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Asia

2013-02-27

ASIEN/IRAK - Sunniten und Christen im Visier einer neuen schiitischen Miliz

Bagdad (Fidesdienst) – Im Irak befürchten viele eine Rückkehr zur sektiererischen Gewalt, die im Land jahrelang zu Blutvergießen geführt hat. Familien eines sunnitischen Stadtviertels von Bagdad wurden in den vergangenen Wochen von der so genannten schiitischen Mukhtar-Armee mit Todesbotschaften bedroht und zum Verlassen des Stadtviertels aufgefordert. Wie Beobachter vermuten, soll die Gruppe mit der iranischen Revolutionsgarde in Verbindung stehen und sektiererische Spannungen heraufbeschwören wollen, in der Art, wie sie vor der Ankunft der amerikanischen Truppen herrschten und seit 2008 langsam verschwunden waren. Dabei sollen vor allem Sunniten und andere religiöse Minderheiten im Visier der Schiiten stehen. Eine neue Welle der Gewalt könnte die fragilen Fortschritte zunichte machen, die der Irak in den vergangenen Jahren auf politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ebene gemacht hat.
Die sunnitische Minderheit im Irak hat bereits mehrmals im Rahmen öffentlicher Kundgebungen auf „eine Diskriminierung seitens der amtierenden Regierung“ aufmerksam gemacht, während sunnitische Extremisten immer Anschläge auf wieder schiitische Ziele verübten. Die irakischen Sicherheitskräfte, die in verschiedenen Stadtvierteln Bagdads stationiert sind, versuchen mehr Sicherheit für die Zivilbevölkerung zu garantieren, doch viele befürchten den Ausbruch eines Konfessionskonflikts.
Vor einem solchen Hintergrund gehört auch die christliche Minderheit zu den schwachen Gliedern der Gesellschaft: im Kreuzfeuer zwischen Schiiten und Sunniten, werden religiöse Minderheiten als „unerwünschte Gäste“ im Land betrachtet. Mit Blick auf die derzeitige kritische Lage und die zukünftigen Herausforderungen, fordern christliche Religionsführer, darunter auch der neue chaldäische Patriarch, Erzbischof Luis Sako, alle Bürger des Landes auf, „persönliche, religiöse und konfessionelle Interessen“ zu verzichten. In diesem Zusammenhang appellieren sie an Vertreter von Politik, Gesellschaft und Religionsgemeinschaften mit der Bitte um „Engagement zum Wohl des Iraks und für den Frieden der irakischen Bevölkerung“. (PA) (Fidesdienst, 27/02/2013)

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