ASIEN/SYRIEN - Syrisch orthodoxer Bischof von Aleppo: Eine dringend notwendige diplomatische Initiative sollte sich an den Appellen des Papstes inspirieren

Montag, 8 Oktober 2012

Aleppo (Fidesdienst) – „Die Situation spitzt sich stetig zu. Wir werden nicht mehr monatelang unter solchen Bedingungen leben können. Als Hirten der christlichen Kirchen können wir nicht viel tun. Die Vertreter der Muslime scheinen untereinander gespalten. Da die westlichen Mächte untätig zusehen könnten der Heilige Stuhl oder kirchliche Gemeinschaft operative Vorschläge auf den Weg bringen, damit Auswege aus diesem Konflikt gesucht werden. Diese sollten sich an den im Rahmen einer konkreten Agenda an den Appellen von Papst Benedikt XVI. bei seinem Libanonbesuch inspirieren. Die Worte des Heiligen Vaters waren von großer Bedeutung und wurden hier bei uns sowohl von Christen als auch von Muslimen geschätzt“, so der syrisch-orthodoxe Metropolit von Aleppo, Bischof Mar Gregorios Yohanna Ibrahim, der damit konkrete diplomatische Initiativen fordert, die sich an den Appellen des Papstes inspirieren.
In der umkämpften Stadt Aleppo, so der syrisch-orthodoxe Bischof im Gespräch mit dem Fidesdienst, „war die letzte Woche für alle gefährlich. Es wird alles verwüstet, unzählige Menschen müssen sterben. Wir hören jeden Tag überall Explosionen. In unserem Viertel Suleymania, wo viele Christen leben, ist es besonders gefährlich. Wir leben in der Nähe der Quartiere, in denen sich die Rebellen der Free Syrian Army. Die Regierung bombardiert aus der Luft. Derzeit können wir unsere Schulen nicht öffnen und die Menschen nicht in unseren Kirchen empfangen. Jeden Tag gibt es Tote, in den christlichen Kirchen gibt es jeden Tag Beerdigungen. Erst gestern habe ich ein Requiem für einen syrisch-orthodoxen Soldaten zelebriert, der in Sweida ermordet wurde.“
Christen sind auf unterschiedliche Weise von der Spirale der Gewalt betroffen: „Zu Beginn“, so der Metropolit, „äußerten sich Vertreter der verschiedenen Gemeinschaften besorgt im Hinblick auf die Aufstände. Nun hat sich die Situation verändert, alle sind stiller geworden und warten darauf, wohin das alles führt. Sie fragen sich verängstigt, wie wohl die eigene Zukunft aussehen wird“.
„Wenn sich Brüder gegenseitig ermorden“, so der Bischof im Gespräch mit dem Fidesdienst, „dann ist dies eine Schande vor den Augen der Menschheit“. Nach Ansicht des Bischofs gibt es Christen sowohl in den Reihen der Opposition als auch unter den Anhängern des Regimes, denn „nicht alle sind sich einig und denken dasselbe. Doch man kann nicht verallgemeinernd sagen, dass Christen zu den Waffen greifen. Wer dies tut, entweder auf der einen oder auf der anderen Seite, der tut dies als Individuum. Für alle anderen gibt es nur noch den Ausweg der Flucht. Hunderte Familien haben dies schon getan und andere denken darüber nach. Es wiederholt sich in Syrien, was bereits im Irak geschehen ist.“ Mar Gregorios Yohanna Ibrahim ist Bischof einer Ostkirche, die unterdessen in der Diaspora lebt: die meisten syrisch-orthodoxen Christen leben seit langem in Europa und Amerika. „Ich bleibe hier“, so der Bischof abschließend, „denn ich kann Aleppo nicht verlassen, ich muss bei meinen Gläubigen bleiben“. (GV) (Fidesdienst, 08/10/2012)


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