Leo XIV. geäußerten und von Trump kritisierten Positionen betont der Kardinal: „Leo XIV. hat die Position der Kirche zu den wichtigsten globalen Herausforderungen klar dargelegt, darunter der Umgang mit Migranten, die Klimakrise, die Notwendigkeit der Wahrheit im Zeitalter von Desinformation und künstlicher Intelligenz sowie die Ablehnung von Krieg und militärischen Interventionen.“ „Dies sind nicht die persönlichen Positionen des Papstes. Es ist die Position der gesamten katholischen Kirche, die wir alle vertreten und verteidigen“, betont der Kardinal.
In diesem Zusammenhang äußerte sich die SACBC auch zur Veröffentlichung eines KI-generierten Bildes des amerikanischen Präsidenten, das ihn als Christus darstellt. „Jede Darstellung, die einem politischen Führer die Identität oder das Abbild unseres Herrn Jesus Christus zuschreibt, ist gotteslästerlich und stellt eine schwere Beleidigung des christlichen Glaubens dar“, heißt es in einer Erklärung von Bischof Thulani Victor Mbuyisa von Kokstad, Vorsitzender der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der SACBC. Die Erklärung führt weiter aus: „Dies ist ein Bild, das das Geheimnis der Menschwerdung und die Person Christi, der allein das ‚Bild des unsichtbaren Gottes‘ ist (Kolosser 1,15), trivialisiert.“
„Als Nachfolger Christi werden wir keiner irdischen Autorität, wie mächtig sie auch sein mag, erlauben, sich eine göttliche Identität anzueignen oder die Symbole des Glaubens so zu vereinnahmen, dass die Wahrheit des Evangeliums verfälscht wird“, so Bischof Mbuyisa.
Der Vorsitzende der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden lehnt den instrumentellen Gebrauch von Religion für politische Zwecke entschieden ab. „Präsident Trumps Handeln wurzelt in einer starken Strömung des christlichen Nationalismus und ist von dieser geprägt“, betont er. „Wir lehnen Formen des christlichen Nationalismus entschieden ab, die die Verehrung politischer Führer fördern und diese als Heilsbringer für ihre Nationen darstellen, indem sie sie als ‚politische Messiasse‘ präsentieren, die beauftragt sind, ihre Nationen wieder groß zu machen.“
Die Kritik des amerikanischen Präsidenten an Papst Leo XIV. verurteilt Erzbischof Mbuyisa diese aufs Schärfste: „Wir verurteilen Präsident Trumps Angriffe gegen Papst Leo XIV., der seinen Petrusdienst treu ausübt und in einer von persönlicher und struktureller Sünde verwundeten Welt den Frieden des auferstandenen Christus verkündet.“
„Präsident Trumps lächerliches Vorgehen wird die Kirche daher nicht daran hindern, ihre Stimme zu erheben und die Heilung und den Frieden des auferstandenen Herrn in unserer verwundeten Welt zu verkünden“, so Erzbischof Muyisa. „Wir wiederholen daher die Botschaft von Papst Leo XIV. an Präsident Trump und all jene, die die Welt an den Rand eines dritten Weltkriegs und einer globalen Wirtschaftskrise führen: ‚Schluss mit der Selbstvergötterung und mit der Vergötzung des Geldes! Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg! Wahre Stärke zeigt sich im Dienst am Leben‘“, heißt es abschließend in der Erklärung.
(L.M.) (Fides 15/4/2026)


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