ASIEN/SYRIEN - Islamischer Staat greift christliche Dörfer am Fluß Khabur an

Dienstag, 24 Februar 2015

Hassakè (Fides) – In den frühen Morgenstunden des gestrigen 23. Februar, griffen rund 40 Pick-up-Fahrzeuge des Islamischen Staates (IS) mehrere christliche Dörfer entlang des Flusses Khabur in der Provinz Dschadzira im Nordosten Syriens an. Dutzende christliche Dorfbewohner wurden von den Dschihadisten in Geiselhaft genommen und mehrer Kirchen in Brand gesteckt oder beschädigt. Dies bestätigt der syrisch-katholische Bischof von Hassaké-Nisibi, Jacques Behnan Hindo: “die Terroristen”, so der Erzbischof, “drangen zuerst in das Dorf Tel Tamar und fuhren dann nach Tel Shamiran weiter und von dort in andere kleinere Dörfer bis nach Tel Hermuz, wo sie alles in Brand steckten. Sowohl in Tel Hormuz, als auch in Tel Shamiran wurden Dutzende Personen in Geiselhaft genommen, für die wahrscheinlich für Lösegeldforderungen oder die Forderung nach der Freilassung von Kriegsgefangenen erhoben werden sollen. Gestern Abend gegen 21,30 Uhr teilten die kurdischen Milizen mit, dass sie Tel Hormuz mit Hilfe christlicher Truppen zurückerobern konnten. Dies wurde jedoch noch nicht offiziell bestätigt.” “Ich möchte jedoch unmissverständliche darauf hinweisen”, so der Erzbischof weiter, “dass wir den Eindruck haben, als ob man uns dem Islamischen Staat ausliefern will. Amerikanische Kampfflugzeuge flogen gestern mehrmals über das Gebiet ohne einzugreifen. Hundert assyrische Familien fanden Zuflucht in Hassakè, wo sie jedoch keine Hilfe vom Roten Halbmond oder anderen syrischen Hilfswerken erhielten, vielleicht, weil es sich um Christen handelt? Auch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen leistet keine Hilfe”.
“In dieser Gegend”, so Erzbischof Hindo in einem früheren Interview (vgl. Fides 02/02/2015) “gab es einmal 30 christliche Dörfern, die in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden sind und hauptsächlich von assyrischen und chaldäischen Christen aus dem Norden des Irak bewohnt wurden, die hier Zuflucht vor der Verfolgung durch die irakische Armee suchten. Es waren blühende Dörfer mit jeweils mehreren Tausend Einwohnern mit sehr engagierten Gläubigen, die auch Schulen und Sozialeinrichtungen betrieben. Doch seit Anfang des Krieges sind diese Dörfer fast leer und sehen oft aus wie Geisterstädte. In einem Dorf lebt nur noch ein einziger Christ. In den anderen sind es vielleicht noch ein paar Dutzend. In Tel Hormuz lebte bisher die größte assyrische Gemeinde, doch auch hier gibt es heute nicht mehr als 300 Christen, während es früher einmal über 4.000 waren”. (GV) (Fides 24/2/2015).


Teilen: