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2013-08-28

ASIEN/IRAK - Chaldäischer Patriarch bezeichnet militärisches Eingreifen als „großes Unheil“

Bagdad (Fidesdienst) – Ein militärisches Eingreifen unter Leitung der USA in Syrien wäre „ein großes Unheil. Es wäre, als ob man einen Vulkanausbruch verursacht, der Irak, Libanon und Palästina überrollt. Vielleicht ist für manche gerade dies das Ziel“, so der chaldäische Patriarch Louis Raphael I. Sako zum Fidesdienst mit Blick auf ein mögliches Eingreifen gegen das Assad-Regime. Der Patriarch leitet die größte christliche Glaubensgemeinschaft im Irak und das eventuelle Eingreifen des Westens erinnert ihn an die Entwicklung im eigenen Land: „Zehn Jahre nach dem Eingreifen der so genannten ‚Koalition der Willigen’ zum Sturz des Saddam-Regimes“, so Sako, „ist unser Land immer noch von Bomben gemartert und es gibt Sicherheitsprobleme, Instabilität und eine Wirtschaftskrise“. Im Fall Syriens, so der chaldäische Patriarch weiter, seien die Dinge noch komplizierter, da die tatsächliche Dynamik des Bürgerkriegs schwer zu verstehen sei: „Die Oppositionellen“, so der Patriarch, „sind gespalten und die verschiedenen Gruppen bekämpfen sich untereinander. Es gibt immer mehr dschihadistische Milizen… Wie die Entwicklung im Land weitergehen… danach?“. Die Gründe, die westliche Länder als Rechtfertigung für ein mögliches Eingreifen nennen, hält der Vertreter der chaldäischen Kirche im Irak für zweckbestimmt und konfus: „Alle sprechen von Demokratie und Freiheit, doch damit diese Ziele erreicht werden muss es historische Prozesse geben, man darf nicht denken, dass dies auch mechanische Weise oder noch weniger durch Erzwingen geht. Der einzi9ge Weg in Syrien und anderswo ist die Suche nach politischen Lösungen. Man muss Kämpfer zu Verhandlungen bewegen und sich eine provisorische Regierung vorstellen können, an der sowohl das Regime als auch die Opposition beteiligt sind. Man sollte auf die tatsächlichen Wünsche der Mehrheit der syrischen Bevölkerung hören“. Der chaldäische Patriarch äußert auch Zweifel an der Rechtfertigung des Eingreifens mit dem Einsatz von Chemiewaffen seitens der syrischen Armee: „Auch das westliche Eingreifen gegen Saddam wurde damit gerechtfertigt, dass dieser angeblich Massenvernichtungswaffen besaß. Doch diese Waffen wurden nie gefunden“. (GV) (Fidesdienst, 28/08/2013)

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