AMERIKA/USA - Kardinal Cupich bezeichnet Darstellung von Krieg als Videospiel als “Verlust der Menschlichkeit“

Sonntag, 8 März 2026 kriege   krisengebiete  

VaticanMedia

Chicago (Fides) – Es seien „mehr als tausend iranische Männer, Frauen und Kinder“, die „nach tagelangen Bombardierungen der USA und Israels ums Leben gekommen sind“. Unterdessen veröffentlichte der offizielle X-Account des Weißen Hauses am Donnerstagabend ein Video mit Szenen aus beliebten Actionfilmen mit echten Aufnahmen von Luftangriffen auf den Iran. Ein Videoclip, in dem „ein echter Krieg mit echtem Tod und echtem Leid“ behandelt wird, „als wäre es ein Videospiel“. So beschreibt der Erzbischof von Chicago, Kardinal Blaise J. Cupich, das Video, das in den letzten Tagen vom Weißen Haus verbreitet wurde und in dem Bilder der US-amerikanischen und israelischen Bombardierungen iranischer Städte mit der Musik des Songs „Macarena“ im Hintergrund gezeigt werden. Eine Idee, die der US-Kardinal in einer Erklärung mit dem Titel „Ein Appell an das Gewissen“ („A Call to Conscience“) als „widerwärtig“ bezeichnete. Die Erklärung wurde veröffentlicht, während Kardinal Cupich in Chicago den Vorsitz des internationalen Treffens für Frieden und Versöhnung innehatte, das von der „Loyola University“ in Zusammenarbeit mit der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika organisiert wurde.
„Hunderte von Menschen“, so der US-Kardinal, „sind tot. Mütter und Väter, Töchter und Söhne, darunter Dutzende von Kindern, die den fatalen Fehler begangen haben, an diesem Tag zur Schule zu gehen. Sechs US-Soldaten wurden getötet. Auch sie werden durch diesen Social-Media-Beitrag entehrt. Hunderttausende sind vertrieben worden, und viele weitere Millionen im Nahen Osten leben in Angst.“ Und das „schreckliche“ Video, in dem der israelisch-amerikanische Angriff auf den Iran verherrlicht wird, „zeigt, dass wir in einer Zeit leben, in der sich die Distanz zwischen Schlachtfeld und Wohnzimmer drastisch verringert wurde“.
Der Krieg, beklagt Kardinal Cupich weiter, sei „mittlerweile zu einem Zuschauersport oder Strategiespiel geworden“. „Journalisten“, so der Kardinal, „verwenden den Begriff ‚Gamifizierung‘ des Krieges, um diese Dynamik zu beschreiben“. Dabei handele es sich um „ein tiefgreifendes moralisches Versagen, denn die ‚Gamifizierung‘ nimmt realen Menschen ihrer Menschlichkeit“.
Laut Kardinal Cupich beklagt die Haltung der US-Regierung, die „das Leiden des iranischen Volkes wie eine Kulisse für unsere eigene Unterhaltung behandelt, als wäre es nur ein weiterer Inhalt, den man durchblättert, während man im Supermarkt in der Schlange steht“. Eine Spirale, in der jede Menschlichkeit verloren geht, wenn „wir von der zerstörerischen Kraft unserer Armee“ begeistert seien. „Wir werden süchtig nach dem ‚Spektakel‘ von Explosionen. Und der Preis für diese Gewöhnung ist fast nicht wahrnehmbar, da wir gegenüber den wahren Kosten des Krieges abgestumpft werden“. „Ich weiß, dass das amerikanische Volk besser ist als das“, so Kardinal Cupich abschließend, „Wir haben den gesunden Menschenverstand zu erkennen, dass das, was geschieht, keine Unterhaltung, sondern Krieg ist, und dass der Iran eine Nation von Menschen ist und kein Videospiel, das andere spielen, um uns zu unterhalten.“
(GV) (Fides 8/3/2026)


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