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Asia

2003-09-17

ASIEN/IRAK - BISCHOF SHLEMON WARUNDI VOM PATRIARCHAT BAGDAD IM GESPRÄCH MIT FIDES: „WIR BITTEN NUR UM DIE ACHTUNG UNSERER RELIGIÖSEN, POLITISCHEN, SOZIALEN UND ETHNISCHEN RECHTE“ – IM DIALOG MIT DEN MUSLIMEN ÖFFENEN SICH NEUE PFORTEN

Bagdad (Fidesdienst) – In der Nachkriegszeit versuchen im Irak verschiedene politische Parteien und religiöse Gruppen sich eine Rolle beim Aufbau des neuen Irak zu sichern. Auch die chaldäische katholische Gemeinde, der die Mehrheit der Christen im Irak (80%) angehören fordert die eigene Anerkennung und eine Vertretung im irakischen Verwaltungsrat, wie aus dem gemeinsamen Schreiben der chaldäischen Bischöfe hervorgeht, mit dem sich diese an den Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, wenden. In der Verlautbarung, die auch dem Fidesdienst vorliegt (vgl. vollständiger Wortlaut unter www.fides.org) wurde am 15. September von 19 chaldäischen Bischöfen unterzeichnet, die darum bitten, dass die Rechter der Christen im Irak auf religiöser, gesellschaftlicher und politischer Ebene anerkannt werden. Der Fidesdienst bat den Apostolischen Administrator des Chaldäischen Patriarchats Bagdad, Bischof. Shlemon Warduni um einen Kommentar.

In Ihrem Dokument heißt es, dass die Rechte der Chaldäer von der neuen Regierung nicht in angemessenem Maß berücksichtigt werden. Warum?
Wir haben diesen Brief an den Zivilverwalter Bremer geschrieben um in zu fragen, weshalb die Chaldäer im Irak, die dort die Mehrheit der Christen darstellen und seit dem ersten Jahrhundert des Christentums in diesem Land leben, nicht in der neuen Regierung vertreten sein sollen. Wir haben das Gefühl, dass unsere Rechte nicht respektiert werden, dass sie vernachlässigt werden. Wir haben von Anfang an die Achtung unserer religiösen, politischen, sozialen und ethnischen Rechte gefordert. Dabei geht es nur um die Achtung unserer Rechte und nichts anderes. Wenn wir einen Blick in die Vergangenheit werfen, als der Irak noch ein monarchischer Staat war, dann sehen wir, dass unser Patriarch damals als eine Art Senator an der Regierung beteiligt war. Heute sind wir die drittgrößte Volksgruppe nach den Arabern und nach den Kurden …

Welche Rolle spielen die Christen heute im Irak?
Die irakischen Christen sind, wie alle, Bürger des Irak: ihre Rolle darf beim Aufbau des Landes nicht fehlen, sie sollen mit allen Bürgern bei der Verwirklichung dieses Ziels zusammenarbeiten. Unter diesen Gesichtspunkten gibt es also keinen Unterschied zwischen Christen und Muslimen. Der wahre Iraker ist derjenige, der mit den anderen beim Aufbau des Landes zusammenarbeitet. Als Christen fürchteten wir uns vor Fanatikern: doch obschon es einige davon gibt, will die Mehrheit der Muslime zusammenarbeiten und sie wünschen sich einen pluralistischen demokratischen Staat.

Der Irak steht oft im Mittelpunkt von Medienberichten …
Die Medien sollten die Wahrheit sagen und nicht Probleme schaffen. Im Namen aller Iraker fordern wir die Massenmedien auf, die Wahrheit zu sagen und die Dinge nicht größer zu machen als sie sind, dabei sollten sie auch von positiven Dingen berichten.

Wie steht es heute, nach dem Krieg, um die Beziehungen zu den Muslimen?
Wir können nicht über die Kontakte und Beziehungen zu unseren muslimischen Brüdern klagen. Im Gegenteil, heute haben sich neue Pforten im Dialog mit den Muslimen geöffnet. Am 22. Mai dieses Jahres haben wir uns zum Beispiel in Najaf, der heiligen Stadt der Schiiten, mit schiitischen und sunnitischen Vertretern des Islam zu Gesprächen getroffen. Wir trafen auch Ajatollah Hakim, der später ermordet wurde und Ajatollah Sistani: beide haben uns mit offenem Herzen und freudig empfangen und uns gegenüber betont, dass wir beim Aufbau eines demokratischen Irak zusammenarbeiten müssen, in dem alle Komponenten des Landes tatsächlich garantiert werden. (BM) (Fidesdienst, 17/9/2003 – 54 Zeilen, 560 Worte)

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